Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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26. April 2018

Jom Haazmaut: Ein wahres Wunder

Auch die IKG feierte den 70. Geburtstag Israels mit einem großen Fest. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 26.4.2018. Die Geburtsstunde des Staates Israel zu feiern, hat für Juden überall auf der Welt eine ganz besondere Bedeutung. Wenn es dann, wie in diesem Jahr, auch noch ein »runder« Geburtstag ist, der 70., gilt das umso mehr. Das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am Jakobsplatz jedenfalls verwandelte sich am Jom Haazmaut vergangene Woche in eine einzige Party-Zone.

 Anat Rajber habe das Fest »eit Begeisterung und Leidenschaft« organisiert, sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. © Julian Wagner

Anat Rajber habe das Fest »eit Begeisterung und Leidenschaft« organisiert, sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. © Julian Wagner

 

Das Motto des festlichen Abends, der sich auf mehreren Ebenen abspielte, lautete »Israel 70 Celebrating Innovation« und wirkte wie ein Magnet. Viele Gemeindemitglieder wollten sich die Geburtstagsfeier nicht entgehen lassen, die IKG-Vorstandsmitglieder ebenso wenig, und auch nicht zahllose Vertreter und Repräsentanten der vielen Vereine, Organisationen und Initiativen, die sich in München für Israel und das deutsch-israelische Verhältnis engagieren.

KInder der Sinai-Schule sangen zum 70. Jahrestag Israels. © Julian Wagner

KInder der Sinai-Schule sangen zum 70. Jahrestag Israels. © Julian Wagner

 

Auch für Generalkonsulin Sandra Simovich stand die Teilnahme an der Feier außer Frage. Viel Lob, auch von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, heimste Anat Rajber für die Organisation und das Design des Abends ein, der über das ganze Gemeindezentrum auf mehrere Eventbereiche verteilt war: vom »La La Land« mit Strandatmosphäre über den legendären »Shuk Mahane Yehuda« mit dem Flair eines Straßencafés bis hin zum festlichen »Dine & Dance« mit der bekannten Band »Festival« aus Paris im großen Hubert-Burda-Saal.

Verbundenheit

»Mit Begeisterung und Leidenschaft«, wie IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch feststellte, habe Anat Rajber das Fest auf die Beine gestellt. Selbst die Kinder der Sinai-Schule waren eingebunden und gratulierten dem Staat Israel auf künstlerische Weise zum 70-jährigen Bestehen.

Charlotte Knobloch, die bei einem Blick auf die zahlreichen Gäste der Jom-Haazmaut-Party vor allem auch deshalb ganz besonders erfreut war, weil so viele junge Menschen darunter waren, betonte in ihrer kurzweiligen Begrüßungsrede die Unverbrüchlichkeit der jüdischen Weltgemeinschaft und dem Staat Israel. »Wir alle wissen und spüren es immer stärker«, sagte sie, »dass das eine nicht ohne das andere zu denken, nicht zu fühlen, nicht zu leben ist.«

Knobloch, die nach dem Ende des Nationalsozialismus als junge Frau Deutschland am liebsten hinter sich gelassen hätte und nach Israel ausgewandert wäre, aber bei ihrem Vater in München blieb, erinnerte daran, dass nicht »nur« die Gründung Israels gefeiert werden müsse. »Wir feiern auch den jüdischen Sieg über Jahrhunderte, Jahrtausende Verfolgung und Ermordung. Wir feiern das Wunder, das wahr wurde, den Traum, der Realität wurde. Und wenn wir das feiern, dann feiern wir die Menschen in Israel, und wir feiern uns. Wir bekennen uns zu unserer Solidarität, zu unserer Zugehörigkeit, zu unserer Religion, zu unseren Überzeugungen. Wir feiern die freie, starke, mutige, selbstbewusste, kämpferische jüdische Gemeinschaft in der ganzen Welt.«

Lacher

Die Partylaune der Gäste verlor die IKG-Präsidentin trotz tiefgehender Betrachtung nicht aus den Augen, verzichtete auf eine lange Rede – und nannte schmunzelnd auch die drei wichtigsten Regeln einer guten Rede: »Stell dich vorne hin, damit dich jeder gut sehen kann. Rede laut und deutlich, damit dich jeder verstehen kann. Und setz dich schnell wieder hin, damit dich jeder gut leiden kann.« Die Lacher hatte sie damit sofort auf ihrer Seite.

