Nachrichten
« Zurück
5. Mai 2014
»Stab der Erinnerung weitergeben«
Gedenken an die Befreiung der Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Ravensbrück. Erschienen auf Jüdische Allgemeine Online, 5.5.2014. In Dachau haben am Sonntag Hunderte Menschen an die Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers vor 69 Jahren erinnert. Bei der zentralen Trauerstunde in der KZ-Gedenkstätte zitierte Josef Schuster den Schriftsteller und Schoa-Überlebenden Elie Wiesel: »Das Gegenteil des Erinnerns ist nicht das Vergessen. Das Gegenteil des Erinnerns ist die Gleichgültigkeit«, so der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern.
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, forderte bei der Gedenkstunde mehr Engagement der demokratischen Parteien gegen rechtsnationales Gedankengut.
Dass rechtspopulistische Bewegungen in ganz Europa Zulauf hätten, »ist vor allem dem Versagen der etablierten saturierten Parteien geschuldet«, betonte Knobloch. »Die Geschichte hat uns eine unmissverständliche Botschaft hinterlassen: Die Zerbrechlichkeit von Freiheit und Demokratie. Deshalb muss die Erlebnisgeneration den Stab der Erinnerung an die Erkenntnisgeneration weitergeben.«
BRANDENBURG
Mit Schweigeminuten, Gebeten und Kranzniederlegungen wurde am Sonntagnachmittag auch in Brandenburg an die Befreiung der Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück vor 69 Jahren erinnert. Dazu kamen weit mehr als 1000 Menschen zusammen, darunter Überlebende aus etlichen europäischen Ländern und Israel. Politiker verschiedener Parteien sagten bei den Gedenkveranstaltungen, es sei vor allem für die junge Generation wichtig, sich mit der Vergangenheit Deutschlands auseinanderzusetzen.
Auf diese Weise könnten Menschen dafür sensibilisiert werden, wie kostbar Demokratie, Pluralismus und Freiheit seien, hob Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst im früheren Lager Sachsenhausen hervor. Die kontinuierliche Arbeit der Gedenkstätten trägt nach ihrer Ansicht dazu bei, dass »unsere Demokratie wehrhaft bleibt«.
Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, erinnerte unter anderem an die Mordserie des rechtsradikalen Nationalsozialistischen Untergrunds und sagte, Geschichte wiederhole sich zwar nicht, aber bekannte Probleme könnten in einem neuen Gewand auftreten.
Der Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Roger Bordage, warnte, dass Ausgrenzung, Fremdenhass, Gewalt, religiöser Fundamentalismus und soziale Ungleichheiten »unsere an der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte orientierten Werte immer stärker bedrohen«. Die Erfahrungen der Zeitzeugen könnten hilfreich sein, »damit auch die Zukunft des europäischen Kontinents durch Frieden und Demokratie und nicht durch Zerstörung und Hass bestimmt wird«.
PROJEKT
Vor der Gedenkfeier war der mit 3000 Euro dotierte Franz-Bobzien-Preis an Schüler aus dem Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg verliehen worden, die ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager wiederhergerichtet hatten. Mit der von der Stadt Oranienburg und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten vergebenen Ehrung werden Projekte gewürdigt, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Zeit auseinandersetzen. Der sozialistische Politiker Bobzien war im KZ Sachsenhausen inhaftiert und setzte sich dort vor allem für polnische und tschechische Jugendliche ein.
Am Vormittag gab es bereits eine Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück (Oberhavel). Dort erinnerte unter anderem die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann an die gefolterten und ermordeten Häftlinge während der NS-Zeit. Dabei verwies sie auf die Bedeutung von Gedenkstätten für junge Menschen.
DIKTATUR
Mit einem Besuch könne das Bewusstsein geschaffen werden, »dass Grundrechte und Menschenwürde kostbar sind und ein Rückfall in eine Diktatur nie wieder passieren darf«. Hieraus erwachse die Verantwortung, achtsam zu sein und gegen jede Form von Ausgrenzung, Intoleranz und Gewalt vorzugehen.
Ravensbrück galt als eines der größten Frauen-KZs der Nationalsozialisten. Dort wurden zwischen 1939 und 1945 rund 132.000 Frauen und 1000 Mädchen, aber auch 20.000 Männer gefangen gehalten. Sie stammten aus mehr als 40 Nationen. Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren von 1936 bis 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. In beiden Lagern starben Zehntausende Häftlinge an Hunger und Krankheiten oder wurden ermordet. Sowjetische und polnische Soldaten befreiten die Lager Ende April 1945.
VeranstaltungenÜberblick »
März 2026 | Adar I-Adar II
- So
- Mo
- Di
- Mi
- Do
- Fr
- Sa
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- 8
- 9
- 10
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
- 16
- 17
- 18
- 19
- 20
- 21
- 22
- 23
- 24
- 25
- 26
- 27
- 28
- 29
- 30
- 31
Aktuelle Veranstaltungen
Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
WIRD VERSCHOBEN: „Wie rettet man das Tote Meer?“
Aufgrund der derzeitigen Lage in Israel und des Ausfalls etlicher Flugverbindungen kann diese Veranstaltung leider nicht wie geplant stattfinden. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 491
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
WIRD VERSCHOBEN: Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Aufgrund der derzeitigen Lage in Israel und des Ausfalls etlicher Flugverbindungen kann diese Veranstaltung leider nicht wie geplant stattfinden. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.
Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de
