Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Pressemitteilung

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6. Dezember 2017

Wegweisender Beschluss – Knobloch: „München setzt starkes Zeichen gegen Antisemitismus“

München, 6.12.2017. Der Verwaltungs- und Personalausschuss der Landeshauptstadt München hat heute einen Antrag der CSU- und SPD-Stadtratsfraktion verabschiedet, der für die Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland wegweisend ist. „Mit diesem bemerkenswerten Vorstoß setzt München ein bundesweit beachtetes Zeichen gegen Antisemitismus“, sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Kultusgemeinde München und Oberbayern. 

Die Stadt verurteilt darin alle Formen von offenem und verdecktem Antisemitismus auf das Schärfste und bezieht klar Stellung gegen die antisemitische Kampagne „Boycott, divestment and sanctions“ (BDS). Außerdem legt der Beschluss jeglichem Handeln der Landeshauptstadt München, ihrer Verwaltung und ihrer Gesellschaften die international anerkannte Definition von Antisemitismus zugrunde, der sich jüngst auch die Bundesregierung angeschlossen hat.

„Ich bin sehr dankbar, dass der Antrag der beiden großen Stadtratsfraktionen jetzt in einem breiten, parteiübergreifenden Konsens beschlossen wurde“, so Knobloch. Vor allem die definitorische Grundlage als Orientierung für die Verwaltung, die Behörden und die städtischen Gesellschaften sei „ein sehr wichtiger Schritt bei der systematischen Benennung, Ächtung und Bekämpfung von Antisemitismus“. Sie sei „stolz, in einer Stadt zu leben, in der Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein zu realer Politik werden. Ich bin dankbar für die Sensibilität hinsichtlich der differenzierten Formen von Antisemitismus und für die sichtliche Entschlossenheit, ideologischen Aktivisten keinen Spielraum zu lassen“.

Knobloch verwies auf die antisemitischen Phänomene aus unterschiedlichen Richtungen, die auf allen Ebenen der Gesellschaft erstarken. Das sei einerseits der Renaissance von Rechtspopulismus und -extremismus geschuldet. Aber auch unter vielen Muslimen herrsche eine extrem judenfeindliche Stimmung. Nicht minder belastend sei der vielfach bestrittene und bagatellisierte linke Antisemitismus, der insbesondere unter dem Schlagwort „Israelkritik“ oder getarnt als Imperialismus- und Kapitalismuskritik verbreitet sei.

Knobloch beklagte: „Straf- und Gewalttaten gegen jüdische Menschen und Einrichtungen häufen sich. ‚Jude‘ gilt wieder als Schimpfwort. In der öffentlichen Debatte haben sich verschiedene antisemitische Ressentiments, Argumentationsmuster und Verschwörungstheorien verfestigt und intensiviert. Das schlägt sich auch in Teilen der Medien nieder.“ Um diese gefährlichen Trends zu stoppen, seien Initialzündungen wie dieser Münchner Beschluss von größter Relevanz.

Knobloch: „Ich danke den Ausschussmitgliedern sowie allen an dieser Entscheidung Beteiligten. Mein besonderer Dank gilt den Stadträtinnen und Stadträten, die den Antrag initiiert und ihre Kolleginnen und Kollegen überzeugt haben, diesen mitzutragen.“

Damit habe München innerhalb kurzer Zeit zwei herausragende Entscheidungen getroffen: für eine nachhaltige Erinnerungskultur und gegen Antisemitismus. Am 23. November hatte der Stadtrat mit großer überparteilicher Mehrheit neue Formen dezentralen und individuellen Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes in München beschlossen. Dazu Knobloch: „Ich danke der Stadt für diese besonnene Lösung. Es war wichtig, dass dafür eine so breite demokratische Mehrheit gefunden wurde, und ich hoffe, dass dieser gefundene Weg nun rasch beschritten und umgesetzt wird. Würdiges Gedenken an die Opfer von Hass und der Kampf gegen neuen Hass gehen Hand in Hand. München zeigt, wie diese großen Herausforderungen bewältigt werden können.“

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Aktuelle Veranstaltungen


So. 17.02.2019 | 12. Adar I 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: „Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik“

Beginn 17:00

Dokumentarfilm
Regie: Alison Chernick
Kamera: Chris Dapkins, Christopher Gallo, Daniel Kedem, Mikko Timonen
Mitwirkende: Itzhak Perlmann, Billy Joel, Alan Alda u.a.
Israel/USA 2018, 82 Min., amerik. OF mit dt. Untertiteln

Die Filmbiographie des weltberühmten Violinvirtuosen ist eine einzige Liebeserklärung: an das Leben und an die Musik. Zu Interviews mit den wichtigsten Menschen in seinem Leben – vor allem mit seiner Frau Toby – gibt es facettenreiche Einblicke in seine lange Karriere und sein Privatleben.

