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12. April 2018
David Dushman: Einfach Außergewöhnlich
Zum 95. Geburtstag des Fechters, Veteranen und Auschwitz-Befreiers. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 12.4.2018. In einem Alter, in dem die meisten Menschen einen ruhigen Lebensabend verbringen, startete David Dushman noch einmal richtig durch. 22 Jahre ist es her, als München für ihn und seine inzwischen verstorbene Frau Zoja zur neuen Heimat wurde. Am 1. April hat Dushman nun seinen 95. Geburtstag gefeiert.

David Dushman mit IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. © Marina Maisel
Bei der Geburtstagsfeier, die die Kultusgemeinde ihm zu Ehren ausgerichtet hatte, fiel das Wort »außergewöhnlich« besonders oft. Auch IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch verwendete es in ihrer sehr persönlich gehaltenen Rede mehrfach. Unter anderem sagte sie mit Blick auf das »Geburtstagskind«: »Sie sind eine außergewöhnliche Persönlichkeit, der in unserer Kultusgemeinde viel Zuneigung und große Wertschätzung entgegengebracht wird.«
Zu erkennen war die Wertschätzung des Jubilars zum Beispiel daran, dass neben der Präsidentin auch Vize-Präsident Ariel Kligman, IKG-Vorstandsmitglied Abi Pitum sowie weitere Vorstandsmitglieder zu der Feier gekommen waren. Die engen Verbindungen zur jüdischen Gemeinde und insbesondere zu Ariel Kligman, der als Integrationsbeauftragter der IKG mithalf, den Zustrom der sogenannten Kontingentflüchtlinge aus Russland in geordnete Bahnen zu lenken, lieferten für David Dushman die Basis für sein Leben in München. Er selbst engagiert sich im Vorstand des Veteranenvereins.
Schmerzen
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sprach in ihrem Geburtstagsgruß die zwei völlig konträren Ebenen im Leben von David Dushman an. »Was Sie an physischen und seelischen Schmerzen erleiden mussten, aber auch, was Sie an Großartigem geleistet haben, und welche außergewöhnlichen Erfolge Sie feiern konnten – das reicht für drei Leben.« Es dürfte keinen geben, der das anders sieht. Die Biografie des aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Juden ist Zeitgeschichte pur, Stoff für Geschichtsbücher.
Einmal im Jahr, am 9. Mai, dem »Tag der Befreiung«, streift sich David Dushman für das Veteranentreffen ein Jackett über, das einen Hinweis auf seinen beeindruckenden Lebensweg liefert, zumindest auf einen Teil davon. Mehr als 40 Orden, nahezu alles an Auszeichnungen, was die Sowjetunion zu bieten hatte, überfluten die Vorderseite seines Jacketts. Auf eine nur selten vergebene Tapferkeitsmedaille ist er besonders stolz. Dabei grenzt es an ein Wunder, dass er den Krieg überhaupt überlebt hat. Schwer verletzt und dem Tod nahe war er mehrfach.
David Dushman hat als Fahrer eines T-34-Panzers unzählige Gefechte bestritten und an den Schlachten in Stalingrad und Kursk teilgenommen. Zu einer Person der Zeitgeschichte wurde er aber durch das bloße Niederwalzen eines elektrisch geladenen Zauns. Er war es, der mit seinem Panzer das Konzentrationslager von Auschwitz im Januar 1945 befreite – es war der Anfang vom Ende des Massenmords. Heute, 73 Jahre später, ist David Dushman der letzte lebende Befreier von Auschwitz. Einen Orden dafür gab es nicht.
Stalin
Als der Soldat der Roten Armee mit seinem Panzer die Umzäunung plattwalzte, sah er halb und ganz verhungerte Menschen, Leichenberge, Hoffnungslosigkeit, unsägliches Leid. Was Auschwitz tatsächlich war, wusste er damals nicht. »Das habe ich erst nach dem Krieg erfahren«, sagt Dushman.
Ausgrenzung, Diffamierung, den gesellschaftlichen Absturz ins Bodenlose dagegen erlebte er bereits als Jugendlicher.
Sein Vater, ein Militärarzt im Generalsrang, Leiter des medizinischen Dienstes der Zentralsporthochschule in Moskau, fiel 1938 der stalinistischen Säuberungswelle zum Opfer und wurde in ein gefürchtetes Lager nördlich des Polarkreises gebracht. Er starb dort nach zehn Jahren, völlig ausgemergelt und entkräftet. Bei David Dushman löst das Schicksal seines Vaters bis heute tiefe Emotionen aus.
Seine Mitwirkung bei der Befreiung von Auschwitz taucht in seinen Fotoalben zwangsläufig nicht auf. Wer wäre in diesem Moment auch auf die Idee gekommen, eine Kamera in die Hand zu nehmen? Natürlich sind in den Alben viele Fotos seiner Eltern, von den Kindern, den Enkeln und ihren Familien zu finden – und von ihm selbst. Eines ist noch gar nicht so alt und zeigt ihn zusammen mit keinem Geringeren als Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Eine zufällige Begegnung? Davon kann keine Rede sein. Beide kennen sich seit vielen Jahren. Sport, speziell das Fechten, ist der gemeinsame Nenner. Der IOC-Präsident aus Mainfranken war in dieser Disziplin Olympiasieger, David Dushman als Trainer ein Idol. In einem Glückwunschschreiben zum 95. Geburtstag nannte Bach den Jubilar einen »Mann von Ehre«.
Sport
Fast vier Jahrzehnte lang, von 1952 bis 1988, trainierte David Dushman die Frauen-Nationalmannschaft der Sowjetunion und bildete Spitzensportlerinnen der Superklasse aus. Seine »Kinder«, wie er sie nannte, heimsten Weltmeistertitel ein und standen bei einem halben Dutzend Olympischer Spiele im Medaillen-Regen.

