Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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27. Januar 2020

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – Knobloch: „‚Nie wieder‘ ist Bewährungsprobe für Demokratie“

München/Oświęcim, 27.1.2020. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, nimmt am heutigen Montag in Oświęcim an den Gedenkfeierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau teil. Hierzu erklärte sie: „Fast ein ganzes Menschenleben nach der Befreiung von Auschwitz bedroht das Vergessen uns heute wie nie zuvor. Die Erinnerung an die NS-Zeit verblasst immer mehr, Orte wie Auschwitz werden zu schrecklichen Fußnoten der Geschichte. Das ist ein Trend, der mich aufs Äußerste besorgt – gerade angesichts eines wiederaufflammenden Antisemitismus in Europa und besonders auch in Deutschland.“

Knobloch, die auch Beauftragte für Holocaust-Gedenken des Jüdischen Weltkongresses ist, erklärte weiter: „Primo Levis Satz, dass diejenigen, die Auschwitz ableugnen, es auch am liebsten wiederholen möchten, stimmt heute noch immer. Der Schutz des jüdischen Lebens ist und bleibt untrennbar mit dem Gedenken an den Holocaust verbunden.“ Es sei, so Knobloch weiter, „ein Alarmzeichen für unser gesamtes demokratisches Gemeinwesen, wenn eine Kippa, ein Davidsternanhänger oder ein Buch mit hebräischem Titel in der Öffentlichkeit für jüdische Menschen ein Sicherheitsrisiko darstellen. Vorurteile, Ausgrenzung, Beleidigung und Hass im Alltag wie im Internet legen sich längst wie ein Schleier über das Leben vieler Mitglieder jüdischer Gemeinden. Das ist auf Dauer nicht haltbar, wenn die jüdische Gemeinschaft in unserem Land weiter bestehen soll.“

Knobloch betonte abschließend: „Nach 1933 haben wir gesehen, wie schnell eine Republik in die furchtbarste Diktatur der Menschheitsgeschichte abgleiten konnte. Die Demokratien, die nach 1945 auf dem Grundsatz des ‚Nie wieder‘ errichtet wurden, stehen heute vor der großen Bewährungsprobe, die gesellschaftliche und politische Verrohung zu stoppen. Den großen Worten rund um die Gedenktage müssen Taten folgen. Judenhass, ganz gleich, ob im Parlament oder auf der Straße, darf nicht zum Normalzustand werden.“

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