Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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19. Mai 2016

Blumen für die Befreier

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern erinnerte am 9. Mai an die jüdischen Soldaten der Roten Armee. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 19.5.2016. Mit einer eindrucksvollen Feier vor dem Denkmal von Alexander Shimanovskiy auf dem Neuen Israelitischen Friedhof gedachte die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern am 9. Mai der jüdischen Soldaten, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten.

Jüdische Veteranen bei der Gedenkfeier auf dem Neuen Israelitischen Friedhof. © Marina Maisel

An der Zeremonie nahmen auch jüdische Veteranen teil, die in der Roten Armee gegen die Nazis gekämpft hatten und nach dem Zerfall der Sowjetunion in Bayern eine neue Heimat fanden. »Diese Menschen und ihre Erinnerungen sind ein fester Bestandteil der Gemeinde geworden«, sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch in ihrer Gedenkrede.

Knobloch: „Unendliche Trauer und unendliche Freude eng miteinander verbunden“

Mit dem 9. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus sind den Worten der IKG-Präsidentin zufolge »unendliche Trauer und unendliche Freude eng miteinander verbunden«. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an den besonders hohen Blutzoll, den die Sowjetunion leisten musste. »Kein Land«, sagte Knobloch, »hat so viele Tote unter Zivilisten und Soldaten zu beklagen wie die Sowjetunion.«

»Die Veteranen sind für uns alle ein Beispiel für Mut und Menschlichkeit«: IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. © Marina Maisel

»Allein schon die Zahl ist unvorstellbar«, so Knobloch weiter. »27 Millionen Männer, Frauen und Kinder – jeder brutal aus seinem Leben, aus Hoffnungen, Lebensentwürfen, vor allem aber den Armen und Augen, nicht aber den Herzen der Liebsten gerissen. Kaum eine Familie blieb verschont. Diese Erinnerungen haben Sie, die Veteranen und Ihre Familien, haben alle Zugewanderten nach München mitgebracht. Sie haben unseren Blick maßgeblich erweitert.«

Das markante Denkmal von Alexander Shimanovskiy ist nach Überzeugung von Charlotte Knobloch nicht nur ein geeigneter Ort, um Trauer und Gedenken würdig begehen zu können. »An diesem Ort«, betonte sie, »wächst auch eine gemeinsame Erinnerungstradition und damit ein Stück Heimat. Gemeinsam blicken wir durch die schmerzliche Lücke, die der Tod gerissen hat, richten unseren Blick aber auch auf unsere Gegenwart und in unsere Zukunft. Die Erinnerung führt uns zu der Verantwortung, die wir als Demokraten für unser freiheitliches Land und die Würde des Menschen tragen.«

Vertrauensbeweis

Besonders bemerkenswert ist für die IKG-Präsidentin, dass jüdische Veteranen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, dem Land des einstigen Feindes, eine Heimat gefunden haben. »Das ist ein einzigartiger, großer Vertrauensbeweis für die Bundesrepublik«, hob Knobloch hervor. Und dass sie ihre neue Heimat in der einstigen »Hauptstadt der Bewegung« gefunden haben, sei nicht weniger als eine Auszeichnung für München.

Erinnerung und Hoffnung, Sorgen und Nöte, Freude und Leid: Ariel Kligman, Integrationsbeauftragter der IKG, ist mit den jüdischen Migranten besonders eng verbunden und erinnerte sich in seiner Rede auf dem Friedhof an seine eigene Kindheit in der Ukraine. »Über den Krieg«, sagte er, »hat man kaum bei uns zu Hause gesprochen. Aber jedes Jahr, am 9. Mai, sind wir alle zusammen zum Denkmal des unbekannten Soldaten in Kiew gegangen und haben Blumen niedergelegt.«

Die Erinnerung an all jene, die ihr Leben geopfert haben, werde ewig in seinem Herzen und in den Herzen der zukünftigen Generationen leben, so Kligman weiter. Gerichtet an die erschienenen Veteranen, sagte er: »Die Veteranen sind für uns alle ein Beispiel für Mut und Menschlichkeit.«

Massengräber

Die Bedeutung des Denkmals und des damit geschaffenen Erinnerungsortes hob bei der Feierstunde auf dem Friedhof auch Mark Livshits hervor, der Vorsitzende des Veteranenrats, der sich in diesem Zusammenhang ganz besonders für das Engagement von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch beim Gedenken an die Soldaten bedankte. Denn viele von ihnen hätten überhaupt kein Grab oder seien anonym in einem der vielen Massengräber zwischen Moskau und Berlin bestattet worden.

Ähnlich wie Charlotte Knobloch, die in ihrer Rede auch den wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft thematisiert hatte, äußerte sich der Vorsitzende des Veteranenrats. »Mich macht es sehr betroffen und traurig«, erklärte er, »dass 71 Jahre nach der Befreiung von der braunen Pest in vielen Ländern Osteuropas solche Denkmäler für gefallene sowjetische Soldaten geschändet und abgerissen werden. So wie in Polen, wo die Regierung 500 Denkmäler demontieren möchte.« Unwissenheit über den Krieg, so Livshits, stärke aber rechte Tendenzen. Dagegen aufzustehen, sei man den unzähligen Opfern schuldig.

Auch Rabbiner Avigdor Bergauz kritisierte bei der Gedenkfeier das mangelnde Wissen der dritten Nachkriegsgeneration, die oft nicht einmal fundamentale Daten kenne. »Es geht aber nicht um Zahlen, sondern um Menschen und um Helden, die ihr Leben für unsere Freiheit geopfert haben. Wenn man die Vergangenheit kennt, erkennt man den Sinn der Gegenwart und findet den Weg in die Zukunft.«

Erinnerungskultur

Nellya Hohlovkina, Vorsitzende des Vereins »Phönix aus der Asche«, betonte ebenfalls die Wichtigkeit der Erinnerungskultur. »Der Krieg ist schon lange vorbei, vor 71 Jahren zu Ende gegangen. Aber nein, wir haben nicht vergessen, dass Millionen ihr Leben hergaben, damit wir weiterleben können.«

Welchen Stellenwert die inzwischen zur Tradition gewordene Gedenkstunde hat, war auch aus der Teilnehmerliste ersichtlich. Die Generalkonsuln aus den ehemaligen Sowjetrepubliken – Ukraine, Russische Föderation und Weißrussland – waren persönlich erschienen.

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Aktuelle Veranstaltungen


Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787

Kultur

Filmvorführung „Noga“

Beginn 19:00

Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr

Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln

Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »

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