Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Die drei Pilgerfeste

Die drei Pilgerfeste – Pessach, Schawuot, Sukkot – zu denen in Zeiten des Tempels die Juden aus dem ganzen Land (später auch der Diaspora) nach Jerusalem pilgerten, sind jeweils in Israel einen Tag weniger lang als in der Diaspora.

 

Pessach

Pessach, das erste der drei Pilgerfeste fällt in den jüdischen Frühlingsmonat Nissan. Es ist die Zeit der ersten Gerstenernte in Israel. Die Bedeutung dieses grossen Festes liegt in der Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, mit dem sie als Volk in die Geschichte eintreten.

Sederteller für den Pessachauftakt

Sederteller für den Pessachauftakt

In der Bibel (erstes und zweites Buch Moses) wird berichtet, wie die Israeliten während einer grossen Hungersnot nach Ägypten auswanderten. Zunächst ging es ihnen relativ gut. Doch dann wurden sie auf Anweisung des ägyptischen Königs Pharao zunehmend unterdrückt und mussten schwere Zwangsarbeit leisten. Da wurde Moses – im Auftrag Gottes – ihr Anführer. Unter Gottes Schutz wagte er mit seinen Glaubensbrüdern eine dramatische Flucht aus Ägypten durch das Rote Meer (Spaltung des Schilfmeeres) nach Kanaan ins heutige Israel. Die Wanderung durch die Wüste dauerte 40 Jahre.

Der Name „Pessach“ bedeutet „hinwegschreiten“, „verschonen“. Er erinnert daran, dass G-tt die Israeliten verschonte, als er in der letzten der zehn Plagen die erstgeborenen Kinder der Ägypter töten liess, damit sie die Israeliten fortziehen liessen.

Während des achttägigen Pessachfestes wird nur ungesäuertes Brot (Mazza) gegessen in Gedenken daran, dass der plötzliche Aufbruch aus Ägypten es nicht gestattete, den Brotteig vor dem Backen säuern und aufgehen zu lassen. Diese Mazza sind dünne knusprige Fladenbrote. Zu Pessach darf sich in der Küche und in der ganzen Wohnung kein Brot befinden, alle Krümel werden weggeräumt und jeder Winkel sauber geputzt, ähnlich dem Frühlingsputz.

Im Mittelpunkt des ersten Festtages steht nach dem Abendgottesdienst das grosse Festmahl in der Familie. Es heisst „Seder“ nach dem hebräischen Wort für Ordnung. Bestimmte Speisen, die alle eine symbolische Bedeutung haben, werden – nach der Erzählung des Auszuges aus Ägypten und nachdem die der einzelnen Speisen entsprechenden Stellen aus der Pessach-Haggada (= Pessach-Erzählung) vorgelesen und erklärt wurden – gemeinsam gegessen. Dazu werden in bestimmten Abständen vier Becher Wein getrunken. Sie symbolisieren die vier Versprechungen Gottes: Er will die Kinder Israels 1. aus Ägypten herausführen, 2. sie erretten, 3. sie erlösen und 4. sie als sein eigenes Volk annehmen.

Der Gedanke an die Befreiung und der Lobpreis Gottes stehen im Mittelpunkt des Sedermahls. Im zweiten Teil des langen Abends werden vor allem Lieder gemeinsam gesungen. Am letzten Tag des Festes findet in der Synagoge eine Seelenfeier zum Gedenken an die Verstorbenen statt. Die anschliessende Zeit, die sieben Wochen bis Schawuot, haben sich im Laufe der Zeit zu einer Trauerzeit gewandelt.

In Kürze: Pessach (7 bzw. 8 Tage im März/April) zeichnet sich dadurch aus, dass an ihm der Genuss und Besitz alles auf Getreide basierenden Gesäuerten (Brot, Teigwaren, Bier, Whisky, Wodka etc.) verboten ist. Pessach begint mit dem feierlichen Sederabend, der Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten.

 

Schawuot

Das zweite der drei Pilgerfeste hat wie die beiden anderen eine auf die Natur bezogene und eine historische Bedeutung. Es ist das Fest, an dem in biblischer Zeit die ersten geernteten Früchte als Dankopfer nach Jerusalem in den Tempel gebracht wurden. Noch heute werden alle Synagogen mit frischem Grün und Blumen geschmückt.

