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25. Mai 2012
Beckstein: „Keine Versäumnisse in Bayern“
Erschienen auf Frankfurter Allgemeine Zeitung Online. Der frühere bayerische Innenminister Günther Beckstein hat jegliche Verantwortung bayerischer Behörden für Versäumnisse bei den Ermittlungen zu den Morden der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zurückgewiesen. Im Untersuchungsausschuss zu der Mordserie sagte Beckstein als erster der seinerzeit politisch Verantwortlichen aus. Es bedürfe einer Fehleranalyse, allerdings sehe er „keine substantiellen Versäumnisse bei den bayerischen Behörden“.
Er sagte, es habe keine Spuren gegeben, „mit Ausnahme der Opfer und der Projektile, die jeweils in den Körpern der Toten gesteckt“ hätten. Und er habe stets gesagt: „Solange man nichts hat, muss man alles ermitteln.“ Der spätere Ministerpräsident hatte in den Jahren 1993 bis 2007 das bayerische Innenministerium geführt; der NSU hatte seine Morde zwischen 2000 und 2007 verübt.
„Noch immer unentdeckte Anhaltspunkte“
Das erste Opfer, der Blumenhändler Simsek, führte in Nürnberg, Becksteins Heimatstadt, einen Blumenstand, an dem Beckstein selbst mehrfach Blumen gekauft hatte. Diese Beziehung und die Tatsache, dass Beckstein regen Kontakt zur türkischen Gemeinde in Nürnberg pflegt, begründeten sein besonderes Interesse an den Ermittlungen
Der über Jahre ungelöste Fall war nach seinen Angaben der wichtigste in seiner Amtszeit. Es sei „mit ungeheurem Aufwand“ und mit „unglaublichem Eifer“ aber dennoch erfolglos ermittelt worden. Noch heute sei er der Überzeugung, dass es in Nürnberg noch unentdeckte Anhaltspunkte geben müsse.
Der Minister ließ sich regelmäßig informieren und schrieb Kommentare an ihm vorgelegte Sachstandsvermerke, in denen er Fragen stellte, Aufträge erteilte, und unter anderem bereits nach dem ersten Mord in Nürnberg im Jahre 2000 auf ein möglicherweise fremdenfeindliches Tatmotiv hinwies, was er mehrfach wiederholte.
So schrieb er am 13. Mai 2006 nach dem neunten Mord an einen Bericht: „Könnte ausländerfeindlicher Hintergrund das Motiv der Täter sein?“ Er habe, sagte die SPD-Obfrau im Untersuchungsausschuss, Högl, „den richtigen Riecher“ gehabt. Allerdings habe das kaum Einfluss auf die operativen Ermittlungen entfaltet, beklagte sie.
„Schmerz und Trauer“
Beckstein begann seine Aussage, indem er in einer persönlich gehaltenen Erklärung Schmerz und Trauer um die Opfer der Terrorgruppe bekundete. Generell sei, so Beckstein in seiner Eingangserklärung, der Kampf gegen Rechtsextremismus von „existentieller Bedeutung für Staat und Demokratie“. Seine eigene Rolle in diesem Kampf untermauerte er unter anderem, indem er aus einer Laudatio verlas, die die frühere Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland, Knobloch, auf ihn gehalten hat. Er sei mehr als dreißig Mal in der Türkei gewesen, habe „enge Freundschaften in die türkische Community hinein“, sagte Beckstein.
Zu bemängeln sei im Rückblick die schwierige Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verfassungsschutz, sagte Beckstein. Die Probleme hätten ihre Ursache auch in einer strikten Interpretation des Trennungsgebots gehabt. Er widersprach der Ansicht, dass der Fall besser dem Bundeskriminalamt (BKA) übertragen worden wäre. Solche zentralen Ermittlungen seien nicht immer hilfreich, sagte Beckstein. Oft komme es auf Ortskenntnisse an.
„Übernahme durch das BKA wäre ohne Mehrwert gewesen“
Einmal, nämlich 2004 nach dem Mord an Yunus T. in Rostock, habe Bayern die Übertragung der Zuständigkeit auf das BKA befürwortet. 2006, nach dem neunten Mord, als das BKA selbst die Übernahme erstrebte, war Beckstein mit den bayerischen Kriminalisten der Auffassung, es werde zu monatelangem Verzug kommen werde, wenn der Fall, zu dem bereits Hunderte Akten existierten und an dem allein in Bayern etwa 140 Polizisten arbeiteten, vom BKA übernommen würde.
Es habe dem BKA die Frage gestellt werden müssen, so Beckstein, welchen „Mehrwert“ eine solche Fallübergabe haben werde. Man habe schon wissen wollen, „was das BKA mit zwanzig Leuten besser kann als wir mit zweihundert“. Über diese Frage habe es, so Beckstein, Streit gegeben, der aber rasch beigelegt worden sei. Wenn behauptet werde, die bayerischen Sicherheitsbehörden seien auf dem rechten Auge blind gewesen, so sei das falsch, sagte Beckstein, „teilweise sogar infam“.
Das BKA hatte, so berichtete der Abgeordnete Clemens Binninger (CDU), sich noch 2006 ausführlich und im Nachhinein betrachtet vollkommen irrig in Vermerken gegen die Vermutung anderer Tatmotive als solche mit Bezug zur ausländischen Organisierten Kriminalität gewandt. Das habe, so Binninger, ihn „schon etwas entsetzt“.
Live-Übertragung abgelehnt
Die SPD-Obfrau im Ausschuss, Eva Högl, bedauerte, dass Beckstein eine Live-Übertragung seiner Befragung im Fernsehen abgelehnt hatte. „An der Arbeit des Untersuchungsausschusses ist die Öffentlichkeit zu Recht sehr interessiert“, sagte sie dem Fernsehsender Phoenix. CDU-Obmann Binninger entgegnete: „Eine Live-Übertragung verändert einen Untersuchungsausschuss und schafft ein ganz anderes Klima.“
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Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
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