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9. Juni 2016
Israeltag in München: Weiß-blaues Fest
Hunderte feierten auf dem Odeonsplatz den Israeltag 2016 anlässlich des 68. Geburtstages des Jüdischen Staates. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 09.06.2016. Auf das triste Grau des Himmels über der bayerischen Landeshauptstadt hatte die Organisatorin des Israeltages, Anat Rajber, keinen Einfluss. Trotzdem verwandelte sie den Münchner Odeonsplatz am 2. Juni wieder in ein weiß-blaues Festivalgelände.
Die Schirmherrschaft über die Geburtstagsparty für den jüdischen Staat, die auf Initiative des Vereins »ILI – I like Israel« bundesweit in vielen Städten gefeiert wird, hatten Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch übernommen.

Charlotte Knobloch mit den „Riedinger Trachtenkinder“. © Marina Maisel
Welchen Stellenwert Israel auf der einen Seite und die in München und Bayern lebenden Juden auf der anderen Seite haben, wurde durch die Anwesenheit von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) deutlich, der sich auch von Sprühregen nicht abschrecken ließ, am Odeonsplatz vorbeizuschauen.
In seinem Grußwort freute sich der Politiker darüber, dass das neue Generalkonsulat des Staates Israel in München beheimatet ist. Das sei eine Ehre, aber auch eine Verpflichtung. »Wir alle stehen gemeinsam in der Verantwortung«, sprach er die unverbrüchlichen deutsch-israelischen Beziehungen an, die für ihn nicht verhandelbar sind. Umso mehr freue er sich über die Vielfältigkeit, die der Staat Israel entwickelt habe und die sich am Israeltag auch am Odeonsplatz niederschlage.
Ein fest, so vielfältig wie Israel selbst
Koscheres Essen und Wein, Information und Diskussion, Musik und Tanz: So vielfältig war auch das Fest in der Münchner Altstadt. Bei aller Unbeschwertheit, die eine Geburtstagsfeier in der Regel mit sich bringt, schwingt beim Israeltag auch immer ein Stück Nachdenklichkeit mit. Das ist in der ehemaligen »Hauptstadt der Bewegung«, in der der Odeonsplatz von den Nazis für Aufmärsche benutzt wurde, unvermeidbar. Kultusminister Ludwig Spaenle sprach in seiner Rede von einem »Platz mit geschichtlicher Verantwortung«.
Den nicht zu trennenden Zusammenhang zwischen unverdaulicher deutscher Geschichte und Anlass zur Freude über das gelungene und langsam in die Jahre gekommene »Projekt Israel« griff auch IKG-Vorstandsmitglied und Stadtrat Marian Offman auf, der als Vertreter des Oberbürgermeisters auf der Bühne den offiziellen Startschuss zum Israeltag gab.
Projekte der Freund- und Partnerschaft
Offman erinnerte daran, dass 200.000 Juden aus vielen Teilen Europas nach dem Ende des Nazi-Terrors über die großen Lager in München und der Region nach Israel auswanderten und den neuen Staat mit aufgebaut haben. München habe etwas mit der Gründung des Staates Israel zu tun, schloss Offman. Die Stadt München, betonte der CSU-Politiker, sei sich ihrer besonderen Verantwortung im deutsch-israelisch-jüdischen Verhältnis bewusst.
Dafür stünden drei markante Projekte, die in jüngster Zeit verwirklicht worden seien: das Generalkonsulat, das NS-
Dokumentationszentrum und das Gemeindezentrum der IKG am Jakobsplatz in der Innenstadt. Welchen Besonderheiten die deutsch-israelischen Beziehungen unterliegen, darauf machte Schirmherrin Charlotte Knobloch bei ihrem Dank an die Initiatoren, Organisatoren, Helfer, Gäste und Freunde deutlich. Sie hätten mit der Feier zum Israeltag zusammen ein »kleines Stück Israel und ein großes und wertvolles Stück Freude und Freundschaft« geschaffen. Das gelte auch für die grundsätzlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. »Darum geht es: Freundschaft, Verbundenheit, Gemeinsamkeit.
Deutschland und Israel sind auf besondere Weise verflochten. Nicht wegen unserer Geschichte, sondern wegen unserer Gegenwart, den gemeinsamen Werten, den gemeinsamen Träumen und dem Wunsch nach einer pluralistischen freudvollen Welt«, sagte Charlotte Knobloch.
