Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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23. April 2017

»Es war ein Mammutprojekt«

Das IKG-Gemeindezentrum am Jakobsplatz feiert sein zehnjähriges Bestehen. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 23.03.2017. Das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern kann zehnjähriges Bestehen feiern – und eine Erfolgsgeschichte, die alle Erwartungen übertrifft.

Der religiöse und kulturelle Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde mit ihren fast 10.000 Mitgliedern ist längst zu einem zentralen Ort des gesellschaftlichen Lebens in der Landeshauptstadt geworden – über viele Grenzen hinweg.

Jede Menge Leben: der Jakobsplatz in München mit Synagoge, Gemeindezentrum und Jüdischem Museum. © Marina Maisel

Jede Menge Leben: der Jakobsplatz in München mit Synagoge, Gemeindezentrum und Jüdischem Museum. © Marina Maisel

 

Der feinsinnige Max Mannheimer sel. A. hat für das Gemeindezentrum am Jakobsplatz den Begriff »Charlottenburg« geprägt, der ein bisschen ironisch klingen mag, aber selbst von der Präsidentin mit Amusement zur Kenntnis genommen wurde. Allein ihr Werk war die sichtbare Rückkehr der Gemeinde ins Herz Münchens nicht, aber alle wissen, dass Charlotte Knobloch die unermüdlich antreibende Kraft hinter den Kulissen war. Ministerpräsident Horst Seehofer hat bei einem seiner Besuche einmal schmunzelnd zu verstehen gegeben, wie hartnäckig und zielgerichtet die Frau an der Spitze der IKG verhandeln kann, wenn es um die Interessen der jüdischen Gemeinde geht.

Prominenz

»Ich denke, dass das Gemeindezentrum nicht nur ein sichtbares Zeichen jüdischen Lebens in Bayern darstellt, sondern eine Bereicherung für ganz München wurde«, zieht Charlotte Knobloch eine Bilanz der zehn vergangenen Jahre. Ihre Zufriedenheit und Freude über das »Mammutprojekt Gemeindezentrum«, das bis zur Verwirklichung jahrelanger Vorbereitung und Planung bedurfte und jedes Jahr Tausende Gäste anzieht, ist ihr deutlich anzumerken. »Unsere Erwartungen«, strahlt sie, »wurden weit übertroffen.«

Als Parameter für Akzeptanz und Bedeutung des Hotspots am Jakobsplatz könnten die Namen der Persönlichkeiten herangezogen werden, die bereits zu Gast im Gemeindezentrum waren. Die endlose Namensliste der prominenten Besucher, die die Schwelle des Hauses überschritten, an Veranstaltungen teilnahmen, sich im Restaurant »Einstein« koschere Köstlichkeiten servieren ließen, oder mit der Präsidentin einen Meinungsaustausch betrieben, liest sich wie das Who’s Who der Prominenz.

Angela Merkel, Horst Seehofer und OB Dieter Reiter bei einem Empfang des IKG-Vorstands. © Marina Maisel

Angela Merkel, Horst Seehofer und OB Dieter Reiter bei einem Empfang des IKG-Vorstands. © Marina Maisel

 

Die engen Beziehungen zur Politik, die Charlotte Knobloch während der mehr als drei Jahrzehnte ihrer Präsidentschaft aufgebaut hat, gehen in einigen Fällen über ein »Arbeitsverhältnis« weit hinaus. Der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude ist ein Beispiel dafür. Er gehört auch zu den Persönlichkeiten, die mit der Ohel-Jakob-Medaille in Gold, der höchsten Ehrung der IKG, ausgezeichnet wurden.

Ehrung

Die Medaille, die Ende letzten Jahres anlässlich des zehnjährigen Bestehens der neuen Hauptsynagoge an Bundeskanzlerin Angela Merkel verliehen wurde, erhielten auch schon Ministerpräsident Horst Seehofer und Münchens Polit-Urgestein Hans-Jochen Vogel, der mit der jüdischen Gemeinde auch durch das Olympiaattentat eng zusammengewachsen ist. Bis kurz vor den Spielen 1972 in München, als palästinensische Terroristen in das Olympische Dorf eindrangen, israelische Sportler als Geiseln nahmen und die ganze Welt in Schockzustände versetzten, war Vogel Oberbürgermeister Münchens gewesen.

