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27. Februar 2012
Neonazi Wiese nimmt Landshut ins Visier
Von Wolfgang Wittl, Landshut, Süddeutsche Zeitung Online, 26.02.2012. Noch aggressiver als die NPD: Seit der Neonazi Martin Wiese wieder auf freiem Fuß und in die Nähe von Landshut gezogen ist, häufen sich dort Aktionen rechter Gruppen. Am Wochenende kam es zur größten Demonstration seit Monaten. Die Kommunalpolitiker sind besorgt, Ostbayern entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz rechtsextremistischer Umtriebe.
Ostbayern entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz rechtsextremistischer Umtriebe. Etwa 100 Neonazis sind am Samstag in Landshut aufmarschiert. Die Demonstration war die größte, zu der die rechte Szene in den vergangenen Monaten aufgerufen hatte. Sie bildete den vorläufigen Höhepunkt einer Reihe von Provokationen durch Neonazis.
Landshuts Bürgermeister Thomas Keyßner (Grüne) sprach von einer „Kriegserklärung“, auf die sich die Stadt einzustellen habe. Oberbürgermeister Hans Rampf und Landrat Josef Eppeneder (beide CSU) zeigten sich besorgt.
Seit Wieses Entlassung mehren sich die Aktionen
Initiator der Demo war der verurteilte Neonazi Martin Wiese mit dem „Nationalen Bündnis Niederbayern“. Seitdem Wiese nach Geisenhausen bei Landshut gezogen ist, häufen sich dort Aktionen rechter Gruppen. Die Demonstration vom Samstag stellten die Neonazis unter das Motto „Linke Gewalt stoppen“ und „Runden Tisch gegen Rechts verbieten“.
Mehrere hundert Gegner behinderten den Zug durch Sitzblockaden. Zudem bewarfen sie die Demonstranten mit Tomaten. Während einer Blockade schlug ein Mann auf einen Beamten ein. Der Polizist wurde dabei leicht verletzt. Die Beamten nahmen vier Menschen fest, die nach Polizeiangaben überwiegend der linken Szene zuzurechnen seien.
Wiese war 2003 wegen eines geplanten Sprengstoffanschlags auf das Jüdische Zentrum in München zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Seit gut einem Jahr ist er wieder auf freiem Fuß. Wiese versucht nach Angaben von Verfassungsschützern, kleinere, bisher zum Teil untereinander verfeindete rechtsextreme Gruppen, zu einen. Unter dem Dach „Freies Netz Süd“ soll er derzeit versuchen, die Szene neu zu strukturieren.
Vergangenen Dienstag hatte Wiese in Landshut Flugblätter mit „eventuell volksverhetzendem Inhalt“ verteilt, wie die Polizei vermutet. Sie beschlagnahmte die Dokumente. Am Mittwoch protestierte Wiese mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter vor der Polizeistation; für Samstag rief er zur Demo auf.
Flugblätter mit „eventuell volksverhetzendem Inhalt“
Nach Einschätzungen von Szenekennern verfolgen das „Freie Netz Süd“ (FNS) und die NPD derzeit unterschiedliche Interessen. Während sich die NPD unter ihrem neuen Vorsitzenden Holger Apfel angesichts der Morde der Zwickauer Terrorzelle und eines drohenden Parteiverbots gemäßigt gibt, tritt das „FNS“ deutlich aggressiver auf. Bei einem Treffen der NPD am Aschermittwoch in Deggendorf, gegen das ebenfalls Hunderte Bürger und Kommunalpolitiker demonstrierten, hatte die NPD die radikaleren Gruppierungen ausgeladen.
Das Wechselspiel in der rechten Szene hat Tradition: Unter dem früheren Vorsitzenden Udo Voigt öffnete sich die NPD 1996 für sogenannte Kameradschaftskreise, ehe sie Anfang des Jahrtausends beim ersten Verbotsantrag die Rolle rückwärts vollzog.
Seit 2008 ist das Verhältnis nach einer zwischenzeitlichen Annäherung erneut distanziert. Damals hätten Rechte wie Matthias Fischer und Norman Bordin versucht, die NPD zu radikalisieren, sagt Marcus Buschmüller vom antifaschistischen Informationsarchiv Aida. Als dies scheiterte, gründete sich das „Freie Netz Süd“, das seinen Schwerpunkt unter Fischer in Franken hat.
Bordin ist überwiegend in München aktiv, Wiese jetzt in Niederbayern und der Oberpfalz. Auch der Einfluss auf die NPD könnte bald schon wieder steigen, glaubt Buschmüller. Diese benötigt dringend junge Aktivisten, wie sie sich im „FNS“ um Wiese scharen.
Bedenkliches Tempo
Fachleute bescheinigen dem „FNS“ „ein bedenkliches Tempo“ in der Umsetzung von Aktionen sowie eine Sprache, die „vor Gewaltandrohung strotzt“. Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) berichtet von zunehmenden Aktivitäten in Ostbayern. „Wir beobachten das Treiben von Wiese mit Polizei und Verfassungsschutz bestmöglich“, hatte er kürzlich im Interview mit der SZ erklärt, aber auch eingeräumt, seinem Treiben „Einhalt zu gebieten“ sei schwer, solange Wiese keine Straftaten begehe.
Für Aida-Sprecher Buschmüller ist das „Freie Netz Süd“ bereits gleichzusetzen mit der „Fränkischen Aktionsfront“, die 2004 wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verboten wurde.
Bei ihrer Kundgebung in Landshut sollen Neonazis Namen von Menschen vorgelesen haben, die durch Ausländer zu Tode gekommen seien – zwei Tage, nachdem sich Kanzlerin Angela Merkel bei den Opfern der Zwickauer Terrorzelle entschuldigt hatte.
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Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
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E-Mail: empfang@ikg-m.de