Sie betonte: »Israel ist ein Hort der Energie. Ein Kraftquell, ein Schmelztiegel positiven Spirits. Ein Jungbrunnen. Wo sonst sprudeln mehr Inspiration und Visionen als in der Start-up-Nation Israel, dem vielleicht innovativsten Land der Welt? Ein junger, kleiner Staat, dessen Menschen weltweit Maßstäbe in IT, Technologie, Medizin, Wissenschaft, Wirtschaft, Architektur, Literatur, Kunst und Kultur setzen.«
Realpolitik, Rücksicht und Verantwortung
Zur Wirklichkeit der in vielen nationalen und internationalen Gremien tätigen IKG-Präsidentin gehört allerdings auch, dass die Realpolitik in Bezug auf Israel mit der eigentlichen Realität nichts zu tun hat. Ihre Kritik, die sie anlässlich des Israeltags äußerte, beinhaltete auch den Umgang der westlichen Politik mit Israel-Hassern wie den Machthabern im Iran oder Saudi-Arabien. Charlotte Knobloch sagte: »Das sind Staaten, die Israel das Existenzrecht absprechen und das Land auslöschen wollen, Menschenrechte missachten und freie Religionsausübung unterdrücken, aber an den Verhandlungstisch zurückgeholt werden.«
Die »Riedinger Trachtenkinder«, die schon zum festen Bestandteil des Israeltags geworden sind und mit ihrem Auftritt verdientermaßen großen Applaus bekamen, sind ein besonders originelles Beispiel für gelebte bayerisch-jüdische Gemeinsamkeit.
Mit Blick auf die Pegida-Auftritte, die gerichtlich erzwungenen AfD-Events mit Neonazi-Beteiligung im Münchner »Hofbräukeller«, den antisemitischen BDS-Agitato- ren, sagte Charlotte Knobloch: »Hass, Verachtung, Nationalismus und Antisemitismus sind wieder salonfähig.« Aber »wir kämpfen und wir beten für Frieden in Israel und für unseren Sieg über Hass und Hetze«.
Naher Osten Alle Redner, die bei der Feier auf der Bühne das Wort ergriffen, kamen an der Krisenlage im Nahen Osten und dem hohen Gefährdungspotenzial, dem sich Israel ausgesetzt sieht, nicht vorbei. Der Vize-Generalkonsul Yehonatan Glick, der ILI-Vorsitzende Sacha Stawski, der Unternehmer Yehoshua Chmiel, Buchautor Christian Seebauer, der Journalist Andreas Wittenzellner und Thomas Münz, Präsident der Zionistischen Organisation München, waren sich aber auch darin einig, dass Israel genügend Gründe habe, um Stolz auf die Geschichte des vergleichsweise jungen Staates zu sein.
Die Vielfalt der jüdisch-israelischen Kultur bewies auch das unterhaltsame Rahmenprogramm. Für die richtige Stimmung sorgten zudem das Klezmer-Trio Mame-Loshn, die IKG-Chöre »Simcha« und »Druschba-Chaverut«, der Solist Yored Sorek, Nikola David, der Kantor von Beth Shalom, DJ Yaniv Tal und Sharon Brauner & Karsten Troyke.
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Di. 09.06.2026 | 24. Siwan 5786
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„Vier Tage im Juni. Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul“ mit Mona Yahia
Beginn 19:00Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. Juni 2026, 19 Uhr
In ihrem Roman »Vier Tage. Eine nahöstliche Tetralogie« erzählt Mona Yahia die Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Mossul, Tel Aviv, Babel und Istanbul. Ausgehend von einem Wendepunkt im Jahr 1918 entfaltet sich über vier Generationen hinweg ein vielschichtiges Panorama von Aufbruch, Verlust und Exil. In eindringlichen Momentaufnahmen – jeweils verdichtet auf einen einzigen Tag – verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und stellt die Frage nach Zugehörigkeit, Erinnerung und dem eigenen Platz in der Welt. Weiterlesen »
Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786
Kultur
Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“
Beginn 19:00Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr
Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.
Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »
Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786
Kultur
Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“
Beginn 18:15Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr
Vortrag in jiddischer Sprache
- Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
- Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
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