„Schawuot“ bedeutet „Wochen“. Sieben Wochen liegen zwischen Pessach, dem Beginn der Gerstenernte, und Schawuot, dem Beginn der Weizenernte.

Berg Sinai

Berg Sinai

Die religiös-historische Bedeutung von Schawuot liegt in der Erinnerung an die Offenbarung am Berg Sinai und die Verkündigung der 10 Gebote. In der Bibel wird berichtet, dass Moses während der Wanderung des Volkes Israels durch die Wüste am Berg Sinai die zehn bekannten und viele weitere Gebote von Gott erhielt.

Diese Gebote gehören zu den ersten formulierten Sittengesetze in der Geschichte der Menschheit. Auf der Anerkennung dieser Gebote durch die Israeliten beruht der Bund zwischen Gott und „seinem Volk“. Es hat die Verpflichtung übernommen, die göttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu verbreiten. In diesem Sinne ist die Formulierung „auserwähltes Volk“ zu verstehen.

Um das Schawuot-Fest ist ein reiches Brauchtum entstanden. Es ersetzt die bei den anderen Wallfahrtsfesten zentralen Symbole (Pessach: Mazza, Sukkot: Laubhütte): Bekannt sind die Käse- und Quarkkuchen, die reichhaltig gebacken und serviert werden. Wichtig ist der Brauch, die erste Schawuot-Nacht mit dem Studium der jüdischen Lehre zuzubringen, an sie schliesst sich dann im Morgengrauen das Morgengebet an. Es ist eine Nacht des Lehrens und Lernens im Kreise der Gemeinde oder der Freunde – dies ist zweifellos eine würdige Erinnerung an die Offenbarung am Sinai.

In Kürze: Schawuot (Wochenfest, 1 Tag bzw. 2 Tage im Mai/Juni), ursprünglich v.a. das Fest der Erstlingsfrüchte, die im Tempel den Priestern gebracht wurden, wird in Verbindung auch als Tag der Offenbarung Gottes am Sinai gefeiert.

 

Sukkot

Sukkot, Schemini Azeret, Simchat Tora

Wenn auch Sukkot genau wie Pessach und Schawuot ursprünglich ein bäuerliches Fest war‘, spricht ihr die Bibel doch auch eindeutige historische Wurzeln zu: „Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten  wohnen. Wer einheimisch in Israel ist. Soll in Laubhütten wohnen, dass Eure Nachkommen wissen, wie ich habe die Kinder Israel in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägypten führte“ (3. Buch Mose 23.42-43). Mit diesem Fest wird die vierzig Jahre andauernde Wanderung durch die Wüste gedacht, die die Israeliten erdulden mussten, bevor sie das verheissene Land erreichten.

Sukkot, Schemini Azeret und Simchat Tora werden oft als ein einziges Fest aufgefasst. In Wirklichkeit sind es verschiedene Feste, deren Besonderheit darin besteht, dass sie dicht aufeinanderfolgen. Sukkot ist ein siebentägiges Fest, dessen letzter Tag Hoschana Rabba heisst. Schemini Azeret feiert man heute in Israel nur an einem Tag, doch in der Diaspora (Gebiete ausserhalb Israels) an zwei tagen. In Israel wird Simchat Tora gefeiert, als wäre es ein Teil des Festtages von Schemini Azeret. In der Diaspora ist Simchat Tora der zweite Tag des zweitägigen Festes von Schemini Azeret.

Essen und schlafen inder Sukka

Das bedeutendste Symbol von Sukkot ist die Sukka (eine Laubhütte, die die Unterkünfte simuliert, die sich die Juden in aller Eile während der Wanderung durch die Wüste bauten). Fromme Familien essen in der Sukka und schlafen auch manchmal darin. Weitere wichtige Symbole des Festes sind die „vier Arten: der Etrog (eine Zitrusfrucht), der Lulaw (Palmwedel), die Hadass (Myrtenzweig) und die Arawa (Bachweide). Der Segen der vier Arten wird an jedem Festtag – ausser am Sabbat – gesprochen. Zur Zeit des Tempels schwenkten die Gläubigen in dem Moment, in dem die Psalmen gesungen wurden, gleichzeitig ihre Palmwedel.

