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25. Juli 2012

Passau: Kritik an Polizei nach Neonazi-Spontan-Demo

br.de. Nach einer Spontan-Demo von Neonazis in Passau gibt es harsche Kritik an der Passauer Polizei. Mitglieder der Initiative „Runder Tisch gegen Rechts“ berichten, die Demo sei von dem mehrfach vorbestraften Rechtsterroristen Martin Wiese angeführt worden. Die Polizei verteidigt hingegen ihre Entscheidung zur Bewilligung der „Eilversammlung“.

Für die Initiative „Runder Tisch gegen Rechts“ stellt sich bei einer Teilnahme von Wiese die Frage, ob die Polizei berechtigt war, die Neonazi-Demo zuzulassen. Klaus Robl von der Passauer Polizei beantwortet dies mit einem klaren Ja: Die eingesetzten Beamten hätten vor Ort nicht anders reagieren können, als die Eilversammlung mit Beschränkungen zu akzeptieren, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Die eigentliche Ordnungsbehörde, die Stadt Passau, sei zu diesem Zeitpunkt nicht im Dienst und damit automatisch die Polizei in der Verantwortung. gewesen.

Aufmarsch am Friedhof verhindert

Auslöser der Auseinandersetzung war ein Aufmarsch der Neonazis auf dem örtlichen Friedhof. Am Montag wollten dort etwa 20 Rechtsradikale zum vierten Todestag des Altnazis Friedhelm Busse eine Mahnwache abhalten. Die Polizei, die nach eigenen Angaben „auf Verdacht“ am Friedhof anrückte, verhinderte die Aktion unter Verweis auf die Friedhofssatzung, die Versammlungen ohne religiösen Rahmen verbietet.

Neonazi-Demo „gegen Polizeiwillkür“

Daraufhin hatten die Neonazis bei der Polizei eine Spontan-Demo „Gegen Polizeiwillkür“ angemeldet und waren nachts mit Fackeln durch die Passauer Innenstadt gezogen. Auch nach der Versammlung skandierten sie noch rechte Parolen, was dem Versammlungsleiter nun eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz einbringt. Fotos beweisen, dass der Rechtsterrorist Martin Wiese den Zug der Neonazis anführte. Wiese saß zuletzt wegen des geplanten Anschlags auf die Synagoge in München mehrere Jahre in Haft.

Stadt will bei Polizei nachhaken

Der Pressesprecher der Stadt, Herbert Zillinger, sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Kommune sei erst am Dienstagmorgen von der Polizei über die rechte Spontan-Demo informiert worden. Die Stadt wolle nun bei den ermittelnden Beamten nachhaken, ob die Versammlung tatsächlich von Wiese angeführt wurde. Für den „Runden Tisch gegen Rechts“ steht fest: Falls die Polizei von den Neonazi-Aktionen wusste, hätte sie die Stadt frühzeitig informieren müssen. Nur dann wäre es möglich gewesen, eine Gegenveranstaltung zu organisieren.

Kritik am Totschweigen von Neonazi-Aufmärschen

Der Umgang der Behörden mit Neonazi-Aufmärschen ist in jüngster Zeit wiederholt in die Kritik geraten. In Augsburg fordert das Bündnis für Menschenwürde Aufklärung von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU), warum die Stadt eine Kundgebung von Rechtsextremen am vergangenen Samstag totgeschwiegen habe. Das Ordnungsamt hatte die Öffentlichkeit im Vorfeld nicht informiert. Man habe der rechten Gruppierung keine zu hohe Aufmerksamkeit geben wollen, lautete die Begründung. Für das Anti-Rechts-Bündnis ist das der falsche Kurs: Gegen Rechtsextremismus müsse man durch Gegenveranstaltungen Flagge zeigen, betont das Augsburger Bündnis.

Eine Neonazi-Demo in Landsberg am vergangenen Samstag sorgt ebenfalls für entsprechenden Ärger. Dass auch hier die Aktionen der Rechtsextremen totgeschwiegen worden seien, sei „genauso falsch wie das Vorgehen der Polizei bei dieser Demo“, sagte der zuständige Sprecher der Landtags-Grünen, Sepp Dürr. Bei der Demo war der Grünen-Politiker Ludwig Hartmann von einem Neonazi angegriffen und verletzt worden. Statt gegen den Angreifer vorzugehen, wandten sich die Polizisten laut Hartmann gegen die Grünen und zogen „unser Transparent zu Boden“. Dürr forderte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf, zu den Vorgängen „umgehend Stellung zu beziehen“.

Hintergrund: Rechtsextremismus in Bayern, Stand 13.3.2012
– Die (zu) lang unterschätzte Gefahr

Der Fall des Zwickauer Terrortrios hat in bisher nicht gekannter Dimension gezeigt: Rechtsextremisten marschieren nicht nur und verteilen Schulhof-CDs – sie morden gezielt. Auch in Bayern haben sich viele Neonazis vernetzt. Dabei treten sie nicht mehr nur martialisch mit Glatze und Springerstiefeln auf, sondern geben sich auch betont bürgernah. Kürzlich wurde bekannt, dass es Verbindungen der bayerischen Neonazi-Szene zur Zwickauer Terrorzelle und dessen Umfeld gab.

 

Knobloch beharrt auf Verbot der NPD

Die Partei ist ein „Nährboden für menschenverachtenden Rechtsextremismus“

Welt Online. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, beharrt auf ein Verbot der NPD. Die Partei sei ein „Nährboden für menschenverachtenden Rechtsextremismus und vermeintlich legales Trainingslager für radikale Kräfte“, sagte Knobloch am Mittwoch in München. Sie fügte hinzu: „Das Verbot der Partei ist überfällig.“

Sie reagierte auf eine seit Tagen schwelende politische Debatte über die Erfolgsaussichten eines NPD-Verbotverfahrens nach der Aktenvernichtungs-Affäre beim Verfassungsschutz. 2003 war ein Verbot gescheitert, weil der Geheimdienst V-Leute in der NPD-Spitze hatte.

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Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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