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11. Mai 2012
NSU-UAusschuss: Kompetenz-Wirrwarr und eine Spur
tagesschau.de. Von Eva Corell, BR, ARD-Hauptstadtstudio. Eigentlich hätten zwei Verfassungsschützer vor dem Untersuchungsausschuss zur NSU-Mordserie aussagen sollen. Doch dann ging man einer heißeren Spur nach – einer politischen. Der damalige Innenminister Schäuble soll einen schweren Fehler begangen haben. Demnächst soll er vorgeladen werden.
Eigentlich sollten zwei bayerische Verfassungsschützer vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin aussagen, doch dazu kam es nicht mehr. Bei der Aufdeckung möglicher Ermittlungspannen fand sich nämlich eine wichtige politische Spur: „Wir haben heute bei der Sitzung einen schweren Fehler des damaligen Bundesinnenministers Dr. Schäuble erkannt“, sagte Eva Högl, die Obfrau der SPD. Sie will Wolfgang Schäuble, den heutigen Bundesfinanzminister, demnächst vor den Ausschuss laden. Warum hat er 2006 verhindert, dass das Bundeskriminalamt die Ermittlungen in der Mordserie an türkischen Kleinunternehmern übernahm?
„Herr Schäuble hat die Waffen gestreckt“
„Es ist übermittelt worden, das wissen wir aus den Akten, dass der damalige Innenminister des Freistaats Bayern, Dr. Beckstein, das als Kriegserklärung bezeichnet hat“, so Högl. Danach sei entschieden worden, dass es keine zentrale Ermittlung des BKA gebe: „Also Herr Dr. Schäuble hat es nicht angeordnet, so dass ich davon ausgehe, dass er die Waffen gestreckt hat nach dieser Kriegserklärung oder die weiße Fahne gehisst hat.“
Eine fatale Entscheidung. Immerhin schlossen die Experten des BKA schon damals einen politischen Hintergrund der Morde nicht aus. Ihr Drängen, die Ermittlungen zu übernehmen, scheiterte am Widerstand der Länder. Offen bleibt, ob das Bundeskriminalamt die Mordserie schneller aufgeklärt hätte, sagt der Ausschuss-Vorsitzende Sebastian Edathy: „Aber ich bin ziemlich sicher, es hätte zu effektiveren, seriöseren Ermittlungen geführt. Und die Chancen, dem Trio auf die Spur zu kommen, wären jedenfalls größer gewesen, als es in der Organisationsform der Fall gewesen ist, für die man sich entschieden hat.“
Die richtige Spur ging im Kompetenz-Gerangel unter
So aber ging die richtige, die Spur der Neonazis, im Kompetenzgerangel der Behörden unter: fünf Staatsanwaltschaften, sechs Landeskriminalämter, dazwischen noch BKA und Verfassungsschutz. „Man konnte fast den Eindruck haben, es ging nach dem Motto: Mein Fall, meine Spuren, mein Personal, nur nichts abgeben, nur nichts teilen“, kritisierte Clemens Binninger von der CDU. Zumindest in dieser Frage ist er sich mit seinen Kollegen von den Grünen einig.
An einen solchen Wirrwarr im Behörden-Dickicht habe vorher niemand geglaubt, schon gar nicht, wenn es um die Aufklärung der schlimmsten Taten in der deutschen Kriminalgeschichte gehe. Das sagt der grüne Abgeordnete Wolfgang Wieland: „Da kann man wirklich nur erschüttert sein. Das alles ist keine Werbeveranstaltung für unseren Föderalismus.“
Man suchte Mafia-Verbindungen, nicht Rechtsextreme
Für Wieland zeigt sich zudem eine deutliche Schieflage bei den Ermittlungen. Mit unglaublicher Akribie ging die bayerische Soko „Bosporus“ vermeintlichen Mafiaspuren nach. In Nürnberg betrieb sie sogar eine eigene Dönerbude, um Verbindungen zur organisierten Kriminalität aufzudecken. Dagegen wurde in die Suche nach rechtsextremen Tätern, bestärkt durch die Analyse eines sogenannten Profilers, sehr viel weniger Energie gesteckt: „Von 160 Beamten, die im Rahmen dieser Besonderen Aufbauorganisation „Bosporus“ tätig waren, haben vier bis fünf in dem Bereich Rechtsextremismus ermittelt. Vier bis fünf von 160, so kläglich ist dann auch das Ergebnis gewesen“, konstatierte Wolfgang Wieland.
