Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Pressemitteilung

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18. September 2016

Wahl in Berlin – AfD auch in der Hauptstadt zweistellig | Knobloch: „Demokratische Parteien müssen die Zeit bis zu den nächsten Wahlen in 2017 nutzen, um die braune Renaissance zu stoppen“

München, 18.9.2016 (2. Aktualisierung 19.9.2016). Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin kommt die AfD laut vorläufigem amtlichem Endergebnis auf 14,2 Prozent. Damit setzt sich der Trend vergangener Wahlen fort und die rechtsextreme Partei zieht mit zweistelligem Ergebnis in das zehnte deutsche Landesparlament ein. Dazu Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, in einer ersten Reaktion: „Der Erfolgstrend der rechtsextremen AfD setzt sich ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt fort und ich frage mich schon, wohin das führen kann. Um eine braune Renaissance zu verhindern, müssen die demokratischen Parteien, insbesondere die großen Volksparteien die Zeit bis zu den Wahlen im kommenden Jahr nutzen, um die verlorenen Wähler für die demokratischen Visionen zurückzugewinnen.“

Knobloch weiter: „Gelingt es den etablierten Parteien nicht, die Bürger wieder für unsere freiheitliche Demokratie zu begeistern und mit überzeugenden und glaubhaften Argumenten und Konzepten zu ermutigen, ihnen neues Vertrauen zu schenken, so fürchte ich um die gute und friedliche Zukunft in unserem Land. Der fortgesetzte Erfolg einer Partei, die widerlich gegen Minderheiten hetzt, die nationalsozialistische Termini und Thesen wieder salonfähig machen will, die sich weder von Neonazis noch Holocaustleugnern glaubhaft distanzieren kann, ist ein wahrer Albtraum.“

Die AfD-Ergebnisse speisten sich aus allen gesellschaftlichen Gruppen, so die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Knobloch: „Nicht nur NPD-Anhänger wählen jetzt AfD. Es sind nicht die Wähler, die den rechtsextremen Charakter der Partei begründen, sondern die Führungskräfte, Mandatsträger und Mitarbeiter, die sich bewusst mit rassistischen, antisemitischen, chauvinistischen und geschichtsklitternden Provokationen jenseits des freiheitlich-demokratischen Spektrums bewegen und unsere bisher geltende politische Kultur verachten.“

Knobloch: „Noch haben die demokratischen Parteien kein probates Mittel gefunden, um die rechtsextreme Partei einzudämmen. Von zentraler Bedeutung ist dabei das Thema Sicherheit, insbesondere vor dem Hintergrund der sogenannten Flüchtlingskrise und des islamistischen Terrors, der zuletzt auch in Deutschland Opfer gefordert hat. Erst heute wieder bekennt sich der IS zum dem Anschlag in Minnesota, die Hintergründe der Bombenexplosion in New York sind noch unklar. Die Bürger erwarten von den politischen Verantwortlichen erkennbare Konzepte zur inneren und äußeren Sicherheit. In den Augen zu vieler Bürger agieren die demokratischen Parteien aktuell zu schwach. Das lässt der AfD zu viel Spielraum, um sich trotz mangelnder oder für die Mehrheit desaströser Programmatik zu profilieren. Es ist dringend überfällig, dass die demokratischen Parteien zu alter Stärke, Handlungsfähigkeit und Überzeugungskraft zurückfinden und den Menschen vor Augen führen, in welchen Abgrund diese antimoderne, antiliberale und antidemokratische Ideologie des Hasses und der Intoleranz führt.“ Knobloch warnt: „Ein fortgesetzter Aufstieg der AfD hätte unabsehbare Folgen für unser Land.“

Sorgenvoll beobachtet Knobloch generell die Verrohung und Enthemmung hinsichtlich radikaler politischer Positionen, die sich insbesondere im Internet zeigen. Knobloch: „Die digitalen Exzesse sind Menetekel für die fortschreitende Radikalisierung in der analogen Realität.“

Knobloch fordert: „Deutschland soll Deutschland bleiben! Diese Forderung richtet sich sowohl gegen jene, die mit Islamismus und Terror unsere Freiheit und die westliche Werteordnung zerschlagen wollen. Und mit derselben Entschlossenheit gegen jene, die versuchen, den Rechtsextremismus in Deutschland wieder als legitime politische und gesellschaftliche Gedankenwelt zu etablieren. Ihr verheerendes Weltbild darf in Deutschland nie wieder massentauglich werden!“

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Aktuelle Veranstaltungen


Di. 09.06.2026 | 24. Siwan 5786

Kultur

„Vier Tage im Juni. Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul“ mit Mona Yahia

Beginn 19:00

Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. Juni 2026, 19 Uhr

In ihrem Roman »Vier Tage. Eine nahöstliche Tetralogie« erzählt Mona Yahia die Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Mossul, Tel Aviv, Babel und Istanbul. Ausgehend von einem Wendepunkt im Jahr 1918 entfaltet sich über vier Generationen hinweg ein vielschichtiges Panorama von Aufbruch, Verlust und Exil.  In eindringlichen Momentaufnahmen – jeweils verdichtet auf einen einzigen Tag – verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und stellt die Frage nach Zugehörigkeit, Erinnerung und dem eigenen Platz in der Welt. Weiterlesen »

Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786

Kultur

Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“

Beginn 19:00

Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr

Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.

Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »

Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786

Kultur

Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“

Beginn 18:15

Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr

Vortrag in jiddischer Sprache

  • Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
  • Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »

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