Fast- und Trauertage
Neben den Festtagen werden auch fünf Fasttage begangen. Vier von ihnen hängen mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels zusammen. Von ihnen ist der Tischa Be’Aw (9. Aw) im Juli/August der strengste. Die Zerstörung des ersten wie auch des zweiten Tempels fand nach der Überlieferung an diesem Tage statt. Ein weiterer Fasttag wird am Tag vor Purim begangen, in Erinnerung an das Fasten der Königin Esther angesichts der für die Juden drohenden Gefahr im Estherbuch.
Jom Gedaljia – Fasten Gedaljja
Zom Gedaljia ist ein Fastentag am 3. Tischri, dem Tag nach dem zweiten Tag Rosch Haschana.
Gedalja Ben Achikam wurde, nachdem die Babylonier 586 v.u.Z. Jerusalem und den ersten Tempel zerstört und einen Großteil der Oberschicht Jehudas ins Exil geführt hatten, zum offiziellen jüdischen Statthalter für die verbliebene Bevölkerung ernannt.
In den Augen mancher Juden war Gedaljia ein Verräter und wurde deshalb am 3. Tischri von seinem Rivalen Ismael Ben Netanja ermordet .(Jeremia, 41, 2). Nebukadnezar bestrafte daraufhin das jüdische Volk mit Repressalien. Zu Lebzeiten wurden die Bemühungen Gedaljias um den Wiederaufbau jüdischen Lebens nicht richtig gewürdigt, nach seinem Tod betrauerte man ihn wie einen Helden und begeht seinen Todestag mit einem Fastentag.
10. Tewet
Der 10. Tewet ist ein sogenannter kleiner Fasttag zum Gedenken an den Beginn der Belagerung Jerusalems vor der Zerstörung des Tempels.
Es ist ein Tag des Kaddisch-(Totengebet) für Verstorbene, deren Todestag man nicht kennt. Orthodoxe Juden, die den staatlichen Holocaust-Gedenktag (Jom Haschoa) nicht akzeptieren, gedenken am 10. Tewet der Opfer der Schoa.
Fasten Esther (Taanit Esther)
Im Buch Esther wird erzählt, dass die Königin Esther, bevor sie beim König den Versuch unternahm, für die Rettung ihres Volkes aktiv zu werden und sich in dieser Angelegenheit an den König zu wenden, drei Tage lang fastete und dass alle jüdischen Bewohner der Stadt Susa dasselbe taten. Zur Erinnerung daran wird der Tag vor Purim (13. Adar) als Fasttag begangen, der Fasten Esther genannt wird.
17. Tamus
Die Mischna, die mündliche Lehre, berichtet, dass im Jahre 70. u. Z. die Römer die Jerusalemer Stadtmauern am 17. Tamus durchbrochen und damit die Eroberung und letztlich Zerstörung des Tempels eingeleitet haben. Mit dem 17. Tamus beginnt eine dreiwöchige Trauerzeit, die sich bis Tischa Beaw (9. Aw) erstreckt.
Tischa BeAw
Zu Tischa BeAw (dem neunten Tag des Monats Aw) wurden sowohl der Erste Tempel (596 v.u.Z. durch die Babylonier) als auch der Zweite Tempel (70 u.Z. durch die Römer) zerstört. Nach Jom Kippur ist Tischa Be Aw der wichtigste Fastentag im jüdischen Kalender.
Um die Trauer über den zerstörten Tempel und das lange Exil zum Ausdruck zu bringen, enthalten sich streng gläubige Juden am 9. Aw sämtlicher vergnüglicher Aktivitäten – vom Sonnenuntergang des 8. Aw bis zur Sichtung der Sterne nach dem 9. Aw.

An diesem Tag (übertragbar auf andere Fasttage):
- Sind vergnügliche Aktivitäten vom Abend und den gesamten Tag des 9. Aw’s zu vermeiden.
- Enthält man sich von Essen und Trinken. Das gilt für alle Erwachsenen ab dem Bar/Bat Mizwa-Alter an. Anders als an anderen Faststagen, werden sogar Schwangere gebeten, an diesem Tag zu fasten. Kranke sollten sich mit dem Rabbiner beraten. Auch Kranke, die nicht fasten dürfen, sollten sich jeglicher Feinkost enthalten und sich ausschließlich auf die für ihr physisches Wohlbefinden lebensnotwendigen Nahrungsmittel beschränken.
