Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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15. März 2018

»Braune Renaissance«

Charlotte Knobloch sieht im Kampf gegen Judenhass Rückschläge – und fordert eine kluge Form von Patriotismus. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 15. März 2018. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern hält die Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland für gescheitert. »Ich sehe im Kampf gegen Antisemitismus nur noch Rückschläge und keine Fortschritte mehr«, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland in einem Vortrag am 11. März in Düsseldorf.

»Wir müssen uns eingestehen, dass es nicht gelungen ist, den Anfängen zu wehren«, so Knobloch weiter. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die fast 1500 antisemitischen Straftaten im vergangenen Jahr in Deutschland, die Schändung jüdischer Friedhöfe, Angriffe auf Synagogen und jüdische Gemeindehäuser sowie Hasstiraden in sozialen Netzwerken.

Werte

In ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe »Düsseldorfer Reden« des Schauspielhauses betonte Knobloch, dass Deutschland selbstverständlich ihre Heimat sei, fügte aber auch an: »Ich bin eine deutsche Patriotin. Ich liebe unser Land – bis vor Kurzem hätte ich hinter diese Aussage auch ein Ausrufezeichen gemacht, doch diese Gewissheit wankt.« Es sei in Deutschland »überfällig, eine kluge Form von Patriotismus zu entwickeln«, der kultur- und werteorientiert sei.

Die IKG-Präsidentin konstatierte eine »braune Renaissance« in Deutschland. Die AfD toleriere Antisemitismus und überschreite bewusst die Grenzen des Sagbaren. »In Deutschland gewöhnt man sich bereits an Ungeheuerlichkeiten, die vor einiger Zeit noch geächtet waren«, kritisierte die ehemalige Zentralratspräsidentin. »Die AfD wird nichts Positives zu einer liebens- und lebenswerten Demokratie in Deutschland beitragen.«

Zugleich beklagte Knobloch auch den Antisemitismus linker Gruppen und insbesondere von Muslimen. Aggressive verbale und tätliche Gewalt seien keine Einzelfälle mehr, sondern inzwischen Alltag. Es mehrten sich die Sorgen und Zukunftsängste in der jüdischen Gemeinschaft. »Und auch in der Mitte der Gesellschaft ist der Schoß immer noch fruchtbar«, führte Knobloch aus. Die politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen, aber auch die Bürger dürften angesichts des Holocaust »nicht vergessen, wie schnell die dünne Decke der Zivilisation zerreißen kann«, mahnte Knobloch.

Verantwortung

Zu der Diskussion um die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten in den Bundesländern sagte Charlotte Knobloch: »Ich halte das leider für eine notwendige Maßnahme. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Kampf gegen Antisemitismus nicht entschieden und systematisch genug geführt wurde.«

Antisemitismusbeauftragte seien ein wichtiger Schritt, um zu zeigen, »dass Politik und Gesellschaft die besondere historische und gegenwärtige Verantwortung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Judenhass aller Art ernst nehmen und entschieden bekämpfen«.

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Di. 09.06.2026 | 24. Siwan 5786

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„Vier Tage im Juni. Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul“ mit Mona Yahia

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Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. Juni 2026, 19 Uhr

In ihrem Roman »Vier Tage. Eine nahöstliche Tetralogie« erzählt Mona Yahia die Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Mossul, Tel Aviv, Babel und Istanbul. Ausgehend von einem Wendepunkt im Jahr 1918 entfaltet sich über vier Generationen hinweg ein vielschichtiges Panorama von Aufbruch, Verlust und Exil.  In eindringlichen Momentaufnahmen – jeweils verdichtet auf einen einzigen Tag – verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und stellt die Frage nach Zugehörigkeit, Erinnerung und dem eigenen Platz in der Welt. Weiterlesen »

Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786

Kultur

Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“

Beginn 19:00

Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr

Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.

Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »

Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786

Kultur

Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“

Beginn 18:15

Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr

Vortrag in jiddischer Sprache

  • Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
  • Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »

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