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20. April 2012
Zum Jom Haschoa 2012, dem Holocaust-Gedenktag in Israel
Am 19.4.2012 haben die Menschen in Israel den sechs Millionen unter der Nazi-Herrschaft ermordeten Juden gedacht. Um 10 Uhr Ortszeit (11 Uhr MESZ) heulten am Holocaust-Gedenktag zwei Minuten lang die Sirenen, das ganze Land stand still. Jeder verharrte an der Stelle, an der er gerade war, in Gedenken an die verlorenen Frauen, Männer und Kinder. Fast sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs leben in Israel noch rund 200.000 Holocaust-Überlebende. „Die Shoah (…) scheint unsere menschliche Vorstellungskraft zu übersteigen. Und doch wurde das Grauen von Menschen gewollt, geplant, und in die Tat gesetzt“, schrieb der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, in einem Beitrag für die Wochenzeitung Jüdische Allgemeine.
Rund zehntausend Jugendliche aus Israel und jüdischen Gemeinden aus mehr als 30 Ländern haben in Auschwitz mit dem „Marsch der Lebenden“ an die Opfer des Holocaust erinnert. Auf dem Weg in das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau begleiteten sie am diesjährigen Holocaust-Gedenktag nicht nur Überlebende der nationalsozialistischen Todeslager, sondern erstmals auch US-Veteranen, die unter anderem an der Befreiung der Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Gunskirchen und Mauthausen beteiligt waren. Der älteste von ihnen war 94 Jahre alt.
Botschaft des Staates Israel, 19.04.12. Bei der Zeremonie zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen hat Botschafter Yakov Hadas-Handelsman eine Rede gehalten. In seiner Rede erklärte er: „In den Nachmittagsstunden des 15. April 1945 betrat eine kleine Gruppe von Offizieren der 2. Britischen Armee das Lager Bergen-Belsen. Die Offiziere waren nicht vorbereitet auf den Anblick, der sie erwartete. Mit Entsetzen sahen sie die Schrecken des Lagers. Der Militärarzt Glyn Hughes schreibt: ´[K]ein Bericht und keine Fotografie kann diese grauenvollen Bilder außerhalb der Baracken wiedergeben, und die schrecklichen Szenen in den Baracken waren noch viel schlimmer. Überall im Lager befanden sich Leichenstapel verschiedener Höhe, einige außerhalb des Stacheldrahts, andere innerhalb zwischen den Baracken. […] In der Nähe des Krematoriums sah man Spuren von hastig gefüllten Massengräbern. Hinter dem letzten Lagerabteil befand sich eine offene Grube, halb mit Leichen gefüllt […]*. In der Frauenbaracke waren Typhuskranke. […] Es gab keine Pritschen, die zum Teil nackten Kranken lagen auf dem Boden. Die meisten von ihnen waren zu schwach, um sich zu bewegen.`
Wie groß das Entsetzen war, zeigt die Entscheidung, der Befreiung des Lagers eine Sonderausstellung im prächtigen Kriegsmuseum in London zu widmen, ohne dass die Befreiung Teil der eigentlichen Kriegshandlungen war. So werden dort neben den großen Schlachten des Britischen Empire auch die Schrecken von Bergen-Belsen dargestellt.
Die Anfänge des Lagers stellten für Juden in Europa 1943 sogar einen Hoffnungsschimmer dar. Bergen-Belsen wurde zunächst als „Aufenthaltslager“ bezeichnet und einige glaubten, sie würden der Vernichtung entgehen und das Lager sei die Vorstufe auf ihrem Weg in die Freiheit.
Doch letztendlich wurden in diesem Konzentrationslager zehntausende Menschen ermordet, die meisten davon unsere jüdischen Brüder und Schwestern. Die verschiedenen Tötungsformen, die sich die Nazis ausdachten, waren eine weitere Verkörperung des menschlichen Bösen.
Aus zwei Gründen sind wir heute hier. Zunächst, um jenen Zehntausenden, die hier ermordet wurden, unseren Respekt zu erweisen. Ein großer Teil von ihnen liegt in der Erde unter uns begraben, anonym und ohne jede Spur. Wir sind aber auch hier, um die Welt an die Schrecken zu erinnern, die sich hier vor weniger als 70 Jahren ereignet haben. Heute gibt es mehr und mehr Menschen, die sich von den Ereignissen lossagen wollen oder sie leugnen. Und es werden immer weniger, die diese Schrecken überlebt haben und aus eigenem Erleben davon erzählen können.
Wir, Mitarbeiter aus dem Verteidigungs- und dem Außenministerium, sind heute hier, weil wir der wichtigen Mission verpflichtet sind, dass das, was sich hier ereignet hat, niemals vergessen wird und sich niemals wiederholen darf.“
* Übersetzung: Eberhard Kolb: Bergen-Belsen. Geschichte des „Aufenthaltslagers“ 1943-1945, Hannover 1962; S. 52
Peres: Kein Mensch ist einem anderen überlegen
Präsident Shimon Peres erklärte bei der zentralen Gedenkfeier zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte Yad va-Shem unter anderem: „Ich bin stolz, ein Erzfeind der Schlechtigkeit der Nazis zu sein. Ich bin stolz auf das Erbe unserer Väter, keiner Art von Rassismus Vorschub zu leisten. Ich bin stolz auf unseren Glauben, dass kein Mensch einem anderen überlegen ist. Es gibt keine überlegene Rasse, es gibt lediglich tiefe Wurzeln. Ich bin sicher, dazu werden wir unsere Kinder und Enkelkinder erziehen: So wie sie den Kaddish auf den Lippen tragen, tragen sie das ´Liebe deinen Nächsten wie dich selbst´ im Herzen. […]
Die Stärke unserer Nation liegt in seiner Geschichte und den Seelen ihrer Söhne. Wir waren ein Fragezeichen, jetzt sind wir ein starkes Land. Heute hat die Menschheit keine andere Chance. Wir müssen aus dem Holocaust lernen und existentiellen Bedrohungen stark gegenüber treten.“
Netanyahu: Noch immer lesen wir Aufrufe zum Judenmord in der Zeitung, nicht nur im Geschichtsbuch
Netanyahu sagte in seiner Ansprache: „An diesem Tag, wenn unsere ganze Nation sich versammelt, um der Schrecken der Shoah und der sechs Millionen Juden zu gedenken, die ermordet wurden, müssen wir unsere heiligste Verpflichtung erfüllen. Diese Verpflichtung ist nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Sie ist gleichzeitig auch eine Verpflichtung, die Lehren aus ihr zu ziehen und, noch wichtiger, sie auf die Gegenwart anzuwenden, um die Zukunft unseres Volkes zu gewährleisten. […]
Dies gilt besonders für diese Generation – eine Generation, die einmal mehr mit Rufen zur Auslöschung des jüdischen Staates konfrontiert ist.
Ich hoffe, dass der Staat Israel eines Tages mit allen Ländern und Völkern in unserer Region in Frieden leben wird. Eines Tages werden wir, so hoffe ich, über diese Aufrufe, die Juden zu vernichten, nur in den Geschichtsbüchern lesen und nicht in der Zeitung. Doch dieser Tag ist noch nicht gekommen.
Heute ruft das iranische Regime offen zu unserer Vernichtung auf und arbeitet entschieden daran, das wahr werden zu lassen.“
Weitere Informationen auf der Internetseite des Außenministeriums des Staates Israel unter www.mfa.gov.il.
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Aktuelle Veranstaltungen
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787
Kultur
Filmvorführung „Noga“
Beginn 19:00Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr
Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln
Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de