Lulaw

Die Sukka wird geschmückt, um sie schön und einladend und angenehm zu gestalten. Üblicherweise hängt man Früchte an das Dach und Bilder und Dekorationen oder auch Wandteppiche an die Wände. Auch werden Palmwedel, Zitrusfrüchte (Etrogim), Myrthen- und Weidenzweige erworben, die für den Ritus der Festgebete an Sukkot als Schmuck unverzichtbar sind. Ein Palmzweig (Lulaw), drei Myrthenzweige (Hadassim) und zwei Bachweidenzweige (Arawot) werden zu einem Strauß zusammengebunden. Den Strauß und eine Zitrusfrucht werden bei den verschiedenen Gebeten in den Händen gehalten.

Sukka (Laubhütte)

Der letzte Tag von Sukkot, Hoschana Rabba, ist mit der Bitte um Regen verknüpft und gilt traditionell als der letzte Tag, an dem die Urteilssprüche von Jom Kippur noch verändert werden können. Hoschaana Rabba wird in der Synagoge mit dem Schlagen der Weidenzweige gefeiert‘.

Die Einhaltung von Schemini Azeret wird im 3. Buch Moses 23,36 ausdrücklich erwähnt: „Am achten Tag sollt ihr wieder eine heilige Versammlung halten … keine Arbeit sollt ihr tun.“

Schemini Azeret – Simchat Tora

Das Schlußfest – Zweiter Tag des Schlußfestes

Auch am Schlußfest (Schemini Azeret) wird die Laubhütte noch benutzt, jedoch nicht mehr der Feststrauß. Der G-ttesdienst zeichnet sich besonders dadurch aus, daß nach der Tora- und Prophetenlesung eine Seelenfeier zum Gedenken der Toten stattfindet und daß der Vorbeter in das Zusatzgebet ein Gebet um Regen, ein längeres poetisches Stück, einschaltet, das in feierlicher Form rezitiert wird. Damit beginnt die Wintersaison, und von nun an wird bis zum Beginn des Pessachfestes in jede Tefilla die Erwähnung eingeschaltet, daß Gott Regen fallen läßt.

Der zweite Tag des Schlußfestes führt einen eigenen Namen: Simchat Tora, Torafreude. An ihm endet der jährliche Zyklus der Toraabschnitte, und es wird wieder von vorn begonnen; an diesem Tag werden also der Schluß und der Anfang des Pentateuch verlesen.

Das Ausheben der Tora erfolgt bei dieser Gelegenheit in besonders feierlicher Form: Sämtliche vorhandenen Torarollen werden aus dem Schrank genommen und in einer Prozession siebenmal um die Vorlesebühne oder durch den Synagogenraum getragen. In den meisten Berliner Synagogen war es üblich, daß der Zug durch zwei Synagogendiener angeführt wurde, jeder mit einer großen brennenden Kerze in der Hand. Den Trägern der Torarollen pflegen Kinder mit bunten Fähnchen zu folgen. Während oder nach der Zeremonie werden die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt.

In den leeren Toraschrein wird während der Umzüge häufig eine brennende Kerze gestellt. Die Umzüge finden sowohl nach dem Abendgebet als auch im Morgengottesdienst statt. In manchen Gemeinden wird bereits am Abend ein Teil des Toraabschnittes verlesen, und es werden möglichst viele Personen dazu aufgerufen, indem die einzelnen Stücke mehrmals gelesen werden.

Auch Knaben, die das dreizehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, pflegt man bei dieser Gelegenheit als Gruppe zur Tora zu rufen. Der Schluß des Pentateuchs, der vom Tod des Moses handelt, und der Beginn des Textes, der das Schöpfungswerk beschreibt, werden auf jeden Fall nur im Morgeng-ttesdienst gelesen. Zu diesen Abschnitten aufgerufen zu werden, gilt als eine ganz besonders hohe Ehrung für den Betreffenden. Der Anfang des Bibeltextes wird übrigens am Sabbat, der dem Torafreudenfest folgt, im Rahmen des üblichen Wochenabschnittes noch einmal gelesen, während der Schlußabschnitt des Pentateuch kein eigentlicher Wochenabschnitt ist und nur zu Simchat Tora vorgetragen wird.

