Kultur
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24. September 2012
Vier Emmys für Homeland
Erschienen auf Haaretz Online, 24.09.12. Die amerikanische Serie Homeland hat bei der Verleihung der 64. Emmy-Awards gleich vier Preise gewonnen, darunter nicht nur die beste Serie und das beste Drehbuch, sondern auch die Preise für die beiden besten Hauptdarsteller.
Homeland basiert auf der israelischen Serie Chatufim (Entführt), die das Schicksal dreier entführter Soldaten beleuchtet. Der israelische Macher der Serie, Gidi Raf, wurde gemeinsam mit Alex Gansa und Howard Gordon für das beste Drehbuch ausgezeichnet.
„Es ist sehr aufregend“, so Raf heute Morgen in einem Interview mit dem Radiosender Galey ZAHAL. „Dass wir den Preis für die beste Serie gewonnen haben, hat alle überrascht“.
„Homeland“ – Intelligenz und erzählerisches Können
17 Mal nominiert, kein einziger Sieg: Die Serie „Mad Men“ ging bei der Emmy-Verleihung in den USA baden. Die Serie „Homeland“, ein grandioses Spionage-Drama, ist Sieger des Abends – zu Recht! Von Holger Kreitling, erschienen auf Die Welt Online, 24.9.2012.
Don Draper war lange weg, gefühlt noch viel länger als real. Die vielbejubelte Serie „Mad Men“ über den Werbe- und Frauenfachmann der 60er-Jahre machte 2010 nach der vierten Staffel Pause, es gab Streit zwischen dem Sender und dem Produzenten, so blieb 2011 ohne „Mad Men“.
Keine eleganten Anzüge und Kleider, kein wunderbaren Dialoge, keine der oft nur minimalen Handlungsfortschritte, die die Serie zu einer Art Couch machen, auf der man sich in interesselosem Wohlgefallen herrlich hinstrecken kann. Die Fans waren betrübt. Und bangten.
Im Frühjahr lief dann in den USA die fünfte Staffel, heiß ersehnt wie die ersten Erdbeeren oder ein neues iPhone, und es hieß allerorten, Matthew Weiner, der Kopf der Serie, habe sich erneut übertroffen.
Einzigartige Demütigung
Prompt gab es 17 Nominierungen bei den „Emmy“-Awards, dem wichtigsten Fernsehpreis Amerikas, eine enorm hohe Zahl. Seit das Qualitätsfernsehen vor allem aus den USA in Form von komplexen, hoch anspruchsvoll erzählten Serien kommt, sind die „Emmys“ auch für das deutsche Publikum ein Gradmesser, nicht zuletzt ein Hinweis darauf, was man demnächst schauen sollte.
17 mal „Mad Men“, da sollte doch ein gerüttelt Maß an Ergebnis dabei heraus kommen. Es kam anders.
Denn bei der Verleihung am Sonntagabend in Los Angeles ging „Mad Men“ komplett leer aus. 17 Mal gewann die Konkurrenz. Das ist bisher einzigartig und kommt einer Demütigung gleich. Ähnliches hat bei den Oscars nur Steven Spielberg erleben müssen, als sein Film „Die Farbe Lila“ 1985 elf Mal nominiert war und ebenfalls ohne Sieg blieb.
In den vergangen Jahren hatte „Mad „Men“ stets bei den „Emmys“ gesiegt, von 2008 bis 2011 vier Mal hintereinander als beste Drama-Serie. Sind die „Emmys“ also ein Desaster?
Gerechtfertigter „Homeland“-Sieg
Überhaupt nicht. Denn der Gewinner des Abends heißt „Homeland“, und das ist mehr als gerecht. Die Serie gewann vier Emmys, darunter den für „Bestes Drama“ und die beiden Hauptdarsteller. Ebenfalls vier Mal siegte die Comedy „Modern Family“. „Two and a half Men“ wurde auch ohne Charlie Sheen ausgezeichnet: Jon Cryer, der den Bruder Alan Harper spielt, erhielt den Preis für den besten Komödianten.
Also „Homeland“, Heimatfront. Ein großer Sieger. Die Serie gehört zum Besten, was in den letzten Jahren fürs Fernsehen gedreht wurde und wirft einen ähnlich tiefen Blick auf ein verunsichertes, im Kern verängstigtes und politisch ratloses Amerika wie „Mad Men“ die aufbruchswillige, veränderungsbereite Nation in den 60ern porträtiert.
