Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Pressemitteilung

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7. Mai 2013

Knobloch begrüßt Festnahme mutmaßlichen früheren KZ-Aufsehers – „Es darf keinen Schlussstrich geben“

Budapest/ München. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat die Vorgehensweise von Polizei und Justiz ausdrücklich begrüßt, nachdem die Staatsanwaltschaft Stuttgart den früheren KZ-Aufseher Hans Lipschis hatte festnehmen lassen.

„Die Bundesrepublik macht deutlich, dass es in Deutschland keinen Schlussstrich unter die Nazi-Zeit gibt.“ Das Alter des Täters spiele dabei keine Rolle, so Knobloch: „Es geht um die gerechte Bestrafung von Verbrechern gegen die Menschlichkeit, die selbst keinerlei Mitleid mit ihren Opfern gehabt haben.“

Am Rande der Vollversammlung des World Jewish Congress in Ungarn kritisierte Knobloch die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechern in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg. Das entschlossene Handeln in den letzten Jahren belege ein Umdenken. „Die Erkenntnis konnte sich durchsetzen, dass es unerlässlich ist, die Täter von einst zu verfolgen. Nur so wird der Weg frei für eine unbelastete Zukunft ohne faden Beigeschmack“, so Knobloch. Die strafrechtliche Aufarbeitung müsse parallel zur historischen und sozialpsychologischen erfolgen.

Laut Staatsanwaltschaft steht der 93-jährige Rentner unter dem dringenden Tatverdacht der Beihilfe zum Mord. Er soll im Konzentrationslager Auschwitz von 1941 bis 1945 die Ermordung von Häftlingen unterstützt haben. Seine Festnahme fiel mit dem Auftakt des NSU-Prozesses in München zusammen. „Gerade angesichts der aktuellen Kritik an Justiz und Sicherheitsbehörden ist es von größter Bedeutung, dass Deutschland unmissverständlich demonstriert, dass unser Rechtsstaat funktioniert und gegen Hass-Verbrechen hart und unbedingt durchgegriffen wird.“

Lipschis steht nach Angaben des Wiesenthal-Zentrums auf Platz vier der Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Verbrecher.

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So. 18.01.2026 | 29. Tewet 5786

Kulturzentrum

„Balagan“ von und mit Mirna Funk

Beginn 17:00

Buchpräsentation und Gespräch
Sonntag, 18. Januar 2026, 17 Uhr

Moderation: Ellen Presser

Mirna Funk, eine der mutigsten und unkonventionellsten jüdischen Stimmen Deutschlands erzählt von Recht und Unrecht in der Kunstwelt, von schwieriger Restitution und von der Suche einer jungen Frau nach einem Weg durch das Chaos (hebr. »Balagan«), das die deutsch-jüdische Geschichte im Allgemeinen und in ihrer Familie angerichtet hat.

Mirna Funk, 1981 in Ost-Berlin geboren, studierte Philosophie und arbeitet als Autorin sowie freie Journalistin u. a. für NZZ, DIE WELT und Die ZEIT. Für ihr Romandebüt »Winternähe« wurde sie mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet. Mirna Funk lebt in Berlin und Tel Aviv.

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Mi. 21.01.2026 | 3. Schwat 5786

Kultur

Dan Ariely x Guy Katz: About the Path to Hate

Beginn 19:00

Gespräch in Englisch
Mittwoch, 21. Januar 2026, 19 Uhr

 

An Evening on the Psychology of Antisemitism

Antisemitism is growing, raising the painful question: why? Join world-renowned behavioral scientist Dan Ariely to explore the psychological mechanisms behind hatred and how we might break these destructive cycles. His work reveals predictable patterns in human behavior, even harmful. Weiterlesen »

Do. 29.01.2026 | 11. Schwat 5786

Kultur

Hommage: „Ein Abend für Gertrud Kolmar“

Beginn 19:00

Donnerstag, 29. Januar 2026, 19 Uhr

Mit Friederike Heimann und Anette Daugardt (Rezitation)

Gertrud Kolmar – geboren 1894 in Berlin, 1943 in Auschwitz ermordet – verleiht in ihren dichten, manchmal archaischen und doch oft überraschend modernen Bildwelten immer wieder dem Fremden und Ungekannten, dem Stummen und Sprachlosen, eine Stimme. Dabei durchdringen sich das Weibliche und das Jüdische in ihrer Poetik auf vielfache Weise. Nun seh‘ ich mich seltsam und kann mich nicht kennen / Da ich vor Rom, vor Karthago schon war, heißt es in „Die Jüdin“, die eine Forscherreise rüsten möchte in ihr eigenes uraltes Land.

Durch die Gedichtlesung führt Friederike Heimann, Literaturwissenschaftlerin und Autorin einer Biographie über Gertrud Kolmar» In der Feuerkette der Epoche« (Suhrkamp 2023).. Die Gedichte werden von der Berliner Schauspielerin Anette Daugardt vorgetragen. Weiterlesen »

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