In Kürze: Sukkot (Laubhüttenfest) mit Schmini Azeret und Simchat Thora (Schluss- und Thorafreudenfest, insgesamt 8 bzw. 9 Tage im September/Oktober) soll besonders an die während der biblischen Wüstenwanderung bewohnten Hütten erinnern. Kennzeichnend für dieses Fest sind zum einen die mit rein pflanzlichem Material bedeckten Hütten, in denen
sieben Tage lang gegessen, in wärmeren Gegenden auch geschlafen wird, zum anderen der aus vier Pflanzenarten bestehende Feststrauss. Schmini Azeret und Simchat Thora, die in Israel auf einen Tag zusammenfallen und in der Diaspora auf zwei Tage verteilt sind, gelten genau genommen als separater Feiertag. Im Zentrum steht dabei zum einen das Gebet um einen regenreichen Winter für das Land Israel, zum andern die Feier des abgeschlossenen Jahreszyklus in der synagogalen Lektüre der Fünf Bücher Moses.

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Aktuelle Veranstaltungen


So. 27.01.2019 | 21. Schwat 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: „Schwarzer Honig. Leben und Werk von Abraham Sutzkever“

Beginn 17:00

„Black Honey. The Life and Poetry of Avraham Sutskever“

Dokumentarfilm
Regie: Uri Barbash
Drehbuch: Uri Barbash, Hadas Kalderon
Produzent: Yair Qedar
Kamera: Tulik Galon
Schnitt: Ori Derdikman

Musik: Alon Lothringer. Ton: Ami Arad
Israel 2018, 76 Min., hebr./engl./jidd. OV mit dt. Untertiteln

Abraham Sutzkever (1913–2010) zählt zu den bedeutendsten Jiddisch schreibenden Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Bei Wilna geboren, verbrachte er fünf Jahre seiner Kindheit in Sibirien, wohin die Eltern 1915 deportiert worden waren.

Seit den frühen 1930er Jahren gehörte er zum avantgardistischen jüdischen Autoren- und Künstlerkreis »Jung-Wilne«. Ab 1934 veröffentlichte er regelmäßig in Warschauer und Wilnaer

Abraham Sutzkever © Familienbesitz

Zeitschriften. 1937 erschien sein erster Gedichtband »Lider« (Lieder). Im Ghetto von Wilna schloss er sich einer Untergrundorganisation an und rettete Handschriften und Dokumente vor der Vernichtung durch die Deutschen. Dort musste er auch mitansehen, wie seine Mutter und sein Sohn ermordet wurden. Ihm gelang als einem von wenigen die Flucht aus dem Ghetto. Zunächst ging er nach Moskau, wo er bereits 1944 über die Vernichtung der Juden in seiner Heimat berichtete. In späteren Arbeiten dokumentierte er die Gräuel der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Nach dem Krieg war Sutzkever Zeuge im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, 1947 emigrierte er nach Israel, wo er die renommierte Literaturzeitschrift »Di goldene kejt« gründete.

Der Film des israelischen Regisseurs Uri Barbash porträtiert einen Menschen, dem die Poesie half das Erlebte zu überstehen und Zeugnis abzulegen. Sutzkevers Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt.

Einführung: Dr. Evita Wiecki, Jiddisch-Lektorin am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Schlusswort: Yair Qedar, preisgekrönter israelischer Filmproduzent

Eintritt: 5 Euro (Schüler, Studenten, Münchenpass-Inhaber frei)

Karten unter 089/20 24 00-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse

Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

 

Mo. 04.02.2019 | 29. Schwat 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: „116 Cameras“

Beginn 19:00

Dokumentarkurzfilm
Regie: Davina Pardo
Produzent: Davina Pardo
USA 2017, 15 Min., amerik. OF

Anschließend Podiumsgespräch

Wer erzählt die Geschichte von NS-Verfolgung und Holocaust, wenn keine Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mehr da sind? Ausgehend von dieser Frage hat das Shoah Foundation Institute for Visual History and Education an der University of Southern California in Los Angeles ein ehrgeiziges neues Projekt in Angriff genommen, um Überlebende als digitale 3D-Projektionen dazustellen, die mit zukünftigen Generationen interagieren werden.

