Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Kultur

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30. Oktober 2014

Hommage an einen Charmeur

Das Kulturzentrum der Israelitichen Kultusgemeinde widmete Leonard Cohen zum 80. Geburtstag einen eindrucksvollen Abend. Von Helmut Reister, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 30.10.2014.80 Jahre alt ist er am 21. September geworden: Leonard Cohen. Dem Poeten, Erzähler, Musiker, Sänger und Weltstar widmete das Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde im Rahmen der Jüdischen Kulturtage an diesem Tag eine eindrucksvolle Hommage. Der Faszination, die von dem großen jüdischen Künstler ausgeht, konnten sich auch die Gäste der Veranstaltung im Gemeindezentrum am Jakobsplatz nicht entziehen.

Cohen-Biograf Thomas Kraft. © Marina Maisel

Einen wesentlichen Beitrag, der facettenreichen Persönlichkeit Leonard Cohens näherzukommen, lieferte der Autor und Literaturkritiker Thomas Kraft mit seiner Cohen-Biografie, die im Maro-Verlag erschienen ist. »Ein kleines, aber sehr feines Werk«, wie Ellen Presser, Leiterin des IKG-Kulturzentrums, kurz und treffend feststellte. Sehr persönliche Reflexionen zur Rezeption Cohens in Deutschland seit Ende der 60er-Jahre steuerte Gert Heidenreich bei, eine der bekanntesten Stimmen des Bayerischen Rundfunks.

Konzert

Er hatte sich an dem Abend die Schlüsselstellen der Biografie Krafts herausgesucht, etwa diese: »Wer Cohen je bei einem Konzert erleben durfte, hat gemerkt, wie sehr er die Wertschätzung seines Publikums genießt, wie er in der Lage ist, gleichsam magische Stimmungen zu erzeugen und mit eigenwilligem Gitarrenspiel und einer brüchigen Stimme die Menschen zu erreichen.«

1968 brachte der Sohn einer jüdischen Industriellenfamilie aus Toronto sein erstes Album heraus: »Songs of Leonard Cohen«. Es war der Beginn einer sensationellen Bühnenkarriere, die bis heute anhält. Songs wie »Suzanne«, »Sisters of Mercy«, »First we take Manhattan« oder »Hallelujah« brannten sich in die Köpfe ganzer Generationen ein. Auch bei der »Geburtstagsfeier« im jüdischen Gemeindezentrum, bei der immer wieder seltene Filmsequenzen und Fotos des Künstlers gezeigt wurden, sorgte seine Musik für tief gehende Emotionen. Lena Wachter, begleitet von Steven Lichtenwimmer an der Gitarre, erntete mit ihren Interpretationen der Cohen-Lieder lang anhaltenden Applaus.

»In seinem lebenslangen Versuch der Selbstbefragung«, schreibt Thomas Kraft in seinem Buch, »hat Leonard Cohen, privat wie künstlerisch, einen Kampf geführt zwischen zügellosem Begehren und klarem Regelwerk, zwischen Sucht und Sehnsucht, Schmerz und Disziplin – stets in der Hoffnung auf Erlösung und Befreiung.« Der elegante Charmeur und Freund der Frauen, der auch eine dunkle Seite hatte, die aus Depressionen und exzessivem Drogenkonsum bestand, war schwer zu bändigen. »Cohen«, so Thomas Kraft in seiner Biografie, »lebte sein eigenes Leben, nach seinen Regeln und Wünschen, arbeitete unentwegt, versuchte, Honorare und Stipendien an Land zu ziehen, und stürzte sich permanent in erotische Abenteuer.«

Janis Joplin

Zu seinen vielen Eroberungen gehörte auch Janis Joplin, die an einer Überdosis Heroin früh gestorbene Ikone des Rock-Zeitalters. Suzanne, mit der er zwei Kinder hat und der er auch das gleichnamige Lied widmete, kam seinen Vorstellungen von einer Lebenspartnerin wohl am nächsten. Doch auch sie trennte sich nach einigen Jahren von ihm, weil sie mit seiner Zerrissenheit nicht zurechtkam.

Seine innere Balance, sagte Biograf Kraft, hat Leonard Cohen wohl erst im hohen Alter gefunden. »Zögernd«, zitierte er den weltbekannten Sänger, der eigentlich Schriftsteller werden wollte, »bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich sterben werde.« Doch damit scheint sich Leonard Cohen noch etwas Zeit lassen zu wollen. Seine nächste Welttournee ist bereits fest eingeplant.

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Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

WIRD VERSCHOBEN: „Wie rettet man das Tote Meer?“

Aufgrund der derzeitigen Lage in Israel und des Ausfalls etlicher Flugverbindungen kann diese Veranstaltung leider nicht wie geplant stattfinden. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 491

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

WIRD VERSCHOBEN: Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Aufgrund der derzeitigen Lage in Israel und des Ausfalls etlicher Flugverbindungen kann diese Veranstaltung leider nicht wie geplant stattfinden. Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

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