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10. Mai 2018
Gedenken und Freude am „Tag des Sieges“: „Tapfer, stark und mutig“
Bei den Gedenkveranstaltungen zum Tag des Sieges der Roten Armee mischten sich Freude und Trauer. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 17.05.2018. Vor acht Jahren fand die Gedenkfeier für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten vor dem Denkmal auf dem Neuen Israelitischen Friedhof zum ersten Mal statt. Inzwischen ist die Feier am Jahrestag des Kriegsendes fester Programmpunkt im Jahreszyklus der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern geworden, genauso wie die damit einhergehende Veteranenfeier im Gemeindezentrum der IKG am Jakobsplatz.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch würdigt die im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten. © Marina Maisel
Allein 500.000 jüdische Soldaten, von denen fast die Hälfte ihr Leben dabei verlor, kämpften im Zweiten Weltkrieg in der Roten Armee gegen die Nazis. Mehr als 70 Jahre später haben etliche dieser Helden mit ihren Familien im einstigen »Land der Täter« eine neue Heimat gefunden, auch in München. Sie kamen in den 90er-Jahren als »Kontingentflüchtlinge« hier an – und sind längst zu einem festen Bestandteil der jüdischen Gemeinde geworden.
Soldaten
Bei der Gedenkfeier auf dem Friedhof legte IKG-Vizepräsident Ariel Kligman zusammen mit Präsidentin Charlotte Knobloch einen Kranz zu Ehren der gefallenen Soldaten nieder. Auch Kligman kam aus der ehemaligen Sowjetunion nach München und ist ein Beispiel für die gelungene Integration der Kontingentflüchtlinge. Als Integrationsbeauftragter der IKG war er zusammen mit der gesamten Sozialabteilung in diese Aufgabe fest eingebunden.
Der Gedenkakt auf dem Neuen Israelitischen Friedhof findet auch auf politischer Seite Anerkennung. Das zeigte sich dieses Jahr zum Beispiel an der Anwesenheit der diplomatischen Vertreter: Es nahmen der Generalkonsul der Russischen Föderation, Sergey Ganzha, sein Amtskollege der Republik Belarus, Andrei Kulazhanka, sowie der Generalkonsul der Ukraine, Yuriy Yarmilko, teil.
Es waren gemischte Gefühle, die das Gedenken auf dem Friedhof und die Veteranenfeier begleiteten. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch brachte dies in ihrer Rede mit wenigen Worten auf den Punkt. »Der Große Vaterländische Krieg«, sagte sie, »ist und bleibt eine tiefe Wunde. Auch wenn der Krieg aufhörte, seine Schrecken, die sich in die Seelen eingebrannt haben: Der Schmerz und die Trauer enden nie. Und dennoch: Neben der Trauer und dem Schmerz der Erinnerung steht die Freude über den Sieg.«
Zusammenhalt
Bei der Veteranenfeier überwog die Freude, ganz frei von Nachdenklichkeit war aber auch sie nicht. Der 9. Mai, so Charlotte Knobloch in ihrer Begrüßungsrede, dokumentiere auch den Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft, die ihr Überleben überhaupt möglich gemacht habe.
An die Veteranen gewandt, sagte sie: »Es darf nie vergessen werden, was Sie erleiden mussten, welche Tapferkeit, Stärke und welchen Mut Sie bewiesen haben, was Sie geleistet haben – für Ihre Heimat, für Europa, für uns. Sie haben mit Ihrem Sieg ermöglicht, dass wir heute in einem befreiten Europa, in einem demokratischen Deutschland leben können.« Diese Errungenschaft wurde auf dem Veteranentreffen nach dem offiziellen Teil ausgiebig gefeiert.
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Aktuelle Veranstaltungen
So. 06.09.2026 | 24. Elul 5786
Kultur
»Nicht«. Ein Abend mit Dror Mishani
Beginn 17:00 Uhr:Buchpräsentation und Gespräch zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur
Moderation: Richard C. Schneider (Journalist und Sachbuchautor)
Lesung: Robert Dölle (Residenztheater)
Sprachen: Englisch & Deutsch (mit einer Lesekostprobe auf Hebräisch)
Ursprünglich erwartete das IKG-Kulturzentrum den Schriftsteller Dror Mishani bereits im Juni 2025 zur Vorstellung von »Fenster ohne Aussicht. Tagebuch aus Tel Aviv«, entstanden nach dem 7. Oktober 2023. Der am 13. Juni 2025 ausgebrochene israelisch-iranische Zwölftagekrieg machte diese Einladung zunichte.
Inzwischen hat Dror Mishani einen neuen Roman vollendet mit dem Titel »Nicht«. Es geht darin um Liebe: die zwischen Mann und Frau, Lebende und Erinnerte, Künstlerin und Musik, Mensch und Tier. Kann eine Lüge eine Liebe retten? Oder gewinnt das Zerstörerische darin die Oberhand? Dror Mishani ist ein Meister der Charakterstudie und weit mehr als ein Krimiautor. Er sagt: »Ich habe angefangen, Kriminalromane zu schreiben, um die Wahrheit menschlicher Gewalt zu dokumentieren und den Versuch zu unternehmen, sie zu verstehen«.
So. 06.09.2026 | 24. Elul 5786
Kultur
Einladung zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur 2026 unter dem Motto »Liebe«
Beginn 10:00 Uhr:»An der frischen Luft«
10:00 Uhr
Rundgang am Alten Israelitischen Friedhof
an der Thalkirchner Straße mit Ellen Presser
bereits ausgebucht
Voranmeldung für weitere Führung am
So, 25. Oktober (mit Rückbestätigung) per
E-Mail unter karten@ikg-m.de (Stichwort: Ende Sommerzeit)
»Auf jüdischen Spuren durch die Münchner Altstadt«
mit Chaim Frank
11:00 Uhr
Begrenzte Teilnehmerzahl. Beitrag 10 Euro.
Voranmeldung unter karten@ikg-m.de (Stichwort: Stadtführung)
4.09. – Treffpunkt wird mit Rückbestätigung mitgeteilt.
»Die Synagoge Ohel Jakob« (Zelt Jakobs)
von vielen Seiten«
Referentin: Dinah Zenker
Vortrag mit Besichtigung, Einlass am Synagogenportal,
ohne Voranmeldung
13:00 Uhr (Einlass ab 12:30 Uhr)
15:00 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr)
Beitrag 5 Euro.
Bücher- und CD-Flohmarkt
12:00 – 17:00 Uhr
»Liebe geht auch durch den Magen«
Jüdische koschere Spezialitäten
im Restaurant Einstein
12:00 – 21:00 Uhr
Tischreservierung unter www.einstein-restaurant.de
Informationen unter (089) 202 400 491
www.ikg-m.de/kulturzentrum/aktuell/
Organisation: Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787
Kultur
»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer
Beginn 19:00 Uhr:Moderation: Ellen Presser
Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
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