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1. Dezember 2016
Volkstrauertag – Heimat, Liebe, Opferbereitschaft
Wie die IKG München am Volkstrauertag der jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg gedachte. Von helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 1.12.2016. Seit über zehn Jahren kommen am Volkstrauertag auf dem jüdischen Friedhof an der Garchinger Straße zahlreiche Persönlichkeiten und Vertreter von Organisationen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bereichen sowie Angehörige der Bundeswehr zusammen, um an die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu erinnern.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch auf dem jüdischen Friedhof an der Garchinger Straße. © Marina Maisel
Nach Einschätzung von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch ist das Gedenken an diese Soldaten ein äußerst wichtiges Ritual, denn von 1914 bis 1918 gehörten rund 100.000 jüdische Soldaten der deutschen Armee an. Etwa 80.000 waren an der Front stationiert, 12.000 ließen ihr Leben für ihr Vaterland, 3000 wurden mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet, 19.000 befördert und 2000 in den Offiziersrang erhoben.
Anerkennung
Für Deutschland zu kämpfen und im Ernstfall ihr Leben für ihre Heimat zu lassen, war für die deutschen Juden eine Frage der Ehre und der Pflicht – aber auch Ausdruck ihrer tiefen Sehnsucht, endlich als gleichwertige Bürger anerkannt zu werden. Das dokumentiert auch ein Aufruf aus dem Jahr 1914, der in einer jüdischen Zeitung gedruckt wurde: »Alle Deutschen müssen ihre Pflicht tun, aber die deutschen Juden müssen mehr als ihre Pflicht tun.«
In den Zeit nach der Machtergreifung der Nazis spielte die Heimatliebe keine Rolle mehr. Wie wichtig die Erinnerung an das fast vergessene Kapitel deutscher Geschichte ist, betonten auf dem Friedhof neben der IKG-Präsidentin auch Staatssekretär Georg Eisenreich, der in Vertretung von Ministerpräsident Horst Seehofer gekommen war, Stadtrat Christian Vorländer im Namen des Oberbürgermeisters und Oberst Kai-Uwe Mayer, stellvertretender Kommandeur des Landeskommandos Bayern.
In ihrer Rede ging Charlotte Knobloch auch auf den historischen Hintergrund des Einsatzes jüdischer Soldaten während des Krieges näher ein. »Dadurch kam der große Wunsch der Juden zum Ausdruck, endlich von der nichtjüdischen Gesellschaft als geachtete, gleichwertige Mitglieder anerkannt zu werden. Ein Wunsch, der sich nicht nur nicht erfüllen sollte, sondern bitter enttäuscht wurde: Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft galten den Nazis nichts, rassistische Menschenverachtung alles.«
Gleichheit
Nach Überzeugung der IKG-Präsidentin könne man aus dieser Erinnerung lernen, dass Gleichheit vor dem Gesetz die Grundlage für das friedliche Zusammenleben sei, aber erst die Liebe zur Heimat, die Achtung von Werten und Regeln aus dem Nebeneinander ein Miteinander mache.
Heute, ein ganzes Jahrhundert nach dem Ersten Weltkrieg und der danach folgenden nahezu vollständigen Auslöschung des deutschen und europäischen Judentums, könnten sich Juden in Deutschland wieder heimisch und tief verwurzelt fühlen.
»Das ist ein Wunder, ein hart errungenes Glück, für das wir dankbar sind und für das wir als Demokraten und Patrioten auch kämpfen«, erklärte Charlotte Knobloch vor dem Gedenkstein für die gefallenen jüdischen Soldaten.
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Aktuelle Veranstaltungen
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787
Kultur
Filmvorführung „Noga“
Beginn 19:00Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr
Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln
Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
