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13. März 2014
Kindheit in Föhrenwald
Eine Ausstellung am Jakobsplatz zeigt das Leben im DP-Lager. Von Miryam Gümbel, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 13.3.2014. Mit einer Ausstellung im Foyer des Gemeindezentrums und drei sehr gut besuchten Begleitveranstaltungen im Hubert-Burda-Saal erinnerten das Kulturzentrum der IKG und der Verein »Badehaus Waldram-Föhrenwald« in den vergangenen Wochen an das größte und am längsten bestehende Lager für jüdische Displaced Persons (DP) in Deutschland. Stets mit dabei waren die »Kinder vom Lager Föhrenwald«, nach denen auch die von Kirsten Joergensen und Sybille Kraft zusammengestellte Fotodokumentation benannt wurde.
Bei der Auftaktveranstaltung begrüßte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch den bayerischen Staatssekretär für Bildung und Kultus, Georg Eisenreich, mit den Worten: »Ihre Themen Bildung, Jugend und Europa sind zentrale Stellschrauben unserer Zukunft.« Aus den Reihen der Politiker war auch Karl Freller gekommen, der kürzlich den Rabbiner-Spiro-Preis erhalten hatte, wozu Charlotte Knobloch ihm gratulierte.
ERINNERUNG
Der Landtagsabgeordnete Freller ist als Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten durchaus dem Anliegen aufgeschlossen, das mit der Ausstellung und den Begleitveranstaltungen vorgestellt wurde: eine Erinnerungsstätte an das DP-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen im Süden von München.
Im Rahmen ihrer Rede hob Charlotte Knobloch den Einsatz von Initiatorin Sybille Krafft und ihren Unterstützern vom Verein »Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald« hervor: »Sie engagieren sich seit Jahren beruflich wie privat für eine kluge und nachhaltige Kultur des Erinnerns in unserer Region.« Der Zeitzeuge Max Mannheimer, der ebenfalls am Eröffnungsabend anwesend war, bezeichnete Kraffts ehrenamtlichen Einsatz zum Gedenken an die dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte ebenfalls als vorbildlich.

Früher und heute: Beno Salamander und seine Schwester Rachel © Marina Maisel
Zielsetzung der Historikerin und Publizistin Krafft ist es, in dem ehemaligen Badehaus von Föhrenwald einen Ort der Erinnerung und Begegnung zu schaffen, um die jüngste Geschichte anschaulich und zeitgemäß zu dokumentieren. Dass sie dabei auch die Unterstützung der Bevölkerung hat, zeigte sich im Rahmenprogramm zu der Veranstaltungsreihe in der IKG.
PROJEKTE
Grundschüler aus der Region steuerten einen beeindruckenden Gesangsauftritt bei. Schüler des benachbarten Geretsrieder Gymnasiums stellten im Rahmen eines Zeitzeugen-Projekts ihre Arbeit vor. Dabei befragten die Schüler ehemalige »Föhrenwalder« und machten daraus einen Dokumentarfilm. Mit der Publizistin Rachel Salamander, die selbst einige Jahre in Föhrenwald lebte, war eine Interviewpartnerin bei der Auftaktveranstaltung im Hubert-Burda-Saal persönlich anwesend.
Föhrenwald wurde 1939 als nationalsozialistische Siedlung für Rüstungsarbeiter gebaut. Nach Kriegsende fanden jüdische Displaced Persons hier eine Unterkunft. Rund 6000 Menschen warteten in dem Lager auf die erhoffte Auswanderung nach Übersee oder Israel. Immer wieder kamen weitere Personen aus aufgelösten DP-Lagern nach Föhrenwald, bis diese »Enklave jüdischen Lebens« schließlich Mitte der 1950er-Jahre aufgelöst wurde. 1955 kaufte das Katholische Siedlungswerk das Gelände für Heimatvertriebene und benannte es um in Waldram.
Die Hintergründe des Lebens der DPs beleuchteten bei den Veranstaltungen Dokumentarfilme, darunter Befreit & Vergessenvon Henriette und Joachim Schroeder sowie von Werner Kiefer, der auch die zerstörten Hoffnungen und Lebensträume der in Deutschland zurückgebliebenen Juden deutlich machte. Sybille Krafft selbst zeigte in einem eigenen Film Föhrenwald-Waldram heute – und das in Begleitung und mit den Erinnerungen einiger »Föhrenwaldkinder«.
UNTERSTÜTZUNG
Diese standen im Mittelpunkt der gesamten Veranstaltungsreihe, auf den Tafeln der Fotodokumentation im Foyer ebenso wie in Gesprächen auf der Bühne. Anwesend waren viele von ihnen: Zu Wort kamen Benjamin Braun, Rachel Salamander sowie in einem gemeinsamen Gespräch, das Krafft moderierte, Abraham Ben, Jacques Cohen, Leibl Rosenberg, Icek Surovicz und Maier Szanckower. Sie alle sind sich einig, dass das Projekt »Badehaus Föhrenwald« Unterstützung finden und realisiert werden muss.
Die »Föhrenwaldkinder«, heute alle 60 Jahre und älter, kamen zu verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlichen Schicksalen in den Münchner Süden. Eines war aber für alle gleich: Als Kinder erlebten sie Föhrenwald als geschützten Bereich, in dem sie eine glückliche Zeit verbrachten. Dass ihre Eltern ein hartes Schicksal hinter sich hatten, erkannte als Kind besonders Rachel Salamander, deren Mutter in einem Sanatorium leben musste. Bei den regelmäßigen Besuchen erlebten Rachel und ihr Bruder Beno auch die Welt außerhalb der geschützten Föhrenwald-Welt. Die Kinder erahnten die Tragik, die ihre Eltern während der Schoa erlitten hatten.
FÜRSORGE
»Kinder waren der Beweis, dass die Nazis ihr Werk nicht vollendet haben«, zitierte Sybille Krafft Lea Fleischmann und ergänzte: »Die Kinder waren oft das Einzige, was sie am Leben hielt.« Entsprechend galt die ganze elterliche Fürsorge ihnen. So wurden sie geschützt und abgeschirmt von allem Negativen, und in den meisten Familien wurde die Schoa vor den Kindern nicht thematisiert.
Diese waren der ganze Schatz der Menschen, die den Großteil ihrer Angehörigen verloren hatten, und sollten so unbelastet und glücklich wie möglich aufwachsen. Dafür bot das Lager die notwendigen Voraussetzungen: Die meisten der DPs kamen aus Osteuropa, die Schtetl-Atmosphäre mit ihrer religiösen Tradition konnte Raum greifen.
Auch wenn die Kinder beim Schulbesuch in Wolfratshausen die Außenwelt erlebten, war das Zentrum für sie Föhrenwald. Der Ort in der freien Natur bot ihnen alle Freiheiten. Der Umzug nach München Mitte der 50er-Jahre war ein Einschnitt. Föhrenwald war für die meisten Kinder eine der unbeschwertesten Zeiten ihres Lebens. Besonders glücklich waren sie für Chana und Benjamin Braun – die sich dort kennen und lieben gelernt hatten und in Föhrenwald auch heirateten und Eltern wurden.
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Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786
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Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“
Beginn 19:00Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr
Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.
Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »
Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786
Kultur
Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“
Beginn 18:15Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr
Vortrag in jiddischer Sprache
- Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
- Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
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