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9. November 2016
Verleihung der Ohel-Jakob-Medaille in Gold an die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Dr. Angela Merkel am zehntem Jahrestag der Einweihung der neuen Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob

Verleihung der Ohel-Jakob-Medaille in Gold an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Von links: Rabbiner Arthur Schneier, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merke, IKG-Präsidentin Dr. h.c. Charlotte Knobloch. Foto Astrid Schudhuber
München, 9. November 2016. Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hat die Ohel-Jakob-Medaille in Gold an die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Dr. Angela Merkel verliehen. Am zehnten Jahrestag der Einweihung der neuen Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob würdigte die Kultusgemeinde mit ihrer höchsten Auszeichnung Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkels herausragende Verdienste um das Judentum in Deutschland, ihren entschlossenen Einsatz gegen jede Form von Antisemitismus und ihr entschiedenes Bekenntnis zum jüdischen Staat Israel.
Präsidentin Dr. h.c. Charlotte Knobloch erinnerte in ihrer Begrüßung an den 9. November 1938, die „Reichspogromnacht“. Bewusst sei an jenem Datum, 68 Jahre später, die neue Münchner Hauptsynagoge als Zeichen der Hoffnung feierlich eröffnet worden – „den Blick nach vorne gerichtet, für unsere Nachkommen, für deren Zukunft – in Sicherheit, Frieden und Freiheit“. Knobloch sprach von einer „ungeahnten Initialzündung“, „landauf landab entstanden seither Synagogen und Gemeindehäuser. Judentum hat in Deutschland wieder eine erkennbare Präsenz – bauliche Symbole einer selbstverständlichen, vitalen Zukunft.“
Bei allem Grund zur Freude seien aber auch Rückschritte zu benennen, so Knobloch. „In Europa – auch hierzulande – herrscht regelrecht eine braune Renaissance.“ Der islamistische Terror könne jederzeit jeden treffen. „Angst, Unsicherheit und Wut verändern uns und unsere Gesellschaft. Wir mussten lernen, dass Menschen, denen wir mit Toleranz begegnet sind, unsere Werte nicht akzeptieren, gar verachten.“ Darauf müsse der wehrhafte Staat mit ultimativen Konsequenzen reagieren. „Wir erleben, dass Antisemitismus immer offener, ungeniert und auch gewaltsam geäußert wird.“ Zu viele hätten sich an antijüdische Ressentiments gewöhnt. Umso mehr dankte Knobloch dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer für seine verlässliche Freundschaft an der Seite der jüdischen Gemeinschaft und des Staates Israel.
Über die Preisträgerin, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, sagte Knobloch: „Sie steht wie keiner ihrer Amtsvorgänger in unverrückbarer Entschlossenheit, Eindeutigkeit und Glaubwürdigkeit, beherzt und kämpferisch an der Seite der jüdischen Menschen in Deutschland und des Staates Israel.“ Das entspreche ihrer tiefen Überzeugung. „Es ist Ausdruck eines gereiften Geschichts- und Verantwortungsbewusstseins und ihrer menschlichen Haltung.“ Die Sicherheit Israels sei für sie Teil der Staatsräson unseres Landes. „Die Sicherheit und die Geborgenheit jedes einzelnen jüdischen Menschen in Deutschland sind für Sie Teil der Staatsräson unseres Landes – und mehr als das: Sie sind Ihnen Herzensangelegenheit, niemals verhandelbar, keine leeren Worte.“
Der Laudator, Rabbiner Dr. Arthur Schneier, Oberrabbiner der Park East Synagoge New York und Präsident der Stiftung „Appeal of Conscience“ nannte Merkel „eine Frau des Gewissens und der Prinzipien“. Rabbiner Schneier betonte, dass Deutschland heute wieder eine große jüdische Gemeinschaft beheimatet. Schneier: „Sie haben auch das jüdische Leben in Deutschland wieder aufblühen lassen. Die Bundesrepublik Deutschland steht beispielhaft ein für die Erinnerung und Verantwortung, die aus einer tragischen Vergangenheit entspringt, sowie für den Geist der Versöhnung. Über die Jahre hat sich eine besondere, eine verständige und kooperative Beziehung mit dem jüdischen Volk und dem Staate Israel entwickelt. Ihre Grundlage kann und wird nicht von denen verzerrt werden, die antizionistische Parolen verwenden, um ihren Antisemitismus zu verbergen.“
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hob in ihrer Rede die Leistung der jüdischen Gemeinden für die Integration der Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion hervor und schlug den Bogen zu den aktuellen Herausforderungen der Integration : „Dort wo Alt und Neu aufeinandertreffen, braucht es Verständigung über Werte, Regeln, Gewohnheiten, um auf einemgemeinsamen Fundament aufbauen zu können.“ Dazu gehöre insbesondere auch das Wissen über die deutsche Geschichte: „Wir sind es den Opfern der Shoah wie uns selbst schuldig, das Wissen um das Geschehene von Generation zu Generation weiterzugeben und uns entschieden gegen die Bedrohungen durch Hass und Antisemitismus zu wenden.“ Mit Blick auf das Erstarken des Antisemitismus bis in die Mitte der Gesellschaft hinein sagt die Kanzlerin: „Das dürfen wir nicht ignorieren. Das muss entschiedenen Widerspruch finden, in Wort und in Tat.“ Die Israelitische Kultusgemeinde stehe, so die Kanzlerin, für Weltoffenheit und ein gutes Zusammenleben im Freistaat Bayern und im ganzen Land, die Ohel Jakob Synagoge habe sich in den letzten Jahren zu einem Ort des Dialogs und der Begegnung entwickelt: „Ich sehe dieses großartige Engagement als ein Zeichen des Vertrauens in unser Land wie die Ohel-Jakob-Medaille, die Sie mir verliehen haben.“
