Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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30. Juni 2016

Wenn Geschichte spricht

Gedenkstunde im NS-Dokumentationszentrum München erinnerte an Überfall auf die Sowjetunion. Von Ellen Presser,, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 30.06.2016. Mit dem Krieg, den Deutschland am 22. Juni 1941 gegen die Sowjetunion vom Zaun brach, nahm der Völkermord an den Juden Osteuropas weiter Fahrt auf. Im NS-Dokumentationszentrum fand dazu am 75. Jahrestag vergangene Woche Mittwoch eine Kooperationsveranstaltung der Offenen Akademie der Münchner Volkshochschule und dem Archiv »Lebendige Erinnerung« statt.

Erinnerung an die Opfer des Überfalls. © Marina Maisel

Dieses bei der Sozialabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde angesiedelte Archiv unter Leitung von Rimma und Andrej Semenov sammelt seit 2008 Erinnerungen jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die in München eine neue Heimat fanden.

Biografien

Für den Historiker Jürgen Zarusky sind diese Materialien ein wahrer Erinnerungsschatz. Zusammengetragen werden sie auf Grundlage der Befragungen und Archive der Shoah Foundation von Hollywood-Regisseur Steven Spielberg und dem Centropa-Dokumentationszentrum in Wien. Aus dem digitalen und fotodokumentarischen Archiv der Erinnerungen von aus den GUS-Staaten emigrierten Juden wurden für diesen Abend zwei Schicksale ausgewählt.

Die Odyssee von Boris Tschernjakow führte von seiner Geburtsstadt Babrujsk in Weißrussland, wo er 1929 geboren worden war, über Taschkent bis nach Kasalinsk. Dass der bei Kriegsbeginn Zwölfjährige überlebte, grenzt an ein Wunder. Der Zeitzeuge des zweiten Porträts, David Duschman, nahm an der Gedenkstunde selbst teil. Der 93-Jährige, so erfuhr man aus der von Jürgen Zarusky gemeinsam mit dem Ehepaar Semenov zusammengestellten und von Caroline Ebner und Thomas Loibl gestalteten Lesung, erlebte die Verbannung seines Vaters 1938 zur »Zeit des Großen Terrors«.

Statt sich seiner Leidenschaft, dem Fechten, zu widmen, fand sich der 18-jährige Duschow schon am zehnten Kriegstag in einem Panzer Richtung Westen wieder. Er nahm an der Befreiung von Auschwitz teil und sagt heute: »Hätten wir uns nur um ein paar Tage verspätet, wäre es kaum gelungen, noch irgendjemanden zu retten.« Der mehrfach Verwundete wurde später, 1951, »Meister des Sports« in der Sowjetunion und trainierte Welt- und Europameister sowie Olympiasieger im Fechten.

Wehrmacht

Jürgen Zarusky hatte in seiner Einführung darauf hingewiesen, dass der Ostfeldzug bei der Bevölkerung der Sowjetunion »ein tiefes deutsches Trauma« verursachte – auch und insbesondere mit Blick auf die Wehrmacht, bei der von einem »sauber« geführten Krieg spätestens seit den Erkenntnissen der 1997 auch in München gezeigten Wehrmachtsausstellung keine Rede mehr sein kann. Über zweieinhalb Millionen Juden ermordeten die deutschen Truppen während ihres Überfalls auf die Sowjetunion.

Winfried Nerdinger hatte in seinem Grußwort als Direktor des NS-Dokumentationszentrums beklagt, dass der 22. Juni 1941, dieses geschichtsträchtige Datum, im politischen Tagesgeschäft der Bundesrepublik so gut wie gar nicht vorkommt. Zumindest in seinem Haus ist an diesem Tag des Überfalls auf die Sowjetunion angemessen gedacht worden.

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Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 07.10.2026 | 26. Tischri 5787

Kultur

»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner

Beginn 19:00

Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr

Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann

Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.

In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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