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23. April 2012

Le Pen: Rechtsextreme Frontfrau auf den Spuren ihres Vaters

Erschienen auf Welt Online. Marine Le Pen scheint es gelungen zu sein, die rechtsextreme Front National in Frankreich zu entdämonisieren und massentauglich zu machen. Jeder 5. Franzose gab ihr seine Stimme.

Marine Le Pen hat sich ihren größten persönlichen Wunsch erfüllt: Die Spitzenkandidatin der rechtsextremen Front National hat bei der französischen Präsidentschaftswahl ihren lange Zeit übermächtigen Vater Jean-Marie Le Pen überholt und nach ersten Hochrechnungen bis zu 20 Prozent der Stimmen erreicht.

Sie beherrscht die großen Gesten ihres Vaters und langjährigen Parteivorsitzenden: Mit weit zur Seite ausgestreckten Armen ließ sie sich am Wahlabend auf der Bühne von Anhängern feiern, mit donnernder Stimme hielt sie wieder eine ihrer aufpeitschenden, emotionalen Reden.

Offenbar hat es Marine Le Pen geschafft, ihre rechtsextreme Front National zu entdämonisieren. Seitdem sie im Frühjahr 2011 an der Spitze der Partei steht, lächelte sie viel in die Kameras, unterließ die aggressiven Aussetzer ihres Vaters Jean-Marie Le Pen und reiste offensiv nach Israel.

Anhängerin der Todesstrafe

Aber im französischen Wahlkampf fiel die 43-Jährige wieder in alte Muster zurück: Mit ihrer vom Kettenrauchen heiseren Stimme wetterte sie in jeder Rede gegen Migranten, erklärt den Euro zum Verbrechen und Muslime zu Besetzern des französischen Territoriums. Offenbar haben vor allem ihre europakritischen Töne in Frankreich Erfolg: Die Franzosen machen die EU laut Umfragen für viele wirtschaftliche Probleme verantwortlich.

Die Euro-Krise war Wasser auf den Mühlen der Front National. Immerzu bemängelte Le Pen die „frankreichfeindlichen Entscheidungen“ aus Brüssel und beschwor ein unabhängiges Frankreich. Arbeitsplätze möchte sie künftig für Franzosen reservieren, die Migration stoppen und ausländische Produkte hoch besteuern.

Auch die Todesstrafe forderte sie immer wieder mit aggressiver Stimme ein. Beim Thema Euro musste Le Pen aber entgegen früherer Äußerungen einräumen, dass eine Wiedereinführung des französischen Francs „nicht so einfach und nicht sofort“ zu machen sei.

Feindbild Islam

Bei gesellschaftlichen Fragen gab sich die Juristin moderner als ihr Vater und widersprach dem starken erzkatholischen Flügel der Partei, der geschiedene Gläubige aus der Kirche ausschließen möchte. Schließlich hat Le Pen selbst zwei Ehen hinter sich.

Aber Marine Le Pen weiß genau, wann sie wieder ein Tabu brechen muss, um Aufmerksamkeit zu schüren und ihrer rechtsextremen Basis aus dem Mund zu sprechen. Ohne Anlass kritisierte sie vor wenigen Wochen, dass in Pariser Fleischbetrieben nach islamischem Recht geschlachtet würde.

Das Halal-Fleisch der Hauptstadt macht zwar nur einen Bruchteil der französischen Produktion aus, aber Le Pen hatte es mal wieder geschafft, ein abseitiges Thema auf die Titelseiten der französischen Presse zu bringen.

Dieses Talent wird sie nun auch für die kommenden Parlamentswahlen im Juni nutzen. Schon jetzt stilisiert sie sich als „einzige Opposition“ und als Vertreterin des kleinen Mannes.

Marine Le Pen wird sich wieder zu Fabriken begeben, die von der Schließung bedroht sind, sie wird zu Vorstädten reisen und sich mit Arbeitslosen zeigen. Ihre Stärke ist die Misere eines Teils des französischen Volkes. Und bislang hat niemand im Nachbarland ein Rezept gegen die über Generationen hinweg erfolgreiche Familie Le Pen gefunden.

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Do. 29.01.2026 | 11. Schwat 5786

Kultur

Hommage: „Ein Abend für Gertrud Kolmar“

Beginn 19:00

Donnerstag, 29. Januar 2026, 19 Uhr

Mit Friederike Heimann und Anette Daugardt (Rezitation)

Gertrud Kolmar – geboren 1894 in Berlin, 1943 in Auschwitz ermordet – verleiht in ihren dichten, manchmal archaischen und doch oft überraschend modernen Bildwelten immer wieder dem Fremden und Ungekannten, dem Stummen und Sprachlosen, eine Stimme. Dabei durchdringen sich das Weibliche und das Jüdische in ihrer Poetik auf vielfache Weise. Nun seh‘ ich mich seltsam und kann mich nicht kennen / Da ich vor Rom, vor Karthago schon war, heißt es in „Die Jüdin“, die eine Forscherreise rüsten möchte in ihr eigenes uraltes Land.

Durch die Gedichtlesung führt Friederike Heimann, Literaturwissenschaftlerin und Autorin einer Biographie über Gertrud Kolmar» In der Feuerkette der Epoche« (Suhrkamp 2023).. Die Gedichte werden von der Berliner Schauspielerin Anette Daugardt vorgetragen. Weiterlesen »

So. 08.02.2026 | 21. Schwat 5786

Kultur

Buchpremiere „Die Mühlsteins. Eine jüdisch-böhmische Geschichte“

Beginn 17:00

Buchvorstellung und Gespräch 
Sonntag, 8. Februar 2026, 17 Uhr

Grußwort: Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Autorengespräch: Prof. Dr. C. Bernd Sucher, Vorstandsvorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Beth Shalom

Ausschnitte aus dem Buch liest Armand Presser.

Ausgehend von den Erzählungen seiner Eltern, Überlebenden von Theresienstadt und Auschwitz, und basierend auf umfassenden Recherchen hat Jan Mühlstein seine Familienchronik „Die Mühlsteins. Eine jüdisch-böhmische Geschichte“ verfasst. Er schildert den Wandel der jüdischen Lebenswelten in Böhmen, der mit den Reformen des Kaisers Josef II. im ausgehenden 18. Jahrhundert beginnt und entlang der Bruchlinien der „Konfliktgemeinschaft“ verläuft, die Tschechen und Deutschböhmen bilden. Nachgezeichnet wird so eine erfolgreiche Emanzipation der böhmischen Juden, die mit der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Juden und ihrem wirtschaftlichen Erfolg in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit ihre Vollendung erreicht und einen schrecklichen Rückfall – aber nicht ihr Ende – in der Schoa findet. Die Familiengeschichte lässt sich aber auch als eine Warnung lesen, die Wirkmächtigkeit des scheinbar zu einer Randerscheinung geschrumpften Antisemitismus nicht zu unterschätzen. Weiterlesen »

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