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15. Februar 2018

Max zu Ehren

München benennt den Platz vor dem NS-Dokuzentrum nach dem Zeitzeugen Max Mannheimer. Von helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 15.02.2018. Eine geeignetere Persönlichkeit als den Schoa-Überlebenden Max Mannheimer sel. A. hätte es für die Benennung des bisher namenlosen Platzes vor dem NS-Dokumentationszentrum in der Brienner Straße wohl kaum geben können.

Am 6. Februar, an dem der vor einem Jahr verstorbene Zeitzeuge 98 Jahre alt geworden wäre, wurde der historisch bedeutsame Ort bei einem offiziellen Festakt zum »Max-Mannheimer-Platz«.

 Würdigten eine große Münchner Persönlichkeit: Freunde und Wegbegleiter des Künstlers und Schoa-Überlebenden Max Mannheimer © Orla Connolly

Würdigten eine große Münchner Persönlichkeit: Freunde und Wegbegleiter des Künstlers und Schoa-Überlebenden Max Mannheimer © Orla Connolly

 

Oberbürgermeister Dieter Reiter, der die Idee dazu entwickelte und eine überwältigende Mehrheit im Stadtrat fand, würdigte in seiner Festrede die Verdienste Mannheimers. »Der neue Platz«, sagte er, »ist eine Verbeugung vor seiner Person und seinem einzigartigen gesellschaftlichen Engagement.« Die Benennung des Platzes, so der Oberbürgermeister weiter, sollte als »würdiges und dauerhaftes Andenken« verstanden werden.

Lebensdaten

Der Platz ist eine Verbeugung vor Max Mannheimer und seinem Engagement.

Auf einer kleinen Tafel sind ein paar Daten seines Lebens festgehalten: »Max Mannheimer (6. Februar 1920 – 23. September 2016), Kaufmann, Künstler, Holocaust-Überlebender, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees, Mitinitiator des NS-Dokumentationszentrums.«

Bei der Festveranstaltung im NS-Dokumentationszentrum stand jener Aspekt seines Wirkens im Mittelpunkt, der auf der Tafel nur zwischen den Zeilen zu lesen ist: seine menschliche Größe, nicht in Hass zerflossen zu sein, sondern stets die Hand zur Versöhnung gereicht zu haben. Bis dorthin war es ein langer und schwieriger Weg. Schwester Elija Boßler vom Karmelitinnen-Kloster Heilig Blut in Dachau, eine langjährige Wegbegleiterin Max Mannheimers, berichtete beim Festakt davon, wie er sich von der Vergangenheit, dem Grauen des Nationalsozialismus, befreite. Danach war er ein Mahner, in erster Linie aber eben auch ein Versöhner – ein Begriff, der immer wieder fiel.

Oberbürgermeister Dieter Reiter ging in seiner Rede auch auf die ganz besondere Beziehung ein, die zwischen dem NS-Dokumentationszentrum und dem Mann besteht, der mehrere Konzentrationslager überlebte, auch Auschwitz. Die Schatulle, die bei der Grundsteinlegung für die Nachwelt mit eingegraben wurde, ist so eine Verbindung. Zu den Objekten, die darin enthalten sind, gehört auch der »Appell an die Jugend in Deutschland« von Max Mannheimer. »Lernt aus der Geschichte«, heißt es in dem Schriftstück. Dieses Credo hat er unzähligen jungen Menschen bei seinen Besuchen in Schulen und Universitäten vermittelt.

Vermächtnis

Mit dem NS-Dokuzentrum, das auf jenem Grundstück steht, an dem sich das »Braune Haus«, die Schaltzentrale der Nazis, befand, ist Max Mannheimer auch dadurch verbunden, dass er sich besonders stark für die Realisierung dieses Projekts eingesetzt hat. Man könne es sogar als sein »persönliches Vermächtnis« betrachten, sagte Oberbürgermeister Reiter.
Bei der Grundsteinlegung 2012 bekräftigte Mannheimer seinen Appell an die Jugend.

Er hielt es aber für notwendig, die Relationen zurechtzurücken. Verglichen mit der Persönlichkeit Mannheimers und dessen Wirken stelle die Benennung des Platzes einen vergleichsweise profanen Akt dar. Wichtiger wäre es, wenn bei der Nennung des »Max-Mannheimer-Platzes« auch der Appell des Namensgebers mitschwinge.

Ernst Mannheimer, der Sohn des Geehrten, hatte keine Zweifel daran, dass sein Vater über diese besondere Ehrung hocherfreut gewesen wäre. Mit dem Max-Mannheimer-Platz werde am richtigen Ort an ihn erinnert. Sorge habe er aber, dass der Appell seines Vaters verhalle, sagte Ernst Mannheimer und wies auf das Erstarken nationalistischer Kräfte hin sowie auf von Migranten beflügelten Antisemitismus. Inzwischen hätten Juden in München wieder Angst, ihre Religion offen zu leben, beklagte Ernst Mannheimer diese gesellschaftlichen Entwicklungen.

