Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Nachrichten

« Zurück

17. Februar 2012

NSU-Untersuchungsausschuss lädt Beate Zschäpe vor

Von Björn Menzel, dapd. Die Arbeit des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses hat mit einem Paukenschlag begonnen. In seiner ersten Sitzung folgte das Gremium einstimmig dem SPD-Antrag, die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe vorzuladen. Sie wäre die erste und beste Zeugin, um mehr über die Kontakte zwischen Behörden und dem Neonazi-Trio zu erfahren, sagte die Ausschussvorsitzende Dorothea Marx am 16.2.2012 nach der konstituierenden Sitzung im Erfurter Landtag. Der Anwalt der Terrorverdächtigen sieht das anders.

Zschäpe solle laut Marx bereits zum 12. März mittels einer Vorladungsurkunde bestellt werden soll. Erst danach sollen weitere Schritte und Zeugen benannt werden. Aus dem Ausschuss hieß es, die geplante Vorladung habe „schon Charme“. Zschäpe unterliege nicht dem Zeugnisverweigerungsrecht, da sie nicht in einer Straftat aussagen solle.

Ob Zschäpe es wirklich macht, ist mehr als unklar, denn bislang schwieg sie zu den Vorwürfen. Skeptisch äußerte sich vor allem die Linke. „Ich erwarte nicht, dass sie sich über den Angaben zur Person hinaus äußern wird“, sagte Martina Renner. Sie werde wohl nicht plötzlich gesprächig. Da man Einigkeit zeigen wolle, habe man dem SPD-Antrag zugestimmt.

Zschäpes Anwalt hält Befragung durch Ausschuss für „absurd“

Der Rechtsanwalt von Zschäpe hat die Vorladung als „absurd“ bezeichnet. Ihr stehe ein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht zu, sagte Wolfgang Heer dem Radiosender SWRinfo. „Ich hoffe, dass man ihr die sehr strapaziöse Anreise nach Thüringen erspart, wenn sie ohnehin nichts sagen wird.“

Zschäpe sitzt seit 8. November 2011 in Untersuchungshaft. Sie hatte sich wenige Tage nach dem Auffinden der Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Behörden in Jena gestellt. Das Trio, das sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bezeichnete, wird für bundesweit zehn Morde verantwortlich gemacht.

Ob Zschäpe wirklich nach Erfurt kommt, bleibt offen. Das hängt laut Marx besonders von der Sicherheitslage ab. Es könne auch sein, dass die 37-Jährige dort vernommen wird, wo sie zurzeit sitzt – im Gefängnis in Köln. „Wir wollen ihr auf keinen Fall ein Podium für die Verbreitung ihrer politischen Gesinnung geben“, sagte Marx weiter. Und: „Wir akzeptieren kein Schweigen“.

Die neun Ausschussmitglieder hoffen, auch mit der Zschäpe-Vorladung dem Ziel ihres parlamentarischen Auftrages näher zu kommen. Sie sollen ein „mögliches Fehlverhalten der Sicherheits- und Justizbehörden sowie zuständigen Ministerien im Zusammenhang mit Aktivitäten und der Verfolgung von Neonazis“ ergründen. Ein Ergebnis könnte nach Einschätzung einiger Mitglieder nicht vor dem Ende der Legislatur im Sommer 2014 vorliegen. Nach einem Jahr soll jedoch ein erstes Zwischenergebnis vorliegen.

Monatliche Sitzungen vereinbart

Während der ersten 90-minütigen Sitzung arbeiteten die Abgeordneten den Angaben zufolge 14 Anträge ab. Sieben davon stellte allein die Linksfraktion. Die Parlamentarier verständigten sich darauf, sich jeden Monat in der Ausschusswoche montags um 9 Uhr zu treffen. Das nächste Mal am 12. März. Außerdem einigten sie sich auf einen Namen für den Ausschuss: „Rechtsterrorismus und behördliches Handeln“.

Neben der Ausschussvorsitzenden Marx (SPD) und der Abgeordneten Renner (Die Linke) gehören noch Jörg Kellner, Christian Gumprecht, Beate Meißner (alle CDU), Dieter Hausold (Linke), Peter Metz (SPD), Dirk Adams (Grüne) und Thomas Kemmerich (FDP) dem Gremium an. Kemmerich war als Einziger zu Beginn der Sitzung nicht anwesend und wurde von seinem Parteifreund Dirk Bergner vertreten.

Alle Beiträge der Kategorie Nachrichten ansehen »

VeranstaltungenÜberblick »

Februar 2026 | Schwat-Adar I | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

Alle Veranstaltungen »

Israelitische Kultusgemeinde
Kontakt
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de