Zudem dauerte es Monate, bis man auf eine Anfrage beim bayerischen Verfassungsschutz überhaupt eine Antwort bekam. Dazu sollen die damals Verantwortlichen nun am 24. Mai befragt werden. Am selben Tag steht auch die Vernehmung von Günther Beckstein an, damals bayerischer Innenminister. Er hat sich noch nicht geäußert, ob er einer Live-Übertragung der Sitzung zustimmt.
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Aktuelle Veranstaltungen
So. 06.09.2026 | 24. Elul 5786
Kultur
»Nicht«. Ein Abend mit Dror Mishani
Beginn 17:00 Uhr:Buchpräsentation und Gespräch zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur
Moderation: Richard C. Schneider (Journalist und Sachbuchautor)
Lesung: Robert Dölle (Residenztheater)
Sprachen: Englisch & Deutsch (mit einer Lesekostprobe auf Hebräisch)
Ursprünglich erwartete das IKG-Kulturzentrum den Schriftsteller Dror Mishani bereits im Juni 2025 zur Vorstellung von »Fenster ohne Aussicht. Tagebuch aus Tel Aviv«, entstanden nach dem 7. Oktober 2023. Der am 13. Juni 2025 ausgebrochene israelisch-iranische Zwölftagekrieg machte diese Einladung zunichte.
Inzwischen hat Dror Mishani einen neuen Roman vollendet mit dem Titel »Nicht«. Es geht darin um Liebe: die zwischen Mann und Frau, Lebende und Erinnerte, Künstlerin und Musik, Mensch und Tier. Kann eine Lüge eine Liebe retten? Oder gewinnt das Zerstörerische darin die Oberhand? Dror Mishani ist ein Meister der Charakterstudie und weit mehr als ein Krimiautor. Er sagt: »Ich habe angefangen, Kriminalromane zu schreiben, um die Wahrheit menschlicher Gewalt zu dokumentieren und den Versuch zu unternehmen, sie zu verstehen«.
So. 06.09.2026 | 24. Elul 5786
Kultur
Einladung zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur 2026 unter dem Motto »Liebe«
Beginn 10:00 Uhr:»An der frischen Luft«
10:00 Uhr
Rundgang am Alten Israelitischen Friedhof
an der Thalkirchner Straße mit Ellen Presser
bereits ausgebucht
Voranmeldung für weitere Führung am
So, 25. Oktober (mit Rückbestätigung) per
E-Mail unter karten@ikg-m.de (Stichwort: Ende Sommerzeit)
»Auf jüdischen Spuren durch die Münchner Altstadt«
mit Chaim Frank
11:00 Uhr
Begrenzte Teilnehmerzahl. Beitrag 10 Euro.
Voranmeldung unter karten@ikg-m.de (Stichwort: Stadtführung)
4.09. – Treffpunkt wird mit Rückbestätigung mitgeteilt.
»Die Synagoge Ohel Jakob« (Zelt Jakobs)
von vielen Seiten«
Referentin: Dinah Zenker
Vortrag mit Besichtigung, Einlass am Synagogenportal,
ohne Voranmeldung
13:00 Uhr (Einlass ab 12:30 Uhr)
15:00 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr)
Beitrag 5 Euro.
Bücher- und CD-Flohmarkt
12:00 – 17:00 Uhr
»Liebe geht auch durch den Magen«
Jüdische koschere Spezialitäten
im Restaurant Einstein
12:00 – 21:00 Uhr
Tischreservierung unter www.einstein-restaurant.de
Informationen unter (089) 202 400 491
www.ikg-m.de/kulturzentrum/aktuell/
Organisation: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787
Kultur
»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer
Beginn 19:00 Uhr:Moderation: Ellen Presser
Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
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80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
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