Pressemitteilung
« Zurück
13. März 2016
Knobloch: „Erfolg der rechtsradikalen Populisten ist Gefahr für politische Kultur und demokratische Verfasstheit unseres Landes“
München, 13.3.2016. Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt: Die ersten Hochrechnungen sagen den Einzug der rechtspopulistischen AfD mit zweistelligen Stimmenanteilen als dritt- oder zweitstärkste Kraft voraus. Dazu Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern: „Der massive Rechtsruck in unserem Land gibt Anlass zu großer Sorge. Wenn Wählerinnen und Wähler in so enormem Ausmaß dem Ruf von Rechtspopulisten und -extremisten folgen, liegt ein Versagen der demokratischen Parteien vor.“
„Heute nisten sich in drei weiteren Landesparlamenten radikal rechte Kräfte in erheblicher Fraktionsstärke ein“, so die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Die AfD hat sich bewusst jenseits der Grenzen des freiheitlich-demokratischen Spektrums begeben. Der Restbestand seriöser Vertreter distanziert sich nicht konsequent vom neuen AfD-Profil, das nationalistisch, völkisch-rassistisch, auch antisemitisch und system-umwälzend, kurzum: brandgefährlich ist. Billigend hat sich die Partei zum politischen Arm der rechtsextremen Pegida-Bewegung entwickelt. Je nach Region finden sich spätestens auf ihren hinteren Listenplätzen Gestalten von ganz rechts außen, darunter ehemalige NPD-Mitglieder, Neonazis.“
Knobloch: „‚Unser Land darf sich nicht verändern!‘ Mit dieser Forderung habe ich im vergangenen Jahr darum geworben, bei der Eingliederung der Flüchtlinge die Integration in unsere westliche, freiheitlich-demokratische Wertordnung in den Mittelpunkt zu stellen. Zu einem aufgeklärten, geläuterten Patriotismus, den ich von wehrhaften Demokraten fordere, gehört aber auch, dass die rechtsradikalen und deutsch-nationalistischen Tendenzen im Keim erstickt werden. Insofern ist der heutige Tag zudem vor dem Hintergrund der immensen Zunahme rechtsextremer und antisemitischer Gewaltexzesse in Deutschland ein gravierender Einschnitt. Die Signale stehen auf Rot! Aggressive Rhetorik, Hass und Menschenverachtung vergiften unsere gewachsene politische Kultur. Digitale Verrohung führt zu analoger Enthemmung, verbale Hetze provoziert tatsächliche Gewalt. Die radikalen Ideologien gefährden die demokratische Verfasstheit unseres Landes.“
Weiter: „Mit dem heutigen Votum sollte sicher auch Protest zum Ausdruck kommen – de facto hat sich jedoch ein nennenswerter Anteil der Bürgerinnen und Bürger aus unserer Mitte bewusst dazu entschieden, rechtsradikal zu wählen. In Sachsen-Anhalt reüssiert auch die NDP. Schon bei den Kommunalwahlen in Hessen erlebten die voreilig totgesagten NPD und Republikaner dort eine Renaissance, wo die AfD nicht antrat. Das ist ein Alarmzeichen, vor dem niemand in Politik und Gesellschaft die Augen verschließen darf. Die demokratischen Parteien, zumal die Volksparteien müssen endlich ihrer politischen Verantwortung gerecht werden, eben gerade den Unzufriedenen, Besorgten, Verunsicherten und Verängstigten das Gefühl von Verständnis, Halt und Handlungsfähigkeit zu vermitteln. Das ist aktuell augenscheinlich nicht in ausreichendem Maße der Fall, anders ist nicht zu erklären, dass es auch bislang nicht dem rechten Spektrum zuzuordnende Bürger, derart zahlreich in die Fänge der Demagogen treibt. Wenn in der Reaktion auf die politische Erosion dieses Wahltags die demokratischen Parteien, speziell die Volksparteien, weiterhin abwiegeln und Phrasen liefern anstatt Lösungen und geschlossenes parteiübergreifendes Handeln, droht ein tiefgreifender Stimmungswandel in unserem Land, der nicht gut ist für unsere Demokratie.“
„Die zweistelligen Ergebnisse einer rechtsradikalen Partei, die jetzt in acht Landtagen vertreten ist, spiegeln ein Bild von unserer Republik, das ich mir vor wenigen Jahren nicht hätte vorstellen können. Wir müssen ehrlich, ernsthaft und nachhaltig über den Zustand unserer Demokratie und unserer Gesellschaft diskutieren – über den Umgang mit unserer Vergangenheit und über den Umgang mit unserer Gegenwart, über die Lehren die wir aus gestern und heute für morgen ziehen, wer ‚wir‘ sind, wer ‚das Volk‘ ist und wer ‚wir‘ in Zukunft sein wollen. Das entscheidet sich jetzt. Wenn die Demokraten nicht die Weichen stellen, werden es die Anti-Demokraten tun – mit unabsehbar verheerenden Folgen.“
VeranstaltungenÜberblick »
Mai 2026 | Nissan-Ijar
- So
- Mo
- Di
- Mi
- Do
- Fr
- Sa
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 8
- 9
- 10
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
- 16
- 17
- 18
- 19
- 20
- 21
- 22
- 23
- 24
- 25
- 26
- 27
- 28
- 29
- 30
- 31
Aktuelle Veranstaltungen
Di. 09.06.2026 | 24. Siwan 5786
Kultur
„Vier Tage im Juni. Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul“ mit Mona Yahia
Beginn 19:00Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. Juni 2026, 19 Uhr
In ihrem Roman »Vier Tage. Eine nahöstliche Tetralogie« erzählt Mona Yahia die Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Mossul, Tel Aviv, Babel und Istanbul. Ausgehend von einem Wendepunkt im Jahr 1918 entfaltet sich über vier Generationen hinweg ein vielschichtiges Panorama von Aufbruch, Verlust und Exil. In eindringlichen Momentaufnahmen – jeweils verdichtet auf einen einzigen Tag – verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und stellt die Frage nach Zugehörigkeit, Erinnerung und dem eigenen Platz in der Welt. Weiterlesen »
Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786
Kultur
Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“
Beginn 19:00Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr
Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.
Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »
Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786
Kultur
Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“
Beginn 18:15Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr
Vortrag in jiddischer Sprache
- Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
- Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
