Pressemitteilung
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19. Juni 2014
Verfassungsschutzbericht 2013: Knobloch fordert entschlossenes Vorgehen gegen Neonazis und Islamisten
München, 19.6.2014. In Berlin ist der Verfassungsschutzbericht 2013 vorgestellt worden. Demnach ist fast jeder zweite Rechtsextremist gewaltbereit. Die fremdenfeindlichen Übergriffe erreichten nach einem Anstieg um über 20 Prozent den höchsten Stand seit 2006. Besonders beunruhigend: Die Zahl radikaler Islamisten wuchs auf über 43.000 an. Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, forderte rasche und ernsthafte Konsequenzen aus den Befunden. „Die drei Staatsgewalten stehen in der Pflicht, die Menschen in Deutschland zu beschützen. Das erfordert mehr als die Analyse der Gewalt. Ein ‚Weiter so’ darf es angesichts dieser Zahlen nicht geben!“
Das in Aussicht gestellte koordinierende Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus könne nur ein erster Schritt sein, so Knobloch. „Die systematische Abstimmung und ein stärkeres Engagement auf Bundesebene sind ebenso überfällig wie die deutliche Erhöhung der dafür zur Verfügung stehenden Mittel.“ Knobloch bedauerte, dass die NPD nach wie vor im Hintergrund der rechtsextremen Szene die braunen Fäden spinnen könne. „Ihre vermeintliche Schwächung, die leichtfertig als Vorwand für Untätigkeit vorgebracht wurde, hat die NPD nicht abgehalten, ins EU-Parlament einzuziehen und als Plattform für den Menschenhass der neonationalsozialistischen Ideenwelt zu fungieren. Ein Zustand, der untragbar ist und eine Schande für unsere, in Erinnerung gewachsene politische Kultur darstellt.“
Knobloch weiter: „Unerlässlich im Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut ist vor allem, dass endlich die Aufklärung und die demokratische Bewusstseinsschärfung in der Schule und der Erwachsenenbildung ausgebaut werden.“ Den irrationalen Argumenten, Verschwörungstheorien und apokalyptischen Prophezeiungen der Neonazis müssten Fakten gegenüber gestellt werden. „Das Wissensvakuum vieler Menschen, gerade was die jüdische Religion und die lange deutsch-jüdische Tradition betrifft, ist frappierend. Das ebnet den Weg für antisemitische Mythenbildung und Stigmata“, erläuterte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Beinahe noch mehr Sorgen als der Rechtsextremismus mache Knobloch das islamistische Bedrohungsszenario. „Die Judenfeindlichkeit unter den in Deutschland lebenden Muslimen, leider besonders in der jungen Generation, ist beängstigend.“ Das führe immer öfter zu antisemitischen Anfeindungen und Tätlichkeiten. Die mangelnde Kontrolle der Hassprediger in diversen Koranschulen spiele bei der Ideologisierung eine herausragende Rolle. „Existenziell ist die Bedrohung aufgrund der wachsenden Zahl terroristisch geschulter Islamisten. Deutschland liegt im Fokus des internationalen Terrorismus“, warnte Knobloch. „Der Anschlag im jüdischen Museum in Brüssel hat die Angst in der jüdischen Gemeinschaft erhöht.“ Der aktuelle Verfassungsschutzbericht zeige, dass die gewaltbereiten Islamisten auch in der Bundesrepublik auf dem Vormarsch sind. „Ich fürchte, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann aus der abstrakten Terrorgefahr hierzulande eine konkrete Katastrophe wird. Die Zahl der militanten Rückkehrer aus Terrorcamps vor allem in Syrien aber auch Pakistan, Somalia und andernorts stellen gegenwärtig die vielleicht größte Bedrohung nicht nur für Juden, sondern für die liberalen Gesellschaften Europas in ihrer Gesamtheit dar“, sagte Knobloch.
Sie forderte, dass die Islamisten europaweit überwacht werden und appellierte an die Politik, „den Sicherheitsbehörden alle technischen Mittel zu gewähren, die für die erfolgreiche Terrorbekämpfung notwendig sind.“ Dazu gehöre auch die Speicherung und Auswertung erfassbarer Daten.
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Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
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E-Mail: empfang@ikg-m.de
