Religion
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7. Dezember 2013
WIESO WESHALB WARUM – Chawruta
Aus der Serie „Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums“. Chawruta: Zwei Lernpartner diskutieren über einen Text und versuchen, ihn gemeinsam zu verstehen.Chawruta: Zwei Lernpartner diskutieren über einen Text und versuchen, ihn gemeinsam zu verstehen. Von Rabbiner Avraham Radbil, erschienen auf Jüdische Allgemeine Online, 5.12.2013.Das Wort »Chawruta« stammt aus dem Aramäischen. Es bedeutet Freund oder Partner und steht für ein Lernsystem, das sich seit der Zeit des Talmuds in den rabbinischen Einrichtungen etabliert hat. So verläuft das Lernen in einer Jeschiwa, indem zwei Lernpartner über einen Text diskutieren und versuchen, ihn gemeinsam zu verstehen. Die Schiurim sind eher ergänzender Natur, um den Schülern eine Lernrichtung vorzugeben.
Gewöhnlich liest beim Chawruta-Lernen einer der Lernpartner einen Abschnitt vor und schlägt dem anderen seine Verstehensweise vor. Der andere erklärt dann, wie er den Abschnitt verstanden hat. Man stellt Fragen, diskutiert – das Lernen verwandelt sich in ein lautes, energisches intellektuellen Duell zwischen beiden Lernpartnern. Dabei kristallisieren sich Ideen heraus und werden verfeinert.
Methode
In der Regel hört man die lauten Diskussionen der Lernpartner schon lange, bevor man ein Beit Midrasch (Lehrhaus) betritt. Die Weisen des Talmuds motivieren uns an vielen Stellen, die Tora ausschließlich mit dieser Methode zu lernen. Zum Beispiel sagte Rabbi Josi ben Chanina, dass derjenige verdummt, der die Tora allein lernt (Traktat Berachot).
Und Rabbi Chama ben Chanina meinte (Bereschit Raba): Genauso wie ein Messer nur durch etwas anderes geschärft werden kann, so kann auch ein Schüler nur durch seinen Lernpartner zu einem Weisen werden. Rava ging sogar noch weiter und sagte: »O Chawruta, o Mituta«, was so viel heißt wie: »entweder ein Lernpartner oder der Tod« (Taanit).
Diese Aussage führt uns zu einer berühmten Geschichte über Rabbi Jochanan und Reisch Lakisch, die im Talmud erzählt wird. Reisch Lakisch war ursprünglich der Anführer einer Räuberbande. Doch Rabbi Jochanan entdeckte das Potenzial, das in Reisch Lakisch steckte, und überredete ihn, den Weg der Tora zu gehen. Später wurde er Rabbi Jochanans Chawruta.
Doch eines Tages diskutierten sie über die rituelle Unreinheit von Waffen. Während der wie immer lebendigen Diskussion sagte Rabbi Jochanan zu Reisch Lakisch, dass sich ein Räuber in seinem Beruf auskennen muss. Damit deutete er an, dass er bereit sei, in dieser Diskussion nachzugeben, da sich Reisch Lakisch wegen seiner Vergangenheit ja viel besser mit Waffen auskenne. Doch Reisch Lakisch nahm die Anspielung persönlich, er wurde krank und starb.
Diskussion
Daraufhin wurde auch Rabbi Jochanan immer schwächer, und so fingen seine Schüler an, einen neuen Chawruta für ihn zu suchen, damit nicht auch er noch stürbe. Sie fanden für ihn Rabbi Elasar ben Pedas, der ein außergewöhnlicher Gelehrter war. Für jede These, die Rabbi Jochanan aufstellte, fand Rabbi Elasar Beweise aus tannaitischen Quellen.
Doch Rabbi Jochanan sagte: »Du bist nicht wie Reisch Lakisch, denn auf jede These, die ich bei ihm aufstellte, fand er 24 verschiedene Fragen und Gegenthesen. So war ich gezwungen, ihm 24 Antworten zu geben, und als Resultat unserer Diskussion kam immer die Wahrheit heraus. Doch du bringst mir nur Beweise für das, was ich sagte. Weiß ich denn nicht, dass ich recht habe?«
So verließ ihn Rabbi Jochanan, zerriss seine Kleider, weinte und schrie: »Wo bist du, Bar Lakisch, wo bist du, Bar Lakisch?«, bis sein Verstand ihn letztendlich verließ und er starb.