Fast vier Jahrzehnte lang, von 1952 bis 1988, trainierte David Dushman die Frauen-Nationalmannschaft der Sowjetunion. © privat

David Dushman war als Fechttrainer in der Sowjetunion ein Idol. © Marina Maisel
1972, bei den Olympischen Spielen in München, wurde ihm angesichts des blutigen Attentats auf israelische Sportler aber sein jüdischer Hintergrund besonders bewusst. »Wir hörten die Schüsse und das Brummen der Hubschrauber über uns. Wir wohnten genau gegenüber der israelischen Mannschaft. Wir und alle anderen Sportler waren entsetzt«, wirft er einen schmerzlichen Blick zurück.

»Ein Mann von Ehre«: Dushmann mit dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach. © IOC
David Dushman nimmt noch heute im hohen Alter den Degen in die Hand und trainiert regelmäßig. Das kunstvolle Hantieren mit der Klinge hat ihn nie losgelassen, auch nicht, als 1988 seine Amtszeit als Trainer der Nationalmannschaft endete. Nach Öffnung der Ostblockgrenzen zog es ihn als Trainer zunächst nach Österreich, ehe er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Zoja in München-Neuperlach landete. Ressentiments gegenüber den Deutschen kennt David Dushman nicht: »Wir haben nicht gegen Deutsche gekämpft, sondern gegen den Faschismus.«
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Mi. 07.10.2026 | 26. Tischri 5787
Kultur
»Sie kamen, um uns zu töten. Mein Leben als Jüdin vor und nach dem 7. Oktober« – Ein Abend mit Dafna Gerstner
Beginn 19:00Buchpräsentation & Gespräch mit der Autorin
Mittwoch, 7. Oktober 2026, 19 Uhr
Lesung: Ulla Wagener
Moderation: Richard Volkmann
Dafna Gerstner stammt aus Israel und lebt seit 2011 in Deutschland. 2023 wurde sie Zeugin des brutalen Massakers der Hamas vom 7. Oktober im Kibbuz Be’eri. Wie durch ein Wunder überlebte sie in einem nicht abschließbaren Schutzraum in der Wohnung ihres Bruders Eitan. Dreißig Menschen von dort, darunter Kleinkinder, wurden nach Gaza verschleppt – nicht alle haben die Geiselhaft überlebt. Es starben insgesamt 102 aus dem Kibbuz Be‘eri, darunter auch Dafnas Bruder Eitan, der als Mitglied der Bereitschaftseinheit das Leben zahlreicher Kibbuz-Mitglieder rettete im für ihn tödlichen Kampf gegen die Terroristen.
In ihrem Buch erzählt die Überlebende Dafna Gerstner vom Leben im Kibbuz vor und nach dem Massaker, aber auch davon, was es heißt zu überleben. Sie berichtet von den traumatischen Folgen des Terrorangriffs – sowohl für sie persönlich als auch für die israelische Gesellschaft. Doch auch die Spaltung der deutschen Gesellschaft hat ihr Leben als Jüdin in Deutschland verändert.
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
