Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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23. Juli 2014

Verbot des neonazistischen „Freien Netz Süd“

Das Bayerische Innenministerium hat am Mittwoch, 23. Juli 2014, das neonazistische „Freie Netz Süd“ verboten. „Das ‚Freie Netz Süd‘ hat die aggressiv-kämpferischen verfassungsfeindlichen Bestrebungen der 2004 verbotenen ‚Fränkischen Aktionsfront‘ an deren Stelle weiter verfolgt“, begründete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann das Verbot.

„Das heutige Verbot und seine Begleitmaßnahmen unterstreichen einmal mehr, dass die Staatsregierung konsequent alle Mittel des Rechtsstaates nutzt, um neonazistischen Umtrieben wirkungsvoll zu begegnen. Mit dem Verbot treffen wir die Organisationsstrukturen der neonazistischen Szene in Bayern empfindlich.“

Vermögen Dritter eingezogen

Mit dem heutigen Verbot hat das Innenministerium auch Vermögen Dritter beschlagnahmt und eingezogen, mit dem die verfassungsfeindlichen Bestrebungen des ‚Freien Netz Süd‘ vorsätzlich gefördert wurden. Betroffen sind zum einen das Grundstück Oberprex 47 in Regnitzlosau und zum anderen Gegenstände des ‚Final Resistance Versandes‘, der von dort aus die Aktivitäten des ‚Freien Netz Süd‘ unterstützte. Das Grundstück wurde von der Regierung von Oberfranken und der Polizei am Morgen durchsucht und gesichert.

Ermittlungsarbeit

Dem Verbot gingen laut Innenminster mehrjährige vereinsrechtliche Ermittlungen voraus, die das Innenministerium zunächst verdeckt und seit den breit angelegten Durchsuchungen im Juli 2013 offen geführt hatte. Damals wurden bayernweit mehr als 70 Objekte von herausgehobenen Aktivisten und Führungskadern der dem ‚Freien Netz Süd‘ zuordenbaren Kameradschaften durchsucht. Dabei waren mehr als 700 Polizeibeamte im Einsatz. Herrmann: „Die Durchsuchungen erwiesen sich als ausgesprochen erfolgreich. Die Auswertung der sichergestellten Materialien und Datenträger wie PCs und Mobiltelefone belegt die interne hierarchische Organisation im ‚Freien Netz Süd‘, die erst vereinsrechtliche Maßnahmen ermöglicht, aber auch die ideologische Prägung und die tatsächlichen Ziele, die von den Aktivisten nach außen regelmäßig verborgen wurden“.

Knobloch: „Wichtiges Signal aus Bayern an die rechtsextreme Szene in Deutschland“

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, sagte dazu: „Ich danke dem Bayerischen Innenminister Dr. Joachim Herrmann sehr für sein engagiertes und couragiertes Durchgreifen gegen diese Neo-Nationalsozialisten. Mein Dank umfasst die bayerischen Polizei- und Sicherheitsbehörden, die hervorragende Arbeit leisten, um die Menschen in unserer Heimat auch vor diesen braunen Ideologen zu beschützen.“

Knobloch weiter: „Dieses Verbot ist ein wichtiges Signal aus Bayern an die rechtsextreme Szene. Als nächsten Schritt erwarte ich  das Verbot der NPD, damit die Bundesrepublik Deutschland unmissverständlich beweist, dass nationalsozialistisches Gedankengut in ihrer politischen Kultur keinen Millimeter Spielraum bekommt. Der suggestive oder offene Hass, den die Neonazis streuen, stellt nach wie vor eine unkalkulierbare Gefahr für das friedliche und respektvolle Miteinander in unserer offenen Gesellschaft dar. Umso mehr, da sie klüger und trickreicher agieren und ihre menschenfeindlichen Thesen mit Sozialadäquanz tarnen. Im Kern sind ihre Botschaften ungemindert widerwärtig und von stupider Einfältigkeit.“

Daher, so die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, sei „dieses Verbot Ausdruck der unbedingt erforderlichen gesellschaftlichen Ächtung, die ich mir auch seitens der breiten Zivilbevölkerung erwarte. Ich danke allen, die seit Jahren Zivilcourage gegen Neonazis zeigen. Zugleich appelliere ich an jeden Einzelnen: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus sowie Menschverachtung in jeder Form müssen bereits im Keim erstickt werden. Wer nicht schon jedem Anfang wehrt, hat nicht verstanden, warum die freiheitliche Demokratie in Deutschland bewusst als wehrhaft konstituiert wurde.“

Knobloch verwies darauf, „dass der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese, einer der zentralen Rädelsführer des FNS, die Grundsteinlegung zum jüdischen Zentrum in ein Blutbad verwandeln wollte. Nationalsozialistisch gesinnte Verbrecher arbeiten daran, die braune Szene in Bayern, deren Potential nicht unterschätzt werden darf, zu mobilisieren und zu militarisieren. Sie gehen für ihr Ziel, unser Gemeinwesen zu zerstören, über Leichen und schrecken vor Nichts zurück. Ihre ideologischen Visionen für unser Land sind nicht nur eine Gefahr für Minderheiten, sondern bedrohen die Sicherheit und die Lebensqualität aller Menschen in unserer Heimat.“

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Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 07.10.2026 | 26. Tischri 5787

Kultur

»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner

Beginn 19:00

Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr

Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann

Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.

In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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