- Trägt man keine Lederschuhe oder Schuhwerk, das Leder, z.B. als Schuhsohle, enthält.
- Sitzt man bis zum Mittag des 9. Aw nicht auf Stühlen. Spezielle niedrige Stühle, Matratzen oder Kissen auf dem Boden sind erlaubt. (Halachischer Mittag ist genau in der Mitte zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, für die genauen Zeiten Ihres Wohnortes bitte hier klicken.)
- Wäscht und badet man sich nicht, und vermeidet es sogar, „einen Finger ins kalte Wasser zu tauchen“. Ausnahmen: Die betroffene schmutzige Stelle darf mit kaltem Wasser abgespült werden. Die Hände sind nach dem Benutzen der Toilette zu waschen, doch wie beim rituellen Waschen der Hände nach dem Aufwachen, ist auch hier zu beachten, dass das Wasser nur über die Finger, nicht näher als bis zu ihren Gelenkverbindungen, geschüttet wird.
- Wendet man keine Cremen an, mit Ausnahme bei Säuglingen nach dem Baden.
- Verzichtet man auf eheliche Pflichten und sonstige Formen der Intimität.
- Sendet man keine Geschenke, begrüßt einander nur kurz, z.B. fragt man gegenseitig nicht nach dem Wohlbefinden.
- Nimmt man an keinen Ausflügen oder ähnlichen vergnüglichen Aktivitäten teil.
- Trägt man keine feierlichen Kleider.
VeranstaltungenÜberblick »
November 2025 | Cheschwan-Kislew
- So
- Mo
- Di
- Mi
- Do
- Fr
- Sa
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 8
- 9
- 10
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
- 16
- 17
- 18
- 19
- 20
- 21
- 22
- 23
- 24
- 25
- 26
- 27
- 28
- 29
- 30
Aktuelle Veranstaltungen
So. 30.11.2025 | 10. Kislew 5786
Kultur
„Das Sterben der Demokratie“: Ein Abend mit Richard C. Schneider und Peter R. Neumann
Beginn 18:00Buchpräsentation und Gespräch
Sonntag, 30. November 2025, 18 Uhr
Moderation: Shahrzad Eden Osterer (Bayerischer Rundfunk)
Weltweit gewinnen Rechtspopulisten massiv an Unterstützung und gefährden die liberale Demokratie. Peter R. Neumann, einer der international renommiertesten Extremismus-Experten, und der vielfach ausgezeichnete Journalist und Dokumentarfilmer Richard C. Schneider haben sich unter anderem in Ungarn, Frankreich, den Niederlanden, Italien und den USA umgesehen. Ihre augenöffnende Recherche (Rowohlt Berlin) zeigt wie unter einem Brennglas, welcher Gefahr Deutschland gegenübersteht. Weiterlesen »
Mi. 03.12.2025 | 13. Kislew 5786
Kultur
„Vom Überleben ins Leben“: Eine jüdische Biografie im München der Nachkriegszeit mit Roman Haller
Beginn 19:00Buchpräsentation und Gespräch
Mittwoch, 3. Dezember 2025, 19 Uhr
Vorstellung der Autobiografie von Roman Haller
Moderation: Shahrzad Osterer (BR)
Roman Haller erzählt von seiner Geburt 1944 in einem Waldversteck in Polen, vom Aufwachsen in Deutschland, einem Land, das seine Eltern ermordet hätte, wenn es ihrer in der NS-Zeit habhaft geworden wäre, vom jüdischen Alltag zwischen Schwarzmarkt und Schulbank, Davidstern und Lederhose. Mit Humor schildert er, wie das Leben trotz allem weiterging und wie er seinen Platz im München der Nachkriegszeit fand. Weiterlesen »
Do. 04.12.2025 | 14. Kislew 5786
Kultur
„Schweigend stand sie vor der geschlossenen Tür“ – Zwiesprache mit Zeruya Shalev und Anne Birkenhauer
Beginn 19:00Lesung und Gespräch
Donnerstag, 4. Dezember 2025, 19 Uhr
Die Schriftstellerin Zeruya Shalev und Anne Birkenhauer, ihre Übersetzerin, unterhalten sich auf Hebräisch und Deutsch über Shalevs vorletzten Roman »Schicksal«.
Lesung in hebräischer und deutscher Sprache
Moderation und Übersetzung des Zwiegesprächs: Anne Birkenhauer Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
