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7. Mai 2015
Sie kämpften für die Freiheit – Gedenkfeier für die gefallenen jüdischen Soldaten
München, 7. Mai 2015. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus hat die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern der im Kampf gegen den Nationalsozialismus gefallenen jüdischen Soldaten gedacht.
Auf der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München sprachen neben Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern:
Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags
Dr. Ludwig Spaenle, Bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
Dr. Florian Roth, Stadtrat, in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München
Solomon Brandobovski, Vertreter der Veteranen
Ariel Kligman, Integrationsbeauftragter der IKG
Landtagspräsidentin Barbara Stamm mahnte, Erinnerung bedeute auch die Verantwortung, die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Dabei komme es auf die jungen Menschen an: „Sie werden unsere Gesellschaft künftig prägen und in der Zukunft die Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben in gegenseitiger Achtung und Toleranz schaffen. Es ist an uns, die junge Generation dabei nach Kräften zu unterstützen.“
Im Namen der Bayerischen Staatregierung verneigte sich Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle vor den gefallenen jüdischen Soldaten. Das Gedenken an sie sei eine „weitere wichtige Wegmarke in unserem Erinnern“, es gehe darum den Opfern, Stimme, Zeit und Erinnerung zu geben. Heute gelte es, wachsam zu sein, damit alle Menschen in unserem Land in Frieden und Freiheit leben könnten.
Stadtrat Dr. Florian Roth erinnerte daran, dass München als „Hauptstadt der Bewegung“ mit Schuld trage am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dankte den „heldenhaften jüdischen Soldaten“. Der 8. Mai sei für die Opfer, aber auch für Deutschland ein Tag der Befreiung gewesen.
Eingangs hatte es IKG-Präsidentin Dr. Charlotte Knobloch als größten Sieg über den Nationalsozialismus bezeichnet, dass heute viele jüdische Veteranen der Roten Armee ebenso wie Überlebende des Holocaust im demokratischen Deutschland, in München eine Heimat gefunden haben: „Gemeinsam gedenken wir und feiern wir [die Befreiung vom Nationalsozialismus]. Gemeinsam sind wir hier angekommen – im ehemaligen Land des Feindes, im ehemaligen Land der Mörder.“
Ariel Kligman sagte: „In der Geschichte jeden Volkes gibt es Daten, die niemals vergessen werden, doch der 9. Mai 1945 ist ein Datum, das eine gesamtmenschliche Bedeutung hat. Das ist ein Tag, als ein Schlussstrich für den Sieg über den Nationalsozialismus gesetzt wurde, einer schrecklichen und zynischen Macht, die zu ihrem Ziel die Eroberung der ganzen Welt und die Vernichtung des jüdischen Volkes erklärt hat. Das ist der Tag des großen Sieges, der Gerechtigkeit über das Böse und der Gewalt.“
Der Veteran des Zweiten Weltkrieges, Solomon Brandobovski, betonte: „Auf diesem jüdischen Friedhof, hinter diesem Denkmal, fanden viele ehemaligen Frontkämpfer ihre letzte Ruhe. Wir sind der jüdischen Gemeinde sehr dankbar. Heute leben wir in Deutschland. In diesem gastfreundlichen Land. Und ich wünsche der jungen Generation, dass sie alles dafür tut, dass Deutschland ein demokratisches und freies Land bleibt.“
An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Veteranen der ehemaligen Alliierten sowie Vertreter des diplomatischen Corps teil, so der Generalkonsul der Russischen Föderation, Sergey Pavlovitsch Ganzha, der Generalkonsul der Ukraine, Vadym Kostiuk, der Generalkonsul der Republik Belarus, Aleksandr Ganevich und der Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika, Bill Moeller.
Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern nahm den 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 zum Anlass, der im Zweiten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten gemeinsam mit Vertretern aus Stadt- und Landespolitik sowie der Kirchen zu gedenken. Sie macht damit auf ein Kapitel jüdischer Geschichte aufmerksam, das gerade in Deutschland wenig bekannt ist: Jüdische Soldaten hatten einen wichtigen Anteil am Kampf gegen den Nationalsozialismus und an der Befreiung der Welt von diesem Terror-Regime. Rund eineinhalb Millionen Juden kämpften in den Armeen der Alliierten, davon 500.000 in der Roten Armee und 550.000 in der US-Armee.
Im Zuge der Einwanderung von jüdischen Menschen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen in den 90-er Jahren auch zahlreiche jüdische Veteranen nach München. Nicht wenige von ihnen waren an der Befreiung der Konzentrationslager beteiligt. Für diese Männer und Frauen ist der Tag des Kriegsendes – wegen der Zeitverschiebung ist dies in Russland der 9., nicht wie in Zentraleuropa der 8. Mai – seither der wichtigste Feiertag. Heute sind sie nicht nur ein selbstverständlicher Teil der jüdischen Gemeinde, sondern auch der Stadtgesellschaft. Das Land des einstigen Feindes ist ihnen Heimat geworden.
Das Denkmal von Alexander Shimanovskiy, das im Jahr 2010 auf dem Neuen Israelitischen Friedhof enthüllt wurde, ist das einzige Mahnmal in Deutschland, das an alle im Zweiten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten erinnert.

(v.l.) IKG-Integrationsbeauftragter Ariel Kligman, Generalkonsul der Ukraine Vadym Kostiuk, US-Generalkonsol Bill Moeller, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Stadtrat Florian Roth, Weihbischof Engelbert Siebler, Erzpriester Apostolos Malamoussis. Foto: Sharon Bruck
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Beginn 18:15Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr
Vortrag in jiddischer Sprache
- Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
- Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »
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