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22. Mai 2014
Tafel der Erinnerung
Im Justizpalast wird mit 210 Namen an das Schicksal jüdischer Juristen in der NS-Zeit erinnert. VonMiryam Gümbel, erschienen auf Jüdische Allgemeine Online, 22.5.2014. Wer den Lichthof des Münchner Justizpalastes verlässt, findet seit Dienstag vergangener Woche an der östlichen Säule beim Ausgang zum Südvestibül eine Gedenktafel. Auf ihr stehen 210 Namen von Richtern, Staatsanwälten, Notaren, Justizinspektoren, Angestellten und Rechtsreferendaren, die während der NS-Zeit entrechtet, vertrieben, verfolgt oder ermordet wurden.
Hinter jedem dieser 210 Namen stehen Einzelschicksale, hob der Amtschef des Bayerischen Justizministeriums, Walter Schön, hervor: »Jedes Leben, jedes Schicksal dieser Justizbediensteten und ihrer Angehörigen wäre ohne die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und die Vernichtungsmaschinerie gegen die jüdischen Mitbürger vollkommen anders verlaufen: normal, erfolgreich, glücklich. Jedenfalls hätte es in ihrer Hand gelegen, ihr Leben selbst zu gestalten.«

Gedenktafel im Lichthof des Justizpalastes © Sharon Bruck
Historiker
Das Schicksal von jüdischen Justizbediensteten zwischen 1933 und 1945 hat der ebenfalls bei der Gedenkstunde anwesende Historiker Reinhard Weber vor einiger Zeit ausführlich erforscht. Am Beispiel Bayerns wies er nach, welche massiven Auswirkungen der vom Staat betriebene Antisemitismus auf das Leben jüdischer Justizbeamter hatte.
In seiner Studie Rechtsnacht: Jüdische Justizbedienstete in Bayern nach 1933 zieht Weber die Bilanz dieser Zeit: Die Ausgrenzung, Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung von jüdischen Juristen war auch in Bayern allgegenwärtig.
Für Amtschef Schön ist die einzige Konsequenz aus dieser Zeit, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, um daraus für die Gegenwart und die Zukunft Lehren zu ziehen. »Wenn auch das Leben vorwärts gelebt wird – verstehen und entsprechende Lehren daraus ziehen können wir nur in der Rückschau«, sagte Schön mit Nachdruck. »Die Tafel veranlasst uns aufzumerken, damit nicht in Vergessenheit gerät, was nie wieder passieren darf!«
Auftrag
Geradezu als Auftrag der Geschichte bezeichnete auch IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch die Erinnerung, »die dazu beiträgt, die Weichen heute so zu stellen, dass neue Opfer weltweit verhindert werden«. So sei eine kluge Kultur des Erinnerns notwendig, unterstrich Knobloch. Dabei gehe es nicht um ein Verharren in der Erinnerung, sondern darum, ein solches Unrecht nie wieder zuzulassen.
»Was blieb und was bleibt, ist Verantwortung. Sie ist universell. Sie verjährt nicht. Ein aufgeklärter Patriot weiß das. Er ist stolz auf sein Land, liebt seine Heimat«, erklärte Knobloch. »Ein aufgeklärter Patriot weiß aber auch um deren Geschichte und ist daher gewarnt und gewillt, heutige Missstände und Fehlentwicklungen zu erkennen – und im Keim zu ersticken. In diesem Geist wurde die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland als eine wehrhafte konstituiert.«
Gurlitt
Die Verantwortung liege im Hier und Jetzt, führte Knobloch weiter aus. Dabei ging sie auch auf den »Schwabinger Kunstfund« ein. Teile der Sammlung Gurlitt stehen im Verdacht, jüdischen Eigentümern einst abgepresst oder einfach weggenommen worden zu sein. »Deutschland hat es viel zu lange versäumt, eine verantwortungsvolle Rechtslage für diese Enteignungen zu schaffen. Noch immer ist nicht gewährleistet, dass die ohnehin wenigen aufgedeckten Fälle unbürokratisch und würdevoll abgewickelt werden«, so Knobloch.
Für künftige Fälle, erklärte Amtschef Schön, habe Bayern »deshalb einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht, der bei Bösgläubigkeit des Besitzers die Verjährung ausschließt. Deutschland muss auch in dieser Geschichte seiner historischen Verantwortung gerecht werden! Das sind wir den Opfern, nicht zuletzt auch denen, derer wir hier gedenken, mehr als schuldig.«
Dass nun mit einer Namenstafel an eben jene Schoa-Opfer erinnert wurde, geht auf eine Anregung des Hauptpersonalrats beim Bayerischen Justizministerium zurück. Dessen Vorsitzender Ralf Simon wünschte sich zum Abschluss der Veranstaltung, dass die Tafel zum Gedenken, aber auch zum Nachdenken beiträgt.
Reinhard Weber: »Rechtsnacht. Jüdische Justizbedienstete in Bayern nach 1933«. Bayerisches Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, München 2012, 205 S.
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Aktuelle Veranstaltungen
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787
Kultur
Filmvorführung „Noga“
Beginn 19:00Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr
Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln
Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
