Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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8. Juni 2017

Trauer: „Er wird unendlich fehlen“

Der langjährige Religionslehrer Marcus Schroll verstarb im Alter von 48 Jahren. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 8.6.2017. Dieser Abschied fällt nicht nur der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern unendlich schwer. Alle, die Marcus Schroll kannten, erfüllt die Nachricht von seinem viel zu frühen Tod mit tiefer Trauer und Schmerz.

Marcus Schroll im Kreise von Schülerinnen – sie erhielten an jenem Tag ihren Siddur. © Marina Maisel

Marcus Schroll im Kreise von Schülerinnen – sie erhielten an jenem Tag ihren Siddur. © Marina Maisel

 

»Er hinterlässt eine Lücke, die niemand zu schließen vermag. Er war ein außergewöhnlicher Mensch, für den sein Beruf eine Berufung war«, beschreibt IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch das hohe Ansehen, das Marcus Schroll genoss. Sein ungeheures Engagement, das er an den Tag legte, belegen die vielen Aufgaben, die er wahrnahm.

Marcus Schroll, der im März 2002 als Lehrer für israelitische Religion an Gymnasien und als Mitarbeiter im Rabbinat nach München kam, war ab 2008 Leiter des jüdischen Erziehungswesens der Israelitischen Kultusgemeinde und als solcher Co-Schulleiter der Sinai-Grundschule sowie des neuen Jüdischen Gymnasiums. Daneben hatte er seit 2003 als Fachberater des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Kunst die Aufsicht über das Fach »Israelitische Religionslehre« in ganz Bayern und war Ansprechpartner für alle Fragen des jüdischen Religionsunterrichts.

Auch die Beratung und Fortbildung der Erzieherinnen des Kindergartens gehörte zu seinen Aufgaben. Hinzu kam der jüdische Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe.

Enorme Anteilnahme

Viele seiner Schüler waren zu der Trauerfeier auf dem Neuen Israelitischen Friedhof gekommen, dazu viele Freunde und Wegbegleiter, Mitglieder des Vorstands und Repräsentanten der Einrichtungen, für die er tätig war.

Ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme galten ganz besonders der Witwe und dem achtjährigen Sohn. Sie haben eine schwere Zeit hinter sich, geprägt von einer emotionalen Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen. Am Ende forderten kraftraubende Operationen und die lange Krankheit ihren Preis. Marcus Schroll erlag einem Herzleiden.

Charlotte Knobloch sagte auf dem Friedhof das, was viele Trauergäste dachten: »Niemand vermag Ihren Schmerz nachzuvollziehen. Ihr Verlust ist unendlich. Lassen Sie mich Ihnen dennoch versichern: Die Liebe Ihres Gatten, die Liebe deines Vaters – sie stirbt nicht. Sie wird immer da sein und Sie beide bis in Ewigkeit begleiten.« Die IKG-Präsidentin sprach in ihrer Trauerrede von der hohen Wertschätzung, die seine Schüler zum Beispiel bei den Abiturfeiern zum Ausdruck brachten. »Sie wussten, dass er ihnen mehr gegeben hatte als nur Religionsunterricht. Sie wussten, dass er ihr Leben für immer bereichert, dass er sie für immer gestärkt und auf alles vorbereitet hatte, was das Leben an guten und schlechten Überraschungen und Prüfungen bereithält«, war sich Charlotte Knobloch ganz sicher.

Leidenschaft

Jungen Menschen die jahrtausendealte Religion des Judentums zu vermitteln, war Markus Schroll ein wichtiges Anliegen, das er mit Leidenschaft und Überzeugung umsetzte. Ihm sei es darum gegangen, sagte Charlotte Knobloch, die unendliche Schönheit und die wunderbaren Grundwerte des Judentums darzulegen und weiterzugeben. »Er vermittelte seinen Schülern und allen Menschen, die er in seinen zahlreichen Funktionen als Referent oder Dozent erreichte, ein positives, lebendiges Bild des Judentums«, betonte sie.

Marcus Schroll beschrieb einmal das Ziel seiner Tätigkeit folgendermaßen: Er wolle seinen Schülern die Grundwerte in der Form vermitteln, dass sie in der Lage seien, sie auch im Alltag umzusetzen und zu leben. Die Tora, ergänzte er in diesem Zusammenhang, mag 3000 Jahre alt sein, aber sie liefere die Antworten auf alle grundsätzlichen Fragen des Zusammenlebens. Dabei aber werde alles von einer Prämisse überlagert. »Jude sein muss Spaß machen«, sagte der Religionspädagoge. Dieses Konzept ist auch in das Schullehrbuch Ethik im Judentum eingeflossen, ein Standardwerk im Unterricht, an dem er maßgeblich mitgearbeitet und damit auch ein pädagogisches Vermächtnis hinterlassen hat.

Ruhestätte

Die IKG-Präsidentin war sich bei der Trauerfeier auch sicher, was Marcus Schroll selbst gesagt hätte: »Er hätte die Tora zitiert, in der es heißt: ›Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit, eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben.‹« Trotzdem sei es einer dieser Tage, die man nicht erleben möchte und die man niemandem wünsche.

»Wir trauern um einen liebevollen, leidenschaftlichen, klugen, freundlichen, hilfsbereiten, fairen, feinen Menschen. Er wird fehlen – unendlich fehlen«, erklärte sie. Marcus Schroll wird in Israel seine letzte Ruhestätte finden. Das war sein Wunsch.

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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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