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7. März 2012
Antisemitismus in akademischem Gewand

Harvard. Foto: muns
Ein Kommentar von Matan Gutman, Haaretz, 06.03.12. Jeder israelischer Student an einer amerikanischen Universität lernt schnell, dass die wirklich wichtigen akademischen Veranstaltungen in den Mittagspausen stattfinden, wo man einen „Non-Pizza Lunch“ erhält. So bekommt man ein kostenloses Mittagessen und kann nebenbei auch noch seinen Horizont erweitern.
Eine solche Veranstaltung fand letzte Woche in der Harvard Law School statt, es ging um den Fall Khader Adnan und die Administrativhaft in Israel. Anders als bei vorherigen Events hinterließ dieses Mittagessen bei mir einen bitteren Nachgeschmack.
Eine ganze Stunde lang präsentierten die Organisatoren vor vollem Saal den Staat Israel in düsterem Licht und ließen sich dabei von Fakten nicht beirren. Ich bin mir sicher, dass ein zufälliger Zuhörer, der sich mit den Details des israelisch-palästinensischen Konflikts nicht auskennt, nun davon überzeugt ist, dass Israel nur zum Spaß Palästinenser in Verwaltungshaft steckt.
Nicht ein Wort fiel über den palästinensischen Terrorismus oder die Tatsache, dass kein anderer Staat der Welt es administrativen Gefangenen gestattet, sich direkt an das Oberste Gericht zu wenden, so wie es beispielsweise im Fall von Adnan geschehen ist.
Auch wurde ganz selbstverständlich mit zweierlei Maß gemessen – schließlich setzt nur wenige Dutzend Kilometer vom Krankenbett Adnans in Israel der syrische Präsident Bashar al-Assad das Massaker an seinem Volk fort. Doch die israelische Politik ist natürlich die schwerwiegendste Verletzung der Menschenrechte in der Region und fordert eine unverzügliche akademische Debatte.
Jenseits legitimer Kritik
Das Recht eines jeden, Israel zu kritisieren – und in einem Teil der Fälle sicher zu Recht – liegt im Wesen der Demokratie begründet. Doch die vergangenen Tage hier in Harvard geben mir das Gefühl, dass sich unter dem Deckmantel des akademischen Diskurses noch etwas anderes verbirgt. Dieses Gefühl verstärkte sich noch, als ich mich an die Organisatoren der Veranstaltung wandte und mich vorstellte: Die Palästinenserin, die die Konferenz organisiert hatte, hörte sofort auf zu Lächeln, und ihre Empfindungen angesichts meines Satzes „Ich bin Israeli“ waren nicht zu übersehen.
Und diese Veranstaltung war nur der Anfang. In dieser Woche beschäftigte sich die jährlich stattfindende Diskussionsveranstaltung der Harvard Law School mit der Frage „Kann Israel ein jüdischer und demokratischer Staat sein?“. Auch bei dieser, noch relativ ausgeglichenen, Veranstaltung waren Positionen zu hören, die das Existenzrecht des Staates Israel in Frage stellten. Der Vergleich mit Deutschland in den 1930er Jahren lag nicht mehr fern.
Doch der Höhepunkt war die Konferenz „Die Einstaatenlösung“, die am vergangenen Wochenende stattfand. Die Konferenz, die von Studenten unter der Schirmherrschaft der Universität organisiert worden war, versuchte, der Delegitimierung des Staates Israel einen akademischen Anstrich zu verleihen. Auf dieser Konferenz wurde Israel bereits in einem Atemzug mit dem Wort „Apartheid“ genannt. Die israelische Position wurde durch solche „Unterstützer“ Israels und des Zionismus repräsentiert wie den anti-zionistischen Historiker Dr. Ilan Pappé. (Alan Dershowitz hat richtig angemerkt, es wäre interessant zu sehen, wie Harvard reagiert hätte, wenn eine Gruppe von Studenten eine Konferenz unter dem Titel „Gibt es ein palästinensisches Volk?“ hätte abhalten wollen und nur Wissenschaftler eingeladen hätte, die diese Frage mit „Nein“ beantworten.)
Kein echter akademischer Diskurs
Das ist kein echter akademischer Diskurs und keine legitime Kritik, sondern einfach ein Versuch, eine Diskussion über die Frage zu führen, ob das jüdische Volk das Recht auf einen Staat hat – um darauf eine negative Antwort zu geben. Das ist Antisemitismus getarnt als akademischer Diskurs. Es handelt sich hier nicht um eine Konferenz in einer unbekannten Institution oder um Ereignisse an Universitäten in Europa, dort sind solche Vorkommnisse schon bekannt. Es handelt sich um eine antisemitische Konferenz an einer der wichtigsten akademischen Institutionen der Welt.
Ich bin daher stolz, Mitglied einer Gruppe israelischer Studenten zu sein, die die erste „Harvard – Israel“-Konferenz organisiert. Diese Konferenz wird die israelische Innovationskraft und lebendige Gründerszene präsentieren und – wichtiger noch – originelle Ansätze und wirtschaftliche Lösungen für Frieden und Koexistenz zwischen den Völkern. Wenn beide Seiten – Israelis und Palästinenser – einen positiven Ansatz entwickeln, die Legitimität des jeweils anderen anerkennen und sich nicht damit beschäftigen, Hass zu verbreiten, wird unser aller Zukunft besser werden.
Der Autor ist Rechtsanwalt und Student der Rechtswissenschaften an der Harvard-University.
Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wieder, sondern sollen einen Überblick über den öffentlichen Meinungsbildungsprozess sowie die gesellschaftliche und politische Diskussion gewährleisten.
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Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787
Kultur
»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer
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Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
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