Und dabei geht es ebenfalls um „verrückte Männer“, nur weit gefährlichere als bei der Agentur Sterling Cooper Draper Pryce an der Madison Avenue in New York.
Es gibt auch eine Agentur in „Homeland“, sie ist weltberühmt, beheimatet in Langley, Virginia und heißt Central Intelligence Agency. Erzählt wird von CIA-Agentin Carrie Mathison (Clare Danes), die im Irak gearbeitet hat.
Die letzte Informationen, die sie einem Araber im Gefängnis abrang, lautete: Ein amerikanischer Soldat und Kriegsgefangener ist von al-Qaida umgedreht worden. Als US-Truppen einen US-Soldaten befreien, glaubt Mathison sofort, dass Nicholas Brody (Damian Lewis) ein Schläfer ist, der ein Attentat auf amerikanischem Boden verüben wird.
Intelligenz und erzählerisches Können
Zwei verstörte Charaktere: Brody ist nach jahrelanger Gefangenschaft und Folter zunächst unfähig, die reiche, satte in Frieden lebende Gesellschaft in Washington zu akzeptieren, er muss sich mühsam an seine Frau und seine zwei Kinder gewöhnen. Bald soll er zum politischen Hoffnungsträger aufgebaut werden.
Agentin Mathison unterdrückt seit Jahren eine manische Depression mit Hilfe von Tabletten und ihrer Schwester, einer Ärztin. Sie ist bindungslos und besessen, lange Zeit ist unklar, ob sie mit ihrem Verdacht richtig liegt oder nicht. Sie ist bald auf ihr Gegenüber fixiert, beginnt, ihn und seine Wohnung illegal zu überwachen. Ohne Rücksicht auf Vorgesetzte oder die eigene Psyche. Hier haben sich zwei gefunden, die sich nicht stützen können.
„Homeland“ folgt der CIA ebenso wie Militärs, es geht um Politik, um das Aufwachsen von Kindern, um unerfüllte Liebe und ideologischen Hass. Aus Charakterstudien entwickelt sich ein Plot, der zum Ende hin rasend spannend ist.
Und auch hier ist das Wunder zu bestaunen, wie viel Tiefe und Wahrhaftigkeit entwickelt werden kann, wenn genug Intelligenz und erzählerisches Können und Zeit zusammen kommen. Lose basiert „Homeland“ auf einer israelischen Serie.
Von 9/11 erschütterte Gesellschaft
Die Figuren sind zugleich haltlos und getrieben, sie zeigen, wie erschüttert die Gesellschaft durch den Terrorismus seit 9/11 ist. Überall gebrochene Flügel, gestutzte Federn. Allen voran Mathisons Vorgesetzter und väterlicher Freund Saul, dessen Ehe daran scheitert, weil er rund um die Uhr Terroristen hinterher jagt, um den 11. September 2001 irgendwie auszulöschen.
Zugleich werden Genre-Erwartungen erfüllt und unterlaufen. Penible Vorbereitungen für Attentate sind zu sehen, Kidnappings, CIA-Operationen am Rande der Legalität. Viele Handlungsstücke sind ganz ähnlich wie bei „24“, das ebenfalls Anti-Terror-Kampf zum Anlass für Spannung nahm. Aber weder Carrie Mathison noch irgend ein anderer Agent hat etwas Jack-Bauer-haftes, es wird nicht geschossen, gefoltert und so die Welt in letzter Sekunde gerettet.
Erfolg in Deutschland ungewiss
Die erste Staffel von „Homeland“ lief im Frühjahr 2012 aus. Die zweite Staffel beginnt in den USA am kommenden Sonntag. ProSiebenSat.1 Media hat sich die Ausstrahlungsrechte gesichert, es ist aber unklar, wann und auf welchem Sender die Serie laufen soll.
Klar ist, dass auch „Homeland“ nicht den Sehgewohnheiten des normalen Fernsehpublikums in Deutschland zwischen „Tatort“ und „Der Alte“ entspricht. Gut möglich, dass auch diese Serie im Fernsehen floppen wird wie fast alle amerikanischen Qualitätsserien. Auch „Mad Men“ läuft auf ZDFneo bekanntlich praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Fernsehen und sein Publikum separieren sich, nicht zum Vorteil des Mediums.
Ende Oktober erscheint „Homeland“ hierzulande auf DVD, eine unbedingte Empfehlung. Die fünfte Staffel von „Mad Men“ liegt ab Ende November vor. Ohne Emmy-Awards. Mit Don Draper.
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Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
