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15. Juni 2012
„Manche werden ihren Judenknacks niemals los“
Ein Meinungsbeitrag von Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch („Maxeiner & Miersch“), erschienen auf Welt Online. Einst kämpften Linksradikale in Deutschland mit Bomben gegen Israel. Heute rufen „Pax Christi“ und die Linkspartei zum „Kaufverzicht“ von Waren aus den jüdischen Siedlungen im Westjordanland auf.
Eine Bombe, die im Jahr 1969 im Berliner Jüdischen Gemeindehaus versteckt worden war, explodierte zum Glück nicht. Dieter Kunzelmann, einer der Väter des linksradikalen Terrorismus in Westdeutschland, rechtfertigte diesen Anschlagsversuch mit der Bemerkung, die deutsche Öffentlichkeit solle von ihrem „Judenknacks“ befreit werden.
Dieser Komplex, so argumentierte der damals junge Revolutionär, verhindere, dass die Bundesbürger sich mit dem Kampf der Palästinenser solidarisieren. Kunzelmann blieb als militanter Kommunist wirkungslos, doch in Sachen „Judenknacks“ hatte er einen gewissen Erfolg.
Kein Verständnis
Zweieinhalb Generationen nach dem Dritten Reich knackst es bei manchen Deutschen noch immer – nur andersrum. Die Verbrechen der Vergangenheit führen bei ihnen nicht zu übertriebenem Verständnis für die Lage Israels. Sondern zum Gegenteil, ganz im Sinne Kunzelmanns.
Man muss schon einen gewaltigen Knacks haben, um wie die katholische Organisation Pax Christi zu fordern, dass Waren aus den jüdischen Siedlungen im Westjordanland besonders gekennzeichnet werden sollen, damit man als guter Christ „Kaufverzicht“ üben könne.
Das Wort „Kaufverzicht“ wurde offenbar sehr sensibel gewählt. Unterstützt wird diese seltsame Aktion vom Jenaer Bürgermeister Albrecht Schröter (SPD). Vergangenes Jahr rief bereits die Linkspartei in Bremen dazu auf, nichts aus den Siedlungen zu kaufen.
Man kann viel gegen die Siedler vorbringen. Sie sind auch in Israel nicht gerade beliebt. Wir fragen uns aber, warum die Boykotteure es ausgerechnet auf jüdische Siedler in den Palästinensergebieten abgesehen haben.
Der Knacks bleibt
Warum gab es nie Boykottaufrufe gegen die arabischen Staaten, die immerhin 850.000 Juden außer Landes getrieben haben? Warum geht den Gutdeutschen das Leid der Palästinenser so ganz besonders zu Herzen, inmitten einer Welt, die an Flüchtlingsdramen nicht arm ist?
Man könnte zum Boykott chinesischer Elektronik aufrufen, wegen der Besetzung Tibets. Wer ein Zeichen gegen Unterdrückung setzen möchte, könnte russischen Wodka meiden. Das scheint aber für Pax Christi und Co. weniger attraktiv zu sein.
Es geht ihnen nicht um unterdrückte Palästinenser, sie möchten ihre ererbten Schuldgefühle loswerden, indem sie mithelfen, das Westjordanland „judenrein“ zu machen, wie das früher mal hieß. Auch wenn sie damit erfolgreich wären – der Knacks bleibt.
Die Autoren haben zahlreiche Sachbücher zu Politik und Wissenschaft verfasst und betreiben den Blog achgut.com.
Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wieder, sondern sollen einen Überblick über den öffentlichen Meinungsbildungsprozess und die gesellschaftliche und politische Diskussion gewährleisten.
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Hommage: „Ein Abend für Gertrud Kolmar“
Beginn 19:00Donnerstag, 29. Januar 2026, 19 Uhr
Mit Friederike Heimann und Anette Daugardt (Rezitation)
Gertrud Kolmar – geboren 1894 in Berlin, 1943 in Auschwitz ermordet – verleiht in ihren dichten, manchmal archaischen und doch oft überraschend modernen Bildwelten immer wieder dem Fremden und Ungekannten, dem Stummen und Sprachlosen, eine Stimme. Dabei durchdringen sich das Weibliche und das Jüdische in ihrer Poetik auf vielfache Weise. Nun seh‘ ich mich seltsam und kann mich nicht kennen / Da ich vor Rom, vor Karthago schon war, heißt es in „Die Jüdin“, die eine Forscherreise rüsten möchte in ihr eigenes uraltes Land.
Durch die Gedichtlesung führt Friederike Heimann, Literaturwissenschaftlerin und Autorin einer Biographie über Gertrud Kolmar» In der Feuerkette der Epoche« (Suhrkamp 2023).. Die Gedichte werden von der Berliner Schauspielerin Anette Daugardt vorgetragen. Weiterlesen »
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