Enge Vertraute: Günther Beckstein, Charlotte Knobloch und Hubert Burda (v.l.) © Marina Maisel

Enge Vertraute: Günther Beckstein, Charlotte Knobloch und Hubert Burda (v.l.) © Marina Maisel

 

Mit dem jeweils amtierenden Oberbürgermeister unterhält die IKG traditionell eine ausgesprochen enges und vertrauensvolles Verhältnis. Auch Dieter Reiter, der die Geschicke der Stadt erst seit gut zwei Jahren leitet, reiht sich nahtlos ein. »Er hat für unsere Anliegen stets ein offenes Ohr«, freut sich Charlotte Knobloch.

Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, gehört er zu den regelmäßigen Besuchern des Gemeindezentrums, das für ihn längst zu einem unverzichtbaren Teil Münchens geworden ist und das auch die Vielfalt des jüdischen Lebens widerspiegelt.

Quantensprung

Nicht unerheblich daran beteiligt ist die Kulturabteilung der IKG, die mit dem Gemeindezentrum in ganz andere Programmdimensionen vorstoßen konnte. »Die Rahmenbedingungen, die sich mir vorher geboten haben, sind mit denen im Gemeindezentrum nicht zu vergleichen«, beschreibt Ellen Presser, die Leiterin der Kulturabteilung, den »Quantensprung«, der durch den Umzug an den Jakobsplatz erfolgte.

Die Jüdischen Filmtage und die Jüdischen Kulturtage der IKG, die unter Pressers Regie seitdem stattfinden, haben im Veranstaltungskalender der Stadt München einen festen Platz gefunden, machen aber nur einen Teil des ganzjährigen kulturellen IKG-Angebots aus. Vorträge und Diskussionen zu aktuellen und historischen Ereignissen wechseln sich ab mit Buchvorstellungen, Konzerten, Filmen, Kunstaktionen, Bürgerfesten, Ausstellungen und vielen anderen Formaten. Die Vielfalt des jüdischen Lebens ist auch für Ellen Presser ein verbindlicher Maßstab, wenn sie zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen das Programm ausarbeitet und organisiert.

Gute Freundinnen: Iris Berben (l.) und Charlotte Knobloch. © Marina Maisel

Gute Freundinnen: Iris Berben (l.) und Charlotte Knobloch. © Marina Maisel

 

Filmstars oder hohe Vertreter der Politik mögen willkommene Gäste sein, den »Pulsschlag« des Gemeindezentrums bestimmt jedoch die alltägliche Arbeit, die ein breites Spektrum erfasst. Die Kinder spielen dabei eine besondere Rolle. »Sie sind unsere Zukunft«, stellt Charlotte Knobloch kurz und bündig fest. Mit Genugtuung konstatiert sie deshalb, dass das Bildungsangebot der IKG mit der Eröffnung des Jüdischen Gymnasiums zu Beginn des Schuljahres ein neues Level erreicht hat. »Das ist ein weiterer großer Schritt für uns«, freut sich die Präsidentin über den Einzug des Gymnasiums in das Gemeindezentrum. Mit Kinderkrippe, Kindergarten, Sinai-Grundschule und jetzt auch dem Gymnasium verfügt die IKG zehn Jahre nach dem Einzug in das Gemeindezentrum über ein erzieherisches Rundumangebot auf hohem Niveau.

Bedeutung

Die Prämisse, ein Höchstmaß an Unterstützung zu bieten, gilt bei der IKG nicht nur für die Kinder. Diesen Maßstab legt auch die Sozialabteilung an, die ebenfalls im Gemeindezentrum untergebracht ist und aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Vom Jakobsplatz aus werden unzählige soziale Projekte angeschoben, hier laufen die Drähte zusammen.

Die Entwicklung des Gemeindezentrums zu einem pulsierenden Hotspot der Stadt innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat Charlotte Knobloch in diesem Ausmaß nicht erwartet, umso überzeugter ist sie jetzt: »Das Gemeindezentrum war das Beste, was wir tun konnten.«

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Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 07.10.2026 | 26. Tischri 5787

Kultur

»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner

Beginn 19:00

Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr

Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann

Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.

In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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