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Aktuelle Veranstaltungen


So. 27.01.2019 | 21. Schwat 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: „Schwarzer Honig. Leben und Werk von Abraham Sutzkever“

Beginn 17:00

„Black Honey. The Life and Poetry of Avraham Sutskever“

Dokumentarfilm
Regie: Uri Barbash
Drehbuch: Uri Barbash, Hadas Kalderon
Produzent: Yair Qedar
Kamera: Tulik Galon
Schnitt: Ori Derdikman

Musik: Alon Lothringer. Ton: Ami Arad
Israel 2018, 76 Min., hebr./engl./jidd. OV mit dt. Untertiteln

Abraham Sutzkever (1913–2010) zählt zu den bedeutendsten Jiddisch schreibenden Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Bei Wilna geboren, verbrachte er fünf Jahre seiner Kindheit in Sibirien, wohin die Eltern 1915 deportiert worden waren.

Seit den frühen 1930er Jahren gehörte er zum avantgardistischen jüdischen Autoren- und Künstlerkreis »Jung-Wilne«. Ab 1934 veröffentlichte er regelmäßig in Warschauer und Wilnaer

Abraham Sutzkever © Familienbesitz

Zeitschriften. 1937 erschien sein erster Gedichtband »Lider« (Lieder). Im Ghetto von Wilna schloss er sich einer Untergrundorganisation an und rettete Handschriften und Dokumente vor der Vernichtung durch die Deutschen. Dort musste er auch mitansehen, wie seine Mutter und sein Sohn ermordet wurden. Ihm gelang als einem von wenigen die Flucht aus dem Ghetto. Zunächst ging er nach Moskau, wo er bereits 1944 über die Vernichtung der Juden in seiner Heimat berichtete. In späteren Arbeiten dokumentierte er die Gräuel der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Nach dem Krieg war Sutzkever Zeuge im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, 1947 emigrierte er nach Israel, wo er die renommierte Literaturzeitschrift »Di goldene kejt« gründete.

Der Film des israelischen Regisseurs Uri Barbash porträtiert einen Menschen, dem die Poesie half das Erlebte zu überstehen und Zeugnis abzulegen. Sutzkevers Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt.

Einführung: Dr. Evita Wiecki, Jiddisch-Lektorin am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Schlusswort: Yair Qedar, preisgekrönter israelischer Filmproduzent

Eintritt: 5 Euro (Schüler, Studenten, Münchenpass-Inhaber frei)

Karten unter 089/20 24 00-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse

Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

 

Mo. 04.02.2019 | 29. Schwat 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: „116 Cameras“

Beginn 19:00

Dokumentarkurzfilm
Regie: Davina Pardo
Produzent: Davina Pardo
USA 2017, 15 Min., amerik. OF

Anschließend Podiumsgespräch

Wer erzählt die Geschichte von NS-Verfolgung und Holocaust, wenn keine Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mehr da sind? Ausgehend von dieser Frage hat das Shoah Foundation Institute for Visual History and Education an der University of Southern California in Los Angeles ein ehrgeiziges neues Projekt in Angriff genommen, um Überlebende als digitale 3D-Projektionen dazustellen, die mit zukünftigen Generationen interagieren werden.

