Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Kultur

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13. Oktober 2016

Überleben, damit eine Erinnerung bleibt

Shlomo Birnbaum und sein Biograf Rafael Seligmann berichteten vom Weiterleben nach der Schoa. Von Ellen Presser, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 13.10.2016. „Kawod“ (Ehre) ist ein Begriff, der viel zählt in der Familie Birnbaum. Ihr Oberhaupt Shlomo Birnbaum, der am 15. Oktober seinen 89. Geburtstag feiert, setzte das Gedenken an seinen Vater Arie, seine Mutter Chenka und seine ermordeten Geschwister Ester, die Zwillinge Jakob und Hirsch sowie Nesthäkchen Abraham an den Anfang seiner Memoiren Ein Stein auf meinem Herzen.

Er vergaß auch nicht, an den Bruder seines Vaters, Aron, und dessen Frau Frimet zu erinnern, die ihren Sohn Sruli verloren.

Rafael Seligmann (l.) und Shlomo Birnbaum. © Marina Maisel

 

In ebenjener Biografie beschreibt Birnbaum seine glückliche Kindheit, die kurz vor seinem zwölften Geburtstag zu Ende ging: „Am 1. September 1939 gerät unsere Welt aus den Fugen.“ Sein Überleben – so betont er es in dem Buch immer wieder – verdanke er seinem Vater Arie, zu dem ihm Begriffe wie Stärke, Mut, Tatkraft, Klugheit und „vor allem Besonnenheit“ in den Sinn kommen. Diese Vater-Sohn-Beziehung war etwas ganz Besonderes: „Er hat mir über Jahrzehnte alles ersetzt, was ich verloren hatte.“

Trauer

Auf Einladung der Familie Birnbaum und des Herder-Verlags stellten der Zeitzeuge und sein Biograf Rafael Seligmann Ein Stein auf meinem Herzen kürzlich im voll besetzten Jüdischen Gemeindezentrum vor. Mit dabei waren alle vier Kinder von Shlomo Birnbaum. Der Älteste, Jakob Hirsch, genannt Zwi, der in Kanada lebt, erinnerte sich an die verhaltene Traurigkeit des Vaters, der immer an seine verlorenen Geschwister dachte. Seine Tochter Ester aus London wies darauf hin, dass sie alle deren Namen tragen.

Die beiden Söhne Abi und Ilan bemühten sich, das Streiten unter Geschwistern zu lassen, weil es dem Vater wehgetan hätte. Seligmann berührte das Bild vom „Stein auf dem Herzen“ ganz besonders: Er erlebte Birnbaum nicht als Profi, der über seine Schoa-Erfahrung sprach. Dieser habe einfach authentisch davon berichtet, was ihm widerfuhr: der Verlust seines Glaubens, seiner Mutter, seiner Geschwister. Er sprach über die Kollaboration der Polen, über die Unmenschlichkeit der SS, über die Leiden der Eltern, die ihre Kinder nicht schützen konnten.

„Solidarität, Zusammenhalt in der Familie“ sind für Birnbaum ein hohes Gut – und „Anstand“, wie er in der IKG ausführte. Den habe Marlene Dietrich bewiesen, als sie den Verlockungen von Propagandaminister Joseph Goebbels widerstand. Dies hatte ihn auch sein Vater Arie gelehrt: „Das Leben ist gut und ehrlich, wenn man eine anständige Haltung hat“, heißt es am Ende seines Lebensberichts, der von Tschenstochau in Polen, wo seine Familie seit Generationen zu Hause war, durch Ghetto und Zwangsarbeit schließlich ausgerechnet bis nach München führte. »Überleben war, von einem Tag zum anderen am Leben zu bleiben“, resümiert Shlomo Birnbaum sein Schicksal. Er sollte überleben, »damit eine Erinnerung bleibt“.

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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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