Itzhak Perlman © Arsenal Filmverleih

Für Musik-Interessierte ist der Film voller Schätze. Es gibt viele aktuelle und ältere Aufnahmen mit dem Künstler quer durch verschiedene Musikrichtungen. Dank des liebenswürdigen Protagonisten und seiner Leidenschaft für die Musik wird aus der gut komponierten Dokumentation ein ganz besonderes Filmerlebnis.

Er bete mit der Violine – so beschreibt der berühmte Geigenbauer Amnon Weinstein die Kunst des  renommierten Geigers Itzhak Perlman. Dessen Eltern emigrierten aus Polen nach Israel, wo er am 31. August 1945 in Tel Aviv geboren wurde. Als Kind erkrankte er an Polio. Er hatte anfangs Probleme, bis ihn die Academy of Music in Jaffa 1954 doch aufnahm, 1958 zog er in die Vereinigten Staaten, um an der Juillard School in New York zu studieren.  Seine erfolgreiche Karriere als Geiger, Dirigent und Musikpädagoge beeinträchtigte es keineswegs, dass er nur im Sitzen auftreten kann.

Das Repertoire des geistreichen und humorvollen Musikers reicht von Schubert über Strauß und Bach bis hin zu Billy Joel. In Alison Chernicks Dokumentarfilm steht Perlmans Werdegang im Fokus. Dabei gelangen der  Regisseurin vertrauensvolle  Gespräche  mit ihm, mit  Freunden, Musiker-Kollegen und Perlmans  Familie, allen voran der Ehefrau Toby, mit der er seit über 50 Jahren verheiratet ist.

Eintritt frei

Anmeldung erbeten unter (089)202400-491 oder per E-Mail karten@ikg-m.de

Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Mi. 27.02.2019 | 22. Adar I 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: „Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“ („On the Basis of Sex“)

Beginn 19:00

Spielfilm
Regie: Mimi Leder. Drehbuch: Daniel Stiepleman
Produzent: Jonathan King. Kamera: Michael Grady. Schnitt: Michelle Tesoro. Musik: Mychael Danna.
Darsteller: Felicity Jones, Armie Hammer, Kathy Bates, Justin Theroux, Sam Waterston u.a.
USA 2018, 120 Min., amerik. OF mit dt. Untertiteln

Paula Bader Ginsburg (Felicity Jones) als Jura-Studentin in Harvard © »Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit«, Entertainment One Germany / Twentieth Century Fox

Es sind die 1950er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika. Frauen dürfen weder als Polizeibeamtinnen arbeiten noch in Princeton studieren. Ruth Bader Ginsburg will diese Zustände verändern. Sie studiert als eine von wenigen Frauen Jura an der Elite-Universität Harvard. Nach ihrem Abschluss als Jahrgangsbeste muss sie sich mit einer Stelle als Professorin zufriedengeben, obwohl sie lieber die Gerichtssäle erobern würde – ein Privileg, das – vorerst –  ihren männlichen Kollegen vorbehalten ist. Dank ihres Mannes, des Steueranwalts Marty Ginsburg, wird sie eines Tages auf den Fall von Charles Moritz aufmerksam. Trotz der aufopfernden Pflege seiner kranken Mutter, wird Moritz nicht der übliche Steuernachlass gewährt – aufgrund seines Geschlechts. RBG, wie sie heute, längst selbst Richterin am Obersten Gerichtshof, genannt wird, entwickelt daraus einen Präzedenzfall gegen die Diskriminierung von Frauen (und Männern).

Anschließend Podiumsgespräch in deutscher Sprache mit
Stacey van Hooven, Anwältin, Vice President and General Counsel at Essity GmbH
und
Prof. Dr. Maria Wersig, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes.

Moderation: Barbara Streidl, Journalistin, Vorstandsmitglied des Vereins Münchner Frauenstudien e.V.

Karten erhältlich online www.filmtheatersendlingertor.de oder telefonisch (089) 554636.

Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Entertainment One Germany

Veranstaltungsort: Filmtheater am Sendlinger Tor, Sendlinger-Tor-Platz 11, 80336 München

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St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
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Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
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