Eva Schloss © USC Shoah Foundation

Der Kurzfilm »116 Cameras« folgt der Auschwitz-Überlebenden Eva Schloss, während sie an diesem einzigartigen Prozess teilnimmt und reflektiert, wie sich ihre Rolle als Zeitzeugin des Holocaust im Laufe der Zeit verändert hat. Die Mutter von Eva Schloss war ab 1953 übrigens in zweiter Ehe mit Anne Franks Vater verheiratet.

Zur Frage nach »digitalen Zeitzeugen« und damit zum Thema, wie sich das Erinnern verändern wird, wenn es die Stimmen lebender Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr geben wird, diskutieren:

Michaela Melián, Professorin an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, 2008 Gewinnerin des Kunstwettbewerbs der Stadt München »Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens«, mit dem Audiokunstprojekt »Memory Loops«;

Verena Lucia Nägel, Politologin, u.a. seit 2017 Betreuerin des Archivs »Fortunoff Video Archive for Holocaust  Testimonies« der Yale University an der Freien Universität Berlin;

Armand Presser, Sprecher für Rundfunk- und Filmbeiträge, Berater für das BR-Projekt »Die Quellen sprechen«

und

Dr. Jörg Skriebeleit, seit 1999 Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Moderation: Prof. Dr. Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München

Eintritt  frei

Veranstalter: NS-Dokumentationszentrum München in Kooperation mit dem Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Öberbayern

Veranstaltungsort: NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, 80333 München

So. 10.02.2019 | 5. Adar I 5779

Kulturzentrum

Jüdische Filmtage: Vortrag „Die Situation ist neu und reizvoll“ – Thomas Mann im Tonfilm (1929)

Beginn 17:00

Vortrag mit Filmbeispielen von Dr. Dirk Heißerer

Thomas Mann im Aufnahmestudio, Berlin 1929 © Presse-Foto GmbH

Als einer der ersten Schriftsteller überhaupt trat Thomas Mann (1875–1955) im Januar 1929 in einem Tonfilm mit dem Titel »Worte zum Gedächtnis Lessings« auf. Er thematisierte darin die Möglichkeiten des neuen Mediums und verband den antiken Mythos mit der modernen Technik.

Thomas Mann war zeitlebens ein eifriger Kinogänger, verfasste selbst Drehbücher und sah Verfilmungen seiner Romane »Buddenbrooks« (1923) und »Königliche Hoheit« (1953). Im Exil unterstützte er die Zürcher Filmagentur  von Julius Marx und Bernhard Diebold, die mit Hollywood über Verfilmungen nach Stoffen von Emigranten verhandelte. Sein ehrgeizigstes Filmprojekt, die Verfilmung der Tetralogie »Joseph und seine Brüder«, kam zwar, anders als vergleichbare Historienfilme, wie »Land of The Pharaohs« (1955) oder »The Ten Commandments« (1956), nicht zustande. Doch anhand von Illustrationen zur »Joseph«-Legende und mit Blick auf die Moses-Novelle »Das Gesetz« (1944) kann man erahnen, wie der Film hätte aussehen können.

Der Vortrag korrespondiert mit dem gleichnamigen Aufsatz in der Zeitschrift. JUNI-Magazin für Literatur und Kultur (Bielefeld, Aisthesis Verlag), H. 55/56, Januar 2019.

 Der Tonfilm vom 22. Januar 1929 wurde von der Tobis-Industrie GmbH in Berlin aufgenommen. Dauer: 3:52, archiviert im Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin (Signatur: BArch 20520).

Dr. Dirk Heißerer ist Literaturwissenschaftler in München, Veranstalter literarischer Spaziergänge und Exkursionen (www.lit-spaz.de) sowie Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München (www.tmfm.de).

Eintritt 5 Euro (Schüler, Studenten, Münchenpass-Inhaber Eintritt frei)

Karten unter Telefon (089)202400-491, per E-Mail an karten@ikg-m.de und an der Abendkasse

Veranstalter: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern & Thomas-Mann-Forum München

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

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