Eva Schloss © USC Shoah Foundation

Der Kurzfilm »116 Cameras« folgt der Auschwitz-Überlebenden Eva Schloss, während sie an diesem einzigartigen Prozess teilnimmt und reflektiert, wie sich ihre Rolle als Zeitzeugin des Holocaust im Laufe der Zeit verändert hat. Die Mutter von Eva Schloss war ab 1953 übrigens in zweiter Ehe mit Anne Franks Vater verheiratet.

Zur Frage nach »digitalen Zeitzeugen« und damit zum Thema, wie sich das Erinnern verändern wird, wenn es die Stimmen lebender Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr geben wird, diskutieren:

Michaela Melián, Professorin an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, 2008 Gewinnerin des Kunstwettbewerbs der Stadt München »Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens«, mit dem Audiokunstprojekt »Memory Loops«;

Verena Lucia Nägel, Politologin, u.a. seit 2017 Betreuerin des Archivs »Fortunoff Video Archive for Holocaust  Testimonies« der Yale University an der Freien Universität Berlin;

Armand Presser, Sprecher für Rundfunk- und Filmbeiträge, Berater für das BR-Projekt »Die Quellen sprechen«

und

Dr. Jörg Skriebeleit, seit 1999 Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Moderation: Prof. Dr. Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München

Eintritt  frei

Veranstalter: NS-Dokumentationszentrum München in Kooperation mit dem Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Öberbayern

Veranstaltungsort: NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München

So. 10.02.2019 | 5. Adar I 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: Vortrag „Die Situation ist neu und reizvoll“ – Thomas Mann im Tonfilm (1929)

Beginn 17:00

Vortrag mit Filmbeispielen von Dr. Dirk Heißerer

Thomas Mann im Aufnahmestudio, Berlin 1929 © Presse-Foto GmbH

Als einer der ersten Schriftsteller überhaupt trat Thomas Mann (1875–1955) im Januar 1929 in einem Tonfilm mit dem Titel »Worte zum Gedächtnis Lessings« auf. Er thematisierte darin die Möglichkeiten des neuen Mediums und verband den antiken Mythos mit der modernen Technik.

Thomas Mann war zeitlebens ein eifriger Kinogänger, verfasste selbst Drehbücher und sah Verfilmungen seiner Romane »Buddenbrooks« (1923) und »Königliche Hoheit« (1953). Im Exil unterstützte er die Zürcher Filmagentur  von Julius Marx und Bernhard Diebold, die mit Hollywood über Verfilmungen nach Stoffen von Emigranten verhandelte. Sein ehrgeizigstes Filmprojekt, die Verfilmung der Tetralogie »Joseph und seine Brüder«, kam zwar, anders als vergleichbare Historienfilme, wie »Land of The Pharaohs« (1955) oder »The Ten Commandments« (1956), nicht zustande. Doch anhand von Illustrationen zur »Joseph«-Legende und mit Blick auf die Moses-Novelle »Das Gesetz« (1944) kann man erahnen, wie der Film hätte aussehen können.

Der Vortrag korrespondiert mit dem gleichnamigen Aufsatz in der Zeitschrift. JUNI-Magazin für Literatur und Kultur (Bielefeld, Aisthesis Verlag), H. 55/56, Januar 2019.

 Der Tonfilm vom 22. Januar 1929 wurde von der Tobis-Industrie GmbH in Berlin aufgenommen. Dauer: 3:52, archiviert im Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin (Signatur: BArch 20520).

Dr. Dirk Heißerer ist Literaturwissenschaftler in München, Veranstalter literarischer Spaziergänge und Exkursionen (www.lit-spaz.de) sowie Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München (www.tmfm.de).

Eintritt 5 Euro (Schüler, Studenten, Münchenpass-Inhaber Eintritt frei)

Karten unter Telefon (089)202400-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse

Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern & Thomas-Mann-Forum München

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

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