Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Kultur

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9. September 2017

Ladino, Lesung, lange Schlangen

Wie die IKG den Europäischen Tag der jüdischen Kultur beging. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 7.9.2017. Der erste Sonntag im September ist immer auch der »Europäische Tag der jüdischen Kultur«. In diesem Jahr fand er bereits zum 18. Mal statt. Er ist aber auch gewissermaßen das Startsignal für die immer gleich darauf folgenden Jüdischen Kulturtage, deren Programm sich bis Ende Oktober erstreckt. Verbunden sind die Veranstaltungen ohnehin, da beide von der Kulturabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde organisiert werden.

Mehr als 250.000 Menschen haben die Synagoge in den vergangenen Jahren bereits besucht. © Marina Maisel

Mehr als 250.000 Menschen haben die Synagoge in den vergangenen Jahren bereits besucht. © Marina Maisel

In diesem Jahr lautet das durchgehende Motto »Diaspora«. Für IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch könnte es kaum ein interessanteres Thema geben. »Seit Jahrhunderten«, schreibt sie in ihrem Grußwort, »ist die Diaspora die Lebenswirklichkeit und das prägende Lebensgefühl der jüdischen Gemeinschaft.« Sie fügt in diesem Zusammenhang aber auch hinzu: »Wir sind ein respektierter Teil der pluralistischen Stadtgesellschaft. Wir sind Münchner mit tiefen Wurzeln in der Münchner und der bayerischen Geschichte. Unsere jüdische Kultur zusammen mit der bayerischen Kultur ist unsere innere Heimat, in ihr fühlen wir uns aufgehoben und geborgen.«

Vermittlung

Tage wie der Europäische Tag der jüdischen Kultur dienten vor allem auch dazu, Menschen unterschiedlichen »Zuschnitts« einander näherzubringen – und zu einem Ergebnis zu führen, das die IKG-Präsidentin so formuliert: »Vielleicht setzt sich dadurch die Erkenntnis durch, dass der vermeintlich andere gar nicht so anders ist.« In der Vermittlung gegenseitigen Respekts und Verstehens spiele das Kulturzentrum unter der Leitung von Ellen Presser dabei eine zentrale Rolle.

ag der offenen Tür: Das Interesse an Führungen durch die Synagoge am Jakobsplatz ist sehr groß. © Marina Maisel

ag der offenen Tür: Das Interesse an Führungen durch die Synagoge am Jakobsplatz ist sehr groß. © Marina Maisel

 

Die Akzeptanz der jüdischen Gemeinschaft durch die Münchner Gesellschaft lässt sich auch an einer Zahl bemessen, die nicht einmal genau feststeht. Waren es schon 300.000 Menschen, die die Synagoge bei den angebotenen Führungen gesehen haben? »250.000 waren es auf jeden Fall schon, möglicherweise auch ein paar mehr«, nennt Ellen Presser die in Betracht kommende Spannweite. Erst vor wenigen Wochen, als das zehnjährige Bestehen des Gemeindezentrums gefeiert wurde, wurde auch immer wieder die erstaunliche Anziehungskraft des Jakobsplatzes als kulturelles und religiöses Zentrum betont. »Mit dieser Akzeptanz«, so Charlotte Knobloch, »konnte keiner rechnen.«

Die Besucher erreichen die Synagoge über den unterirdischen »Gang der Erinnerung«, der die Synagoge mit dem Gemeindezentrum verbindet. © Marina Maisel

Die Besucher erreichen die Synagoge über den unterirdischen »Gang der Erinnerung«, der die Synagoge mit dem Gemeindezentrum verbindet. © Marina Maisel

 

Sicher ist, dass am Sonntag wieder einige Hundert Besucher hinzugekommen sind, knapp 300, um es genau zu sagen. Schon lange vor Beginn der Führungen (12 und 15.30 Uhr), die diesmal von »Mitzwe Makers«-Vorstand Steven Guttmann und Ellen Presser geleitet wurden, bildeten sich vor dem markanten, seit elf Jahren bestehenden Gotteshaus am Jakobsplatz lange Schlangen.

Spiritualität

Wenig später erlebten die Besucher die geradezu magische Spiritualität, die von der Ohel-Jakob-Synagoge ausgeht. Eine Frau aus Norddeutschland, die aus familiären Gründen für ein paar Wochen in München lebt und eher zufällig vorbeikam, konnte es kaum fassen. »Ein wunderbarer Ort«, sagte sie – und fügte noch einen Satz hinzu: »Dabei bin ich gar nicht religiös.«

Die Jüdischen Kulturtage, die mit einem Vortrag von Dirk Heißler gestartet sind und in den kommenden Wochen Buchpräsentationen, Filme, Lesungen, Gespräche und Diskussionen bieten werden, dokumentieren die Vielfalt jüdischer Kultur.

Der Bücherflohmarkt erwies sich als Paradies für Schnäppchenjäger. © Marina Maisel

Der Bücherflohmarkt erwies sich als Paradies für Schnäppchenjäger. © Marina Maisel

 

»Das anspruchsvolle Programm, das das Team um Ellen Presser in diesem Jahr wieder auf die Beine gestellt hat«, erklärt die IKG-Präsidentin, »leuchtet verschiedene Facetten der Diaspora hierzulande aus und führt uns von Deutschland und Europa bis in die USA und nach Australien. Lassen Sie sich mitnehmen auf eine inspirierende Reise!«

Vielfalt

Die Religiosität und die Synagogen waren am Sonntag ein Teil jüdischer Vielfalt, der CD- und Buchbasar im Gemeindezentrum ein ganz anderer. Diese kulturellen Angebote zum Schnäppchenpreis und mit jüdisch-israelischem Bezug waren ausgesprochen gefragt. Einige »Bücherwürmer«, die am Stand vorbeischauten, nahmen Literatur und Musik gleich tütenweise mit.

Schräg gegenüber von den CD- und Bücherstapeln, im Hubert-Burda-Saal, setzte Marcia:Bloom den musikalischen Schlusspunkt hinter den Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Die Gruppe mit Sängerin Petra Schechter und den Musikern Uwe Seemann (Bass, Gitarre), Benny Brown (Rhodes-Piano, Posaune, Trompete, Flügelhorn) und Matthias »Maze« Meusel (Schlagzeug, Percussion) verbindet die alte Sprache Ladino, das Spanisch der sefardischen Juden, mit modernem Sound. Auch das gehörte zur kulturellen Vielfalt.

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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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St.-Jakobs-Platz 18
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Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de