Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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27. März 2014

»Wir hob’n geschaff’n a naje Schil«

Die Synagoge Sha’arei Zion wurde nach umfassender Renovierung wiedereröffnet. Von Miryam Gümbel, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 27.03.2014. Sie sollen mir ein Heiligtum schaffen, so werde ich unter ihnen wohnen.« Diese Aufforderung aus dem 2. Buch Mose war auf die Hauswand des Gebäudes projiziert, in dem am 13. März die Synagoge Sha’arei Zion nach der Renovierung wiedereröffnet wurde. Die Stadtteilsynagoge ist für viele Familien in Schwabing seit 1963 zur religiösen Heimat geworden.

Feierlicher Moment: die Einbringung der Torarollen. © Daniel Schvarcz

Für Präsidentin Charlotte Knobloch ist es wichtig, dass es in einer Großstadt wie München neben der Hauptsynagoge eigene Stadtteilsynagogen gibt, die sicherstellen, dass jeder, der beten möchte, einen Ort hat, an dem er einen Minjan findet. Sie selbst hatte als junge Frau die Eröffnung dieses Betraums miterlebt, an dessen Entstehung ihr Vater Fritz Neuland sel. A. als damaliger Münchner Gemeindepräsident wesentlichen Anteil hatte.

GLANZ

Dass diese Räume nun nach der dringend notwendigen Renovierung in neuem Glanz erstrahlen, freut Charlotte Knobloch besonders. Schließlich tragen sie »seit vielen Jahren entscheidend dazu bei, das jüdische Leben in unserer Stadt zu gewährleisten, unsere Religion zu bewahren und unsere Traditionen zu erhalten«.

Es war ein beeindruckender Moment, als die Gabbaim der Synagoge Sha’arei Zion mit den Torarollen vom darüber liegenden Stockwerk des Hauses in den Betraum zogen. Feierlich umrahmt vom Gesang der Kantoren Moshe Fishel, Jehoshua Kampinski und Shlomo Weingarten sprachen die Verantwortlichen der Schwabinger Synagoge. Zunächst begrüßte Thomas Münz die Anwesenden, unter ihnen die Rabbiner Israel Meir Levinger, David Nussbaum, Yechiel Brukner, Israel Diskin und Yochonon Gordon. Münz’ Wunsch an alle war, »dass wir die Geistigkeit in unserer Synagoge als Wirklichkeit wahrnehmen«. Unter den Gästen war auch der Präsident der IKG Wien, Oskar Deutsch.

Seit seiner Kindheit verbunden mit diesem Gebetshaus ist Ilan Birnbaum: »Wenn ich meine Augen schließe, höre ich die Stimmen und sehe die Gesichter einer Generation, die zum größten Teil schon von uns gegangen ist«, begann er seine Ansprache. »Ich glaube, sie wären heute stolz zu sehen, wie wir ihren Weg weitergehen.«

TRAUM

Mit der Wiedereröffnung der im Volksmund als »Georgenschil« bekannten Synagoge gehe nach langer Bauzeit und noch viel längerer Planung ein Traum in Erfüllung. Vom ersten Renovierungsplan bis zur Realisierung dauerte es fast ein Jahrzehnt. Denn schließlich musste auch das nötige Geld aufgebracht werden. »Letztendlich aber«, betonte Birnbaum, »waren wir uns alle einig, dass es an der Zeit war, unserem alten Schtibel ein neues Gesicht zu schenken und aus der 1963 zur Synagoge umfunktionierten Wohnung wieder eine funktionierende Synagoge herzustellen. Gemeinsam mit Thomas Münz, Chaim Szeinwald und Michael Fischbaum fingen wir an, das Unmögliche möglich zu machen.«

Wichtiger Meilenstein und Startschuss war ein Gespräch mit Präsidentin Charlotte Knobloch über einen Zuschuss von der IKG. »Für uns ging es um alles oder nichts. Eine Absage hätte alle unsere Träume wie ein Kartenhaus zusammenfallen lassen«, erzählte Birnbaum. »Nervös wie Schuljungen vor der Zeugnisverteilung« seien sie gewesen. Es klappte, und so dankte er am Eröffnungsabend Charlotte Knobloch ebenso wie IKG-Geschäftsführer Chil Rackowski noch einmal »für die Unterstützung und den Zuspruch vor und während der Bauphase. Ohne ihr persönliches Engagement würde dieses Projekt heute nicht stehen.«

Jetzt konnte und musste das Fundraising beginnen. Tom Fechtner, Architekt und Mitbeter in der Synagoge, betreute die Renovierung honorarfrei. Da fielen viele Stunden der Planung im Büro und spät nachts zu Hause an, Zeit auf der Baustelle – und all das neben einem Fulltime-Job. »Das tolle Ergebnis spricht für sich und dich«, dankte Birnbaum. Eine große Hilfe war und ist auch Michael Fischbaum, der neben vielem anderen die Manpower seines Unternehmens auch in Sachen Finanzen Sha’arei Zion zur Verfügung stellt.

GEBETE

»Ihr seid Sha’arei Zion. Ihr seid es, die aus einer Altbauwohnung eines Wohngebäudes ein Gotteshaus gemacht habt. Ihr seid es, die diesen Ort mit Gebeten füllt, und zu dem macht, was er ist«, dankte Birnbaum allen Spendern und Helfern. Gleichzeitig gedachte er aller, die in früheren Jahren die Synagoge mit Leben erfüllt hatten und »leider nicht mehr unter uns sind«.

Heute ist das Engagement von Thomas Münz und Chaim Szeinwald wichtig, wenn es um das Leben in der Georgenschil geht. Sie organisieren seit Jahren die Minjanim und bereiten die Schabbatot vor. »Ohne euch wäre die Schil nur eine Synagoge«, sagte Ilan Birnbaum. Dass das Gotteshaus nicht nur Beth ha Knesset, sondern auch Beth ha Midrasch ist, nicht nur Versammlungsraum zum Gebet, sondern auch ein Haus des Lernens und des Gesprächs, hatte Rabbiner Levinger zuvor betont.

»Wir hob’n geschaff’n far insere zukünftigen Doires (Generationen) a naje Schil. Dus is gewejn inser heilig Ziel«, fasste Chaim Szeinwald schließlich all die Mühen und Abläufe der Renovierungsarbeiten in jiddischen Reimen kurzweilig zusammen. Mit einer Gedenkminute an die Verstorbenen, die vor einem halben Jahrhundert das geistige Leben hier begründet hatten, leitete Michael Fischbaum, ebenfalls Gabbai von Sha’arei Zion und Vizepräsident der Kultusgemeinde, seine Ansprache ein.

WÜRDIG

Fischbaum dankte noch einmal all den zahlreichen Spendern und Helfern, besonders Charlotte Knobloch: »Eines soll jeder wissen: Ohne unsere Präsidentin wäre diese Synagoge bei Weitem nicht so würdig geworden, wie sie ist!«

Er würdigte auch die Leistung von Schlomo und Ella Birnbaum und sagte zu deren Kindern: »Ihnen ist es zu verdanken, dass ihr wisst, woher ihr kommt und wo ihr hingehen müsst! Alle vier von euch wurden mit viel Liebe, Zeit und Wissen um die Vorbildfunktion überschüttet.«

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Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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