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27. Februar 2014

Untrennbar verbunden

Der FC Bayern erinnerte an seinen Ehrenpräsidenten Kurt Landauer sel. A. Von Aaron Buck, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 27.2.2014. Die Bundesliga stand am ersten Februarwochenende im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. In zeitlicher Nähe zum 27. Januar fand zum zehnten Mal der »Erinnerungstag im deutschen Fußball« unter dem Motto »Nie wieder!« statt. In München stellte der FC Bayern seinen ehemaligen Präsidenten Kurt Landauer in den Mittelpunkt.

Beeindruckend: Stadion-Choreografie der Südkurven-Fans des FC Bayern. Foto: FC Bayern München

Beeindruckend: Stadion-Choreografie der Südkurven-Fans des FC Bayern. Foto: FC Bayern München

 

Rund 1300 Gäste besuchten am Samstag die FC Bayern Erlebniswelt und nutzten die Gelegenheit, sich anhand von Sonderführungen und -exponaten sowie in Diskussionsrunden über die Vereinspolitik und die Ereignisse während der NS-Zeit zu informieren. Am Sonntag kamen mehr als 300 Besucher vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt – Zufall oder nicht: die Meisterbegegnung des Jahres 1932 – in der Erlebniswelt zusammen. Erstmals wurde die halbstündige TV-Doku über Landauer gezeigt, ein Begleitwerk des ARD-Spielfilms Landauer, der im Herbst ausgestrahlt werden soll.

PRÄGEND

»Beeindruckend«, lautete das Fazit der geladenen Gäste und Journalisten. Die 30 Minuten liefern Antworten auf Fragen, die erst seit einigen Jahren wieder gestellt werden. Lange war die Erinnerung an Landauer verblasst, der 1932 »die Bayern« zu ihrer ersten Deutschen Meisterschaft führte. Insgesamt 18 Jahre lenkte er zwischen 1913 und 1951 die Geschicke des Vereins. Er war einer der großen Visionäre des deutschen Fußballs in der Weimarer Republik und eine der prägenden Figuren des FC Bayern im ersten halben Jahrhundert seines Bestehens.

Am 22. März 1933 wurde er zum Rücktritt genötigt. Am Tag nach der »Reichskristallnacht« wurde er verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert, das er als Teilnehmer des Ersten Weltkrieges nach 33 Tagen wieder verlassen durfte. Am 15. März 1939 emigrierte er in die Schweiz. Die Nazis ermordeten drei seiner Geschwister, eine Schwester wurde deportiert und gilt als verschollen. Dennoch kehrte er 1947 nach München zurück. Noch im selben Jahr wurde er erneut Präsident seines geliebten FC Bayern. 1951 endete seine letzte Amtszeit. 1961 starb Landauer im Alter von 77 Jahren.

2013 wurde Landauer auf der FC-Bayern-Hauptversammlung posthum für seine enormen Verdienste um den Rekordmeister geehrt und neben Franz Beckenbauer und Wilhelm Neudecker zum Ehrenpräsidenten ernannt. »Eine Ehrung, die längst überfällig war«, sagte damals der heutige Präsident Uli Hoeneß. Er übergab die Ernennungsurkunde an Charlotte Knobloch und Uri Siegel, einen Neffen Landauers. Der versprach, die Urkunde der FC Bayern Erlebniswelt zur Verfügung zu stellen. Seine Zusage machte er nun wahr.

STERN

»Für ihn gab es nur den FC Bayern. Das war sein Leben«, so Siegel über seinen Onkel. Im Anschluss an den Film diskutierte er mit Knobloch, Karl-Heinz Rummenigge, Nick Golüke (Regisseur und Autor der Dokumentation) sowie mit dem Sporthistoriker Dietrich Schulze-Marmeling. »Der Stern des FC Bayern wurde damals zum ersten Mal hell erleuchtet«, sagte Rummenigge mit Blick auf die erste Meisterschaft. Landauers Denken und Handeln prägten den heutigen Triple-Sieger.

»Er hat die Basis für die enormen Erfolge gelegt, über die wir uns bis heute freuen dürfen«, sagte Knobloch. Sie nutzte die Gelegenheit, um dem FC Bayern einen herausragenden Vorbildcharakter zu attestieren: »Ich appelliere an andere Vereine, sich auch ihrer Vergangenheit anzunehmen. Junge Leute wollen etwas über diese Zeit wissen und darüber diskutieren«, betonte sie. »Das Engagement des FC Bayern im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Diskriminierungen aller Art ist einzigartig im deutschen Sport«, so Knobloch, und ergänzte: »Als Fan bin ich stolz auf meinen Verein.«

Besonders lobte sie die Fans, gerade auch die Ultras, die sich »in bemerkenswerter Art und Weise engagieren«. Seit 2006 veranstaltet die Gruppe »Schickeria« den »Kurt-Landauer-Pokal« gegen Rassismus. Eigeninitiativ rufen sie Landauers Schicksal immer wieder in Erinnerung. Regelmäßig sorgen sie mit spektakulären Aktionen für unvergessliche Augenblicke.

So auch an jenem Sonntag. Vor dem Anpfiff gegen Frankfurt zeigte die Südkurve eine beeindruckende Choreografie. »Der FC Bayern und ich gehören nun einmal zusammen und sind untrennbar voneinander« war auf zwei riesigen Bannern zu lesen – ein Zitat Landauers. Dazu wurde ein überdimensionales Transparent mit seinem Konterfei entrollt. Die Botschaft, die von diesem Wochenende ausging und die laut Knobloch auch an den restlichen Tagen des Jahres lebt, ist eindeutig: nie wieder!

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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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