Nachrichten
« Zurück
30. Juli 2014
„Wehret den Anfängen!“ – Kundgebung in München gegen Antisemitismus und Antizionismus
Unter dem Motto „Wehret den Anfängen“ hat am Dienstag, 29.7.2014 auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus in München eine Kundgebung gegen Antisemitismus und Antizionismus stattgefunden. Mehr als 800 Teilnehmer setzten friedlich ein Zeichen gegen die neue Dimension an Judenhass, die die jüdische Gemeinschaft gegenwärtig auch in der Bundesrepublik Deutschland erlebt.
Alarmiert von dem erschreckenden neuen und alten Judenhass, der gegenwärtig in der Bundesrepublik Deutschland zu beobachten ist, waren weit mehr als 800 Menschen – darunter viele prominente Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft – friedlich zusammengekommen. An jenem Platz, in der einstigen „Hauptstadt der Bewegung“, an dem aller Opfer des nationalsozialistischen Regimes gedacht wird, setzten sie ein entschlossenes, gesamtgesellschaftliches Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit.
Aufgerufen hatte die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG). Deren Präsidentin Dr. h.c. Charlotte Knobloch appellierte an die deutsche Zivilgesellschaft: „Die Situation, die wir gegenwärtig in unserem Land erleben, verbietet es, zu schweigen. […] Wir Juden erleben in diesem, unserem Land die bedrohlichste und kummervollste Zeit seit 1945. […] Wir werden beschimpft, beleidigt, bedroht und auch körperlich angegriffen. […] Perfide werden die wertvollen Grundrechte der Versammlungs- und Meinungsfreiheit missbraucht, um radikalen Antisemitismus und Antizionismus zu verbreiten. Der Nahost-Konflikt dient als Vorwand, um Judenhass voll auszuleben.“
Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden weiter: „Die Fundamentalisten marschieren unter vielen Fahnen. Mit aller Kraft beweisen sie, dass sie die Werte unserer liberalen Gesellschaft verachten. Fernab von Ratio und von dem Fortschritt des aufgeklärten Humanismus sind es nicht nur die Juden, die sie vernichten wollen. Sie stellen ihre Ideologie über unseren Rechtstaat und unsere demokratischen Überzeugungen. Sie wollen unser Gemeinwesen zerstören. Sorgenvoll sehen wir, dass im Schlepptau der radikalen und gewaltbereiten Islamisten die Ewiggestrigen wettern. Und mit ihnen die Extremisten von Rechts und Links sowie leider auch nicht wenige aus der Mitte der Gesellschaft, wo die aufgeheizte Stimmung willfährig Anschluss findet. Antisemitismus, zumal unter dem Mantel des Antizionismus, ist wieder salonfähig, sozial adäquat, Mainstream. Der neue alte Judenhass – er ist da.“
Knobloch fragte: „Wollt Ihr uns Juden eigentlich noch?“ Und weiter: „Wo Synagogen wieder angegriffen werden, wo aufgerufen wird, Juden zu ermorden und ihre Gotteshäuser abzubrennen, wo der Holocaust relativiert oder gar glorifiziert wird, offenbart sich blanker Hass, der vor nichts zurückschreckt. […] Wir erwarten, dass die Menschen unseres Landes entschlossen widersprechen, wenn ihre jüdischen Bürger Opfer übelster verbaler und gewaltsamer Anfeindungen werden.“ Abschließend sagte Knobloch: „An diesem Ort stehen wir ein: für Demokratie, für Gerechtigkeit, für Frieden – für Einigkeit und Recht und Freiheit!
Neben der IKG-Präsidentin sprachen: Christian Schmidt (PDF), Bundesminister für Ernährungund Landwirtschaft; Barbara Stamm (PDF), Präsidentin des Bayerischen Landtags; Dr. Ludwig Spaenle, Bay. Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (in Vertretung des Bay. Ministerpräsidenten); Josef Schmid, Zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt München; Susanne Breit-Keßler (PDF), Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche Bayern; Weihbischof Wolfgang Bischof (PDF), Bischofsvikar für die Seelsorgsregion Süd des Erzbistums München und Freising; Christian Ude, Altoberbürgermeister der Landeshauptstadt München; Matthias Jena (PDF), Vorsitzender des DGB Bayern.
Moderiert wurde die Kundgebung vom ehemaligen Vizepräsidenten der IKG, Jehoshua Chmiel. Anschließend gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute allen Opfern, denen dieser Platz gewidmet ist, und allen unschuldigen Opfern des Konfliktes im Nahen Osten.
Hintergrund: Die jüdische Gemeinschaft sieht sich in der jüngsten Vergangenheit auch in Deutschland mit einer neuen Dimension an Judenhass konfrontiert. Zuletzt hatten in der Nacht zu Dienstag drei Männer mehrere Molotowcocktails auf die Synagoge in Wuppertal geworfen. Im Vorfeld der Veranstaltung sagte Charlotte Knobloch: „Diese Kundgebung soll die Gesellschaft aufrütteln. Wir dürfen unser Land nicht dem radikalen Mob auf der Straße überlassen. Die Zivilgesellschaft muss dem ein Signal des Widerstandes entgegensetzen. Aus München und Bayern muss ein Zeichen in die Republik und um die ganze Welt gehen. Es gilt zu beweisen, dass Antisemitismus in Deutschland in jeder Form geächtet wird. ‚Nie wieder!‘ darf keine Worthülse sein. Dieser Botschaft müssen Taten folgen, wenn Juden diffamiert und bedroht werden. Wir müssen sehen, dass die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land tatsächlich aus der Geschichte gelernt haben und heute an der Seite ihrer jüdischen Bürger stehen, wenn es darauf ankommt. Jetzt gilt es, unsere Freiheit zu schützen, unsere Demokratie und unsere Werte – gemeinsam, als Gesamtgesellschaft! – Ich rufe die Menschen auf, an dieser Kundegebung teilzunehmen – als wehrhafte Demokraten, als Münchner, Bayern, Deutsche, Weltbürger – als Menschen.“
Unter den Gästen (i.A.R.): Hubert Aiwanger, MdL, Fraktionsvorsitzender, Landes- und Bundesvorsitzender der Freien Wähler; Oliver Berben, Filmregisseur und Filmproduzent; Karl Freller, MdL, Stv. Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten; Dr. Peter Gauweiler, MdB, Stellvertretender Parteivorsitzender der CSU; Dr. Wolfgang Heubisch, Staatsminister a.D. und Stadtrat der LHM (FDP); Helmut Markwort (Focus-Herausgeber); Gil Ofarim, Musiker und Schauspieler; Marian Offman, Vorstandsmitglied der IKG und Stadtrat der LHM (CSU); Florian Post, MdB (SPD); Alexander Reissl, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion der LHM; Florian Ritter (SPD), MdL; Katharina Schulze, MdL, Stadtvorsitzende der Grünen; Joseph Vilsmaier, Regisseur und Kameramann; Dr. Hans-Jochen Vogel, Altoberbürgermeister der LHM und Bundesminister a.D. (SPD); Christian Vorländer, Stadtrat der LHM (SPD); Ruth Waldmann, MdL (SPD); weitere Mitglieder des Bundestages, des Bayerischen Landtags und des Münchner Stadtrats sowie Abordnungen von DGB und Kreisjugendring München-Stadt.
VeranstaltungenÜberblick »
Februar 2026 | Schwat-Adar I
- So
- Mo
- Di
- Mi
- Do
- Fr
- Sa
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 8
- 9
- 10
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
- 16
- 17
- 18
- 19
- 20
- 21
- 22
- 23
- 24
- 25
- 26
- 27
- 28
Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