Unsere Weisen lehren uns, dass der Chawruta zu den wichtigsten Menschen im Leben eines Talmudstudenten gehört, denn er verhilft ihm, seinen Verstand, sein Wissen, seine G’ttesfurcht und seine Weltanschauung zu formen und zu entwickeln. Jeder von uns braucht immer ein Gegenüber mit einer anderen Meinung, denn sonst besteht die Gefahr, sowohl im Lernen als auch im Leben, subjektive Entscheidungen zu treffen und dadurch falsche Wege einzuschlagen.
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Aktuelle Veranstaltungen
Mo. 16.03.2026 | 27. Adar 5786
Kultur
Spielfilm: »Sallah – oder: Tausche Tochter gegen Wohnung«
Beginn 19:00Montag, 16. März 2026, 19 Uhr
Beitrag zu den 17. Jüdischen Filmtagen
Israel 1964, 98 Min., Originalsprache Hebräisch, dt. F.
Regie: & Drehbuch: Ephraim Kishon
Produktion: Menahem Golan, Musik: Yohanan Zaray
Kamera: Floyd Crosby & Nissim Leon
Darsteller: Chaim Topol als Sallah Shabati, Geula Nuni als Habbubah Shabati, Gila Almagor als Bathsheva Sosialit u.v.a.
Der jemenitische Jude Sallah Shabati wandert mit seiner kinderreichen Familie nach Israel ein. Bis zum versprochenen Einzug in eine Neubauwohnung haust man in einer Baracke in einem Übergangs-Camp. Sallah, der über seinen Clan Familie wie ein König herrscht, lebt lieber in den Tag als selbst zu arbeiten. Im Lexikon des Internationalen Films heißt es, der Film schildere mit liebenswürdiger Selbstkritik »den Kampf mit dem modernen technischen Leben und die Schwierigkeiten des jungen Staates: Geistreiche Unterhaltung mit Witz, Humor und glänzenden Darstellern«. 1964 wurde er als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert und u. a. mit zwei Golden Globes ausgezeichnet. Weiterlesen »
Mi. 25.03.2026 | 7. Nissan 5786
Kultur
„Un Tango Para Rachel“
Beginn 19:00Kurzspielfilm & Konzert
Mittwoch, 25. März 2026, 19 Uhr
Beitrag zu den 17. Jüdischen Filmtagen
Deutschlandpremiere
Argentinien, USA, Schweiz 2025, 25 Min.
Regie/ Drehbuch / Produktion: Lea Kalisch
Darsteller: Sabrina Birmajer, Luciano Borges, Martín Goldber, Lea Kalisch
Im Jahr 1915 entdeckt eine religiöse junge Jüdin den Tango und begibt sich ausgerechnet in ein Bordell in Buenos Aires, um mehr darüber zu erfahren. Dort begegnet sie der Prostituierten Rivka. Es wird eine Reise der Befreiung.
Anschließend Kurzinterview mit der Allroundkünstlerin und Konzert »Yiddish & Tango« mit Lea Kalisch (Gesang), begleitet von Tobias Moss (Gitarre) und Pavel Shalman (Violine)
Die gebürtige Schweizerin Lea Kalisch und der Amerikaner Rabbi T sind ein junges, dynamisches Duo, das jüdische Musik mit einem frischen Twist zu neuem Leben erweckt, hier ergänzt durch den Wiener Musiker Pavel Shalman. Tobias Moss ist im Hauptberuf seit 2024 Rabbiner der liberalen Gemeinde Or Chadasch in Wien. Seine Frau Lea, genannt die rappende Rebbetzin und Yiddish Queen of Pop, ist Sängerin, Songtexterin, Schauspielerin und inzwischen auch Filmemacherin. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
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