Horst Seehofer, MdL, Ministerpräsident des Freistaates Bayern sagte: „Der 10. Jahrestag der Einweihung der neuen Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob ist ein großartiges Jubiläum für unser Land. Mit der Synagoge und dem jüdischen Gemeindezentrum blüht jüdisches Leben wieder im Herzen unserer Stadt. Unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind unverzichtbarer Teil unseres Landes. Für dieses Glück unserer Gegenwart bin ich zutiefst dankbar. Es ist für uns zugleich Auftrag und Verpflichtung. Hass und Gewalt haben in unserem Land nichts zu suchen – Antisemitismus und Rechtsradikalismus haben hier keinen Millimeter Platz! Die Bundeskanzlerin steht entschlossen und unbeirrbar an der Seite der jüdischen Gemeinschaft in unserem Land. Ich gratuliere ihr zur Ohel-Jakob-Medaille in Gold. Möge jüdisches Leben in Bayern auch in Zukunft blühen und gedeihen.“
Oberbürgermeister Dieter Reiter erinnerte an die Gräuel der Nationalsozialisten und betonte: „Mit dem neuen Jüdischen Zentrum auf dem Jakobsplatz und vor allem auch der neuen Hauptsynagoge Ohel Jakob ist nach alledem also erneut die Hoffnung gewachsen, dass wir nun endlich zu jener Zusammengehörigkeit finden, die die Menschlichkeit schlechthin gebietet. Und die wir nie wieder aus den Händen geben dürfen. Aus diesem tief empfundenen Gefühl heraus war und ist uns die am 9. November 2006 feierlich eingeweihte neue Münchner Hauptsynagoge auch so sehr viel mehr als ein aus der historischen Verantwortung erwachsenes Bedürfnis.“ Er beklagte: „Antisemitismus ist in Deutschland kein Randgruppenphänomen und nicht auf Neonazi-Kreise beschränkt.“ Aber die überwältigende Mehrheit der Münchnerinnen und Münchner zeige hier seit langem Haltung und klare Kante. „Wir werden es nie wieder zulassen, dass sich die Brandstifter mit ihrem Hass durchsetzen. Auch daran soll uns die Synagoge Ohel Jakob erinnern.“
Altoberbürgermeister Christian Ude schloss des Festakt mit einem umfassenden Dank „für dieses Jüdische Zentrum, das einem brachliegenden Platz der Innenstadt endlich Gestalt und vor allem Sinn gegeben hat, das ihn belebt, bekannt, beliebt und bedeutsam gemacht hat und dem interessierten Teil der Welt ein neues, menschliches, tolerantes, durch Selbstkritik und Verantwortungsgefühl gekennzeichnetes München-Bild vermitteln konnte.“ Ude wünschte der Gemeinde „die Kraft und die Ausdauer, in den kommenden Jahrzehnten so zu bleiben wie im ersten nach der Eröffnung: zuversichtlich trotz aller hoffentlich überwundenen Erfahrungen, einig trotz aller Diskussionsfreude, von ansteckender Lebensfreude wie bei Chanukka und Bürgerfesten bewiesen und stolz darauf, ein integraler, unverzichtbarer Bestandteil dieser Stadt zu sein. In ihrem Herzen.“
Die Eröffnung der neuen Münchner Hauptsynagoge vor 10 Jahren hatte enorme symbolische Kraft. Mit dem Bau der Synagoge und dem Umzug der Kultusgemeinde an den St.-Jakobs-Platz besiegelte die jüdische Gemeinschaft ihr Selbstverständnis als fester Bestandteil der Münchner Stadtgesellschaft und das endgültige Ende des Charakters als „Liquidationsgemeinde“, als die sie 1945 wiedergegründet worden war.
Die Eröffnung des neuen Jüdischen Zentrums in München war eine Initialzündung weit über Bayern hinaus. In der ganzen Bundesrepublik entstanden in den folgenden Jahren jüdische Gemeindezentren und Synagogen als bauliche Symbole eines vitalen Judentums in der Bundesrepublik.
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Aktuelle Veranstaltungen
Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787
Kultur
Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen
Beginn 20:30 Uhr:Beitrag der IKG München und Oberbayern
Auf einen Blick:
Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser
Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)
Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.
Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska
Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München
Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.
Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.
Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de
So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787
Kultur
»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre
Beginn 17:00 Uhr:
Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens
Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.
Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de
Mi. 21.10.2026 | 10. Cheschwan 5787
Kultur
Filmvorführung „Noga“
Beginn 19:00Filmvorführung
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19 Uhr
Ein Film von Jono & Benji Bergmann mit Noga Erez und Ori Rousso
Produktion: Babka Film in Koproduktion u.a. mit Sperl Film + Fernsehproduktion
Österreich/ Deutschland/ Israel 2026, 96 Min.
Originalsprache: Hebräisch, Englisch, mit deutschen Untertiteln
Die israelische Musikerin Noga Erez ist mit ihrem kreativen Partner und Lebensgefährten Ori Rousso auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. Zwischen ausverkauften Konzertsälen mit provokanten Hits wie »End of the Road«, politischer Zuspitzung und persönlichen Spannungen, kämpft sie darum, weiterhin gehört, vor allem aber verstanden zu werden – in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