Verpflichtung

Über rassistische und antisemitische Tendenzen in der Gesellschaft hat IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch oft mit Max Mannheimer gesprochen. »Er war ein herausragender Mensch, der mit seiner unnachahmlichen Art die Menschen berührte. Er war eindeutig in seiner Haltung, aber zugleich warmherzig und Verständnisvoll. Es war unser gemeinsames Ziel, gerade den jungen Menschen zu vermitteln, dass sie keine Schuld an dem Vergangenen haben, aber eine Verantwortung im Hier und Heute«, so Knobloch.

An dem Festakt nahmen auch Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel sowie Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel teil. Sie erschienen offiziell als Mitglieder des Kuratoriums des NS-Dokuzentrums. Ihre neue Dienstadresse trägt die Nummer 1. Diese Zahl ergibt sich von selbst, denn am »Max Mannheimer-Platz« steht ausschließlich das NS-Dokuzentrum. Dort werden die Verbrechen der NS-Zeit aufgearbeitet, ein Anliegen, das auch Max Mannheimer vertrat.

Der Platz selbst reicht von der Brienner Straße bis zur Musikhochschule, die früher einmal der »Führerbau« war, und auf der anderen Seite bis zu den Resten eines der »Ehrentempel«, die zur Verherrlichung der getöteten Putschisten von 1923 errichtet worden waren.

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Dezember 2018 | Kislew-Tewet | « »

Aktuelle Veranstaltungen


So. 13.01.2019 | 7. Schwat 5779

Kulturzentrum

Gesprächsrunde: Jüdisches Amerika

Beginn 17:00

»Amerika ist die Ferne. Amerika heißt die Freiheit. In Amerika lebt immer irgendein Verwandter.« (Joseph Roth, 1927)

»Lady Liberty«, die New York vorgelagerte Freiheitsstatue, war für Generationen von Einwanderern  das erste Zeichen für ein besseres Leben in der neuen Welt. Darunter waren mehr als zwei

Deidre Berger © AJC

Millionen Juden, die Pogrome in Osteuropa im 19. Jahrhundert und die drohende Vernichtung während der NS-Zeit zu dieser Reise ins Ungewisse veranlasst hatten. Für viele der deutschen Juden war Amerika zwar ihre neue Adresse, aber das Band, das sie mit Berlin oder Frankfurt, Hamburg oder München und anderen Orten verband, war nicht so leicht zu trennen. Sie blieben oft ihren Wurzeln emotional tief verbunden. Erst die nächste Generation wollte so schnell wie möglich amerikanisch werden.

Über Juden in Amerika und die Beziehungen im deutsch-amerikanisch-jüdischen Kontext diskutieren

Deidre Berger, seit 2000 Direktorin des American Jewish Committee Berlin
Deborah Feldman (geb. in New York), Schriftstellerin, heute Berlin
Yascha Mounk (geb. in München), Politologe und Publizist, lehrt an der Harvard University (Boston) und am Tony Blair Institute for Global Change (London).

Deborah Feldman © Marina Maise

Moderation: Mirjam Zadoff, 2014–2018 Professorin für Geschichte an der Indiana University Bloomington, Inhaberin des Alvin H. Rosenfeld Lehrstuhls für Jüdische Studien, seit Mai 2018 Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München.

Yascha Mounk © Marina Maisel

Eintritt 7 Euro (Schüler, Studenten, Münchenpass-Inhaber Eintritt frei)

Veranstalter
Kulturzentrum der Israelitischen Kultus­gemeinde München und Oberbayern und Münchner Volkshochschule im Rahmen des USA-Themenschwerpunkts USA der MVHS im Winterhalbjahr 2018/2019

Veranstaltungsort
Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Mirjam Zadoff © Orla Connolly

Do. 14.02.2019 | 9. Adar I 5779

Kulturzentrum

„An die Gemeinschaft und an die Welt – Gedanken zu drängenden Fragen der Zeit“

Beginn 19:00

Buchpräsentation mit Rabbiner Pinchas Goldschmidt

„Seit vielen Jahren spielt Rabbiner Pinchas Goldschmidt eine führende Rolle im jüdischen Leben Europas. In diesen Essays und Reden verknüpft er das Judentum mit einigen der dringlichsten gesellschaftlichen, moralischen und spirituellen Herausforderungen unserer Zeit.“ (Rabbiner Lord Jonathan Sacks)

Rabbiner Pinchas Goldschmidt, geboren 1963 in Zürich, ist seit 1993 Oberrabbiner von Moskau und seit 2011 Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz.

Begrüßung: Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München & Oberbayern

 

Eintritt frei.
Anmeldung erbeten im Büro des IKG-Kulturzentrums unter (089) 202400-491 oder karten@ikg-m.de

Veranstalter
Europäische Rabbinerkonferenz Stiftung und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde

Veranstaltungsort
Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

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Kontakt
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