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1. August 2016
NS-Dokumentationszentrum: Bilder gegen das Vergessen
Eine Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum München würdigt den Maler Adolf Frankl. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 28.7.2016, aktualisiert am 01.08.2016. Adolf Frankl hat Auschwitz überlebt. Losgelassen haben ihn die Erinnerungen daran nie. Mit hunderten Gemälden und noch mehr Zeichnungen und Grafiken hat der österreichische Maler nach dem Krieg versucht, seine traumatischen Erlebnisse auszudrücken und aufzuarbeiten.
Es sind beeindruckende Werke entstanden, die von nun an in der Sonderausstellung Adolf Frankl – Kunst gegen das Vergessen im NS-Dokumentationszentrum zu sehen sind. Die meisten Bilder zeigen das Grauen des Vernichtungslagers Auschwitz: leblose und grotesk verzerrte Körper, Gesichter, denen sich der Schrecken förmlich eingebrannt hat – so wie sich auch die Erinnerungen in Frankls Gedächtnis eingebrannt haben.

»Appell an die Menschlichkeit«: Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums (r.), mit dem Ehepaar Frankl © Marina Maisel
Zur Eröffnung der Ausstellung in der vergangenen Woche waren Frankls Sohn Thomas und dessen Frau Inge Ruth aus Wien angereist – und suchten den Dialog. »Es ist wichtig, dass wir miteinander sprechen und aufklären. Und wir sollten auch in der Lage sein, Untaten zu verzeihen«, beschreibt Thomas Frankl das Vermächtnis, das sein Vater hinterlassen hat.
Erinnerung
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, selbst Holocaust-Überlebende, kann sich in die Gedankenwelt von Adolf Frankl gut hineinversetzen. »Das Durchlittene lässt uns Zeitzeugen niemals los, aber wir mussten Wege finden, mit der Erinnerung weiterzuleben und unsere Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen zu vermitteln«, sagte sie bei der Eröffnung der Sonderausstellung. Adolf Frankl, so die IKG-Präsidentin, habe die Kunst zu seiner Überlebensstrategie gemacht und mit seinen Bildern der Nachwelt auch eine klare Botschaft hinterlassen: Nie wieder!
Diesen Anspruch formulierte auch der Sohn des 1983 verstorbenen Künstlers. »Mein Vater wollte mit seinen Bildern ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Diese Mission von ihm hat sich mit der Schau ein weiteres Mal erfüllt«, erklärte er im NS-Dokumentationszentrum und war sich der besonderen Bedeutung des Ausstellungsortes durchaus bewusst. Es sei eine besondere Ehre, die Bilder an einem derart geschichtsträchtigen Ort zeigen zu können.
Von einer besonderen Ehre wollte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers nichts wissen, ganz im Gegenteil. »Es ist unsere Aufgabe«, erklärte er, »Erinnerungen von Zeitzeugen festzuhalten und weiterzugeben – in der Literatur, der Musik, der bildenden oder darstellenden Kunst –, um auch damit eine demokratische Zukunft zu gestalten, die die Würde des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt.« Adolf Frankl als Zeitzeuge gelinge es besonders eindringlich, den Verbrechen des NS-Terrors für die nachfolgenden Generationen ein Bild zu geben. »Sein Werk ist ein bewegender künstlerischer Appell an die Menschlichkeit«, so Küppers.
Intensiv
Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums, ging auf die besonders intensive Farbgebung ein, die Adolf Frankl seinen Werken trotz der inhaltlichen Schwere der Thematik verliehen hat. »Die Farbigkeit in seinen Bildern ist Ausdruck der Authentizität und psychischen Wirkkraft des Erlebten.« Die Darstellung wie auch die Verarbeitung des Traumas übertrage sich von den Bildern mit der ungeheuren Intensität direkt auf den Betrachter, so Nerdinger weiter. »Die Bedeutung dieser Bilder liegt darin, dass ein hochbegabter Künstler als Augenzeuge das Grauen von Auschwitz vermittelt.«
Der Direktor des NS-Dokumentationszentrums erinnerte bei der Ausstellungseröffnung auch daran, dass die Frage, ob Kunst den Holocaust überhaupt darstellen kann, viel und kontrovers diskutiert wird. Die Argumentation, dass Bilder die Erinnerung zerstören und das Grauen verniedlichen würden, könne er durchaus nachvollziehen, sagte Nerdinger. Dennoch ist er überzeugt: »Ja, ein Augenzeuge kann den Schrecken darstellen.«
Im ersten Drittel der Ausstellung ist ein längerer Text von Adolf Frankl zu finden, der dieser Frage ebenfalls nachgeht. »Wie ich meine Visionen auf die Leinwand bringe«, hat er den Beitrag überschrieben. »Über seine Erlebnisse in Auschwitz sprach Adolf Frankl nie, er hat sie ausschließlich in seine Werke eingebracht«, erlaubte Sohn Thomas einen weiteren Einblick in das Selbstverständnis seines Vaters.
Mahnung
Seine Absichten hat Adolf Frankl zu Lebzeiten klar formuliert: »Mit meinen Werken habe ich allen Völkern dieser Welt ein Mahnmal gesetzt. Es soll niemandem, egal welcher Religion, Rasse oder politischen Anschauung, dieses oder Ähnliches widerfahren.« Seine über 1000 Zeichnungen und fast 300 Gemälde befinden sich zum größten Teil in Familienbesitz. Nach dem Willen von Thomas Frankl und seiner Frau soll dies auch so bleiben, um das Gesamtwerk des Künstlers nicht auseinanderzureißen.
Bei ganz wenigen Persönlichkeiten und Institutionen hat Frankl eine Ausnahme gemacht: Bundespräsident Richard von Weizsäcker bekam eines seiner Bilder, die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ebenfalls. Eine ständige Ausstellung seiner Werke ist in Wien, Am Judenplatz 2, im »Art Forum« zu sehen. Wie lange noch, hängt von der Großzügigkeit der Sponsoren ab.
Adolf Frankl: »Kunst gegen das Vergessen«. Bis 25. September im NS-Dokumentationszentrum München
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Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786
Kultur
»Wie rettet man das Tote Meer?«
Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage
Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel
Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.
Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.
Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka
»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation
Moderation: Emanuel Rotstein
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91
Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm
Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786
Kultur
„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter
Beginn 19:00Buchpräsentation
Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.
Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »
Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786
Kultur
Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor
Beginn 19:00Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit
Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
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