Kultur
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4. November 2013
Verleihung des Schillerpreises der Stadt Marbach am Neckar 2013 an Rachel Salamander
Am Sonntag, 10. November 2013, dem 254. Geburtstag Friedrich Schillers, wird der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar 2013 an Rachel Salamander verliehen. Die Preisträgerin wird für ihr entscheidendes Mitwirken am Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geehrt. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird in einem öffentlichen Festakt in der Stadthalle Schillerhöhe um 20 Uhr von Bürgermeister Jan Trost überreicht. Die Laudatio hält Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Das Preisgericht, das die Entscheidung Ende 2012 traf, sprach Rachel Salamander Zivilcourage zu. Sie habe es sich seit Anfang der 80-er Jahre zur Lebensaufgabe gemacht, mit ihrer publizistischen Arbeit und dem Aufbau ihrer Buchhandlungen das Interesse und die Neugierde für das Judentum und die Literatur zum Judentum zu wecken und gleichzeitig den Zugang zur deutsch-jüdischen Kultur vor dem Holocaust zu erschließen. Damit habe sie im Sinne des Schillerschen Freiheitsgedanken, der zentrales Kriterium für die Preisvergabe ist, die Fähigkeit gezeigt, bewusst Grenzen und Gräben zu überwinden. Mit der Verleihung des Schillerpreises wolle man ein Zeichen der Anerkennung für die Arbeit von Rachel Salamander setzen.
Zur Person
Rachel Salamander wurde 1949 im DP-Lager Deggendorf (Lager nach 1945 in Deutschland, Österreich und Italien für Displaced Persons, Überlebende der Konzentrationslager, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) geboren. Ihre Eltern entstammten dem osteuropäischen Judentum und überlebten den Holocaust in der Sowjetunion. Nach dem Umzug der Familie nach München 1956 besuchte Rachel Salamander dort die Schule, studierte anschließend Germanistik, Romanistik und Philosophie. Als erste jüdische Frau nach dem Zweiten Weltkrieg promovierte sie an einer deutschen Universität im Fach Germanistik.
Die „Literaturhandlung“, ein intellektuelles Zentrum
Die deutsch-jüdische, aber auch die jiddische Literatur beschäftigte sie genauso wie die jüdische Geschichte. 1982 gründete sie die „Literaturhandlung“ in München, eine auf Literatur zum Judentum spezialisierte Fachbuchhandlung. Mit über 1.000 Veranstaltungen und Lesungen schuf sie ein intellektuelles Zentrum, in dem sich Juden und Nichtjuden selbstverständlich mit jüdischen Themen auseinandersetzen. Es folgten 1991 eine Filiale in Berlin und weitere Literaturhandlungen in Deutschland. Von 2001 an war Rachel Salamander Herausgeberin der „Literarischen Welt“, der Samstagsbeilage der Zeitung „Die Welt“. Seit Oktober 2013 leitet sie das neu gegründete „FAZ-Literaturforum“, berät die Literaturredaktion und hat den Juryvorsitz im ebenfalls neu gegründeten „Marcel-Reich-Ranicki-Preis für literarische Kritik und Essay“ übernommen.
Rachel Salamander wurde 1986 mit dem Ernst-Hoferichter-Preis, 1999 mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München, 2004 mit dem Bayerischen Verdienstorden und 2009 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Publikationen: „Die jüdische Welt von gestern“, Wien 1990; zusammen mit J. Giere: „Ein Leben aufs Neu“, Wien 1995; „Hier suchen wir das fürchterlichste Verbrechen…“. Vom deutschen Widerstand und der Judenverfolgung“, München 2000; „Hans Jonas. Erinnerungen. Nach Gesprächen mit Rachel Salamander“, Frankfurt 2003.
Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar
Der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar wurde erstmals zum 200. Geburtstag Friedrich Schillers im Jahr 1959 verliehen. Bis zum Jahr 2007 wurde mit ihm alle zwei Jahre eine hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Landeskunde von Württemberg ausgezeichnet.
Anlässlich des Schillerjahres 2009 veränderte der Gemeinderat die Verlei-hungskriterien. Der Preis geht seither an Persönlichkeiten, die in ihrem Leben oder Wirken der Denktradition Friedrich Schillers verpflichtet sind. Besonders preiswürdig ist der Einsatz für einen ethisch verantwortbaren Freiheitsbegriff im Sinne des Dichters, sei es in der Politik, der Kunst, den Geistes- und Sozialwis-senschaften oder den Naturwissenschaften.
2009 wurde erstmals nach den neuen Kriterien der Molekularbiologe und DDR-Bürgerrechtler Jens Reich ausgezeichnet, dem 2011 die französische Politikerin Simone Veil für ihre Verdienste um Europa folgte.
Nach 1985 mit Dorothea Kuhn, 1993 mit Renate Neumüllers-Klauser, 1997 mit Ulrike Gauß (zusammen mit Christian von Holst) und 2011 mit Simone Veil erhält Rachel Salamander als fünfte Frau den Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar.
Mitglieder des Preisgerichts
Das Preisgericht besteht aus einem Kollegium von sieben Mitgliedern. Es setzt sich zusammen aus dem Direktor der Deutschen Schillergesellschaft, dem Landeshistoriker der Universität Tübingen, einem Vertreter der Philosophie, einem Vertreter der Theaterwissenschaften, einem Vertreter der Medizin und der Naturwissenschaften, einem Vertreter der Stiftung Weimarer Klassik und dem Bürgermeister der Stadt Marbach am Neckar als Vorsitzendem.
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Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
