Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Religion

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30. Mai 2011

Erleuchtung für 200 Euro

Yehuda Bergs Kabbalah Centre ist ein amerikanisches Familienunternehmen. Von Los Angeles aus haben seine Eltern, Philip und Karen Berg, ihre äußerst lose an alte jüdische Mystik angelehnten Lehren in die Welt und in die Köpfe von Madonna, Roseanne Barr und Ashton Kutcher gebracht. Jetzt hatte der Hollywood-Kabbalist Yehuda Berg einen Auftritt in Berlin. Fabian Wolff war dabei und berichtete in der Jüdischen Allgemeinen über seine Eindrücke. Manche Leute haben dieses fordernde Lächeln, das mich verunsichert. Die Zeugen Jehovas, die neulich klingelten, hatten es, als sie mir von der Frohen Botschaft erzählen wollten. Ebenso die Scientologen, die vor ihrem Hauptquartier Passanten auflauern. Und auch die Organisatoren des Vortrags „Die Kraft, alles zu verändern!“ von Yehuda Berg, mit ihren roten „Team Kabbalah“-Aufklebern, haben es, dieses Lächeln. „Auch internationale Führungspersönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Sport sowie Künstler und Mitglieder der Königshäuser vertrauen auf die Inhalte der Kabbalah“, hieß es in der Einladung zu dem Vortrag. Ich bin in bester Gesellschaft an diesem Sonntag im Willy-Brandt-Saal des Schöneberger Rathauses in Berlin.

Moderner Entdecker der Kabbala

Berg wird von seinen Anhängern als „moderner Entdecker der Kabbala“ gefeiert. Bisher hatte ich immer gedacht, Gershom Scholem, Wegbegleiter von Walter Benjamin und erster Professor für jüdische Mystik an der Universität Jerusalem, sei das gewesen. Aber als ich einige der Teilnehmer nach Scholem frage, ernte ich nur leere Blicke.

Vielleicht, weil Scholem nicht für viel Geld heiliges Kabbala-Wasser an Krebspatienten verkauft hat. Spekulationen darüber, dass die sechs Millionen umgebracht wurden, weil sie nicht an die Kabbala glaubten und deshalb „ihr Licht blockiert“ war, sind von ihm auch nicht überliefert. (Das hat Eliyahu Yardeni vom Kabbalah Centre London in einem Fernsehinterview gesagt.)

Das Publikum setzt sich zu gleichen Teilen zusammen aus interessiert aussehenden älteren Herrschaften, gepflegten Lifestyle-Spirituellen und offenkundigen Spinnern. Ein junger Textbuch-Hipster mit dicker Hornbrille ohne Gläser steckt sich Infomaterial in seinen bedruckten Jutebeutel. Eine blonde Mittvierzigerin trägt ein Pentagramm um den Hals. Und ein komplett in Rot gekleideter hagerer Mann mit Kinnbart und lila Lea-Rosh-Frisur ruft laut „Meine Redefreiheit wird angegriffen!“, als man ihn informiert, dass Berg nach dem Vortrag keine Fragen beantworten wird.

Lesen Sie den ganzen Artikel unter juedische-allgemeine.de.

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Aktuelle Veranstaltungen


So. 30.11.2025 | 10. Kislew 5786

Kultur

„Das Sterben der Demokratie“: Ein Abend mit Richard C. Schneider und Peter R. Neumann

Beginn 18:00

Buchpräsentation und Gespräch
Sonntag, 30. November 2025, 18 Uhr

Moderation: Shahrzad Eden Osterer (Bayerischer Rundfunk)

Weltweit gewinnen Rechtspopulisten massiv an Unterstützung und gefährden die liberale Demokratie. Peter R. Neumann, einer der international renommiertesten Extremismus-Experten, und der vielfach ausgezeichnete Journalist und Dokumentarfilmer Richard C. Schneider haben sich unter anderem in Ungarn, Frankreich, den Niederlanden, Italien und den USA umgesehen. Ihre augenöffnende Recherche (Rowohlt Berlin) zeigt wie unter einem Brennglas, welcher Gefahr Deutschland gegenübersteht. Weiterlesen »

Mi. 03.12.2025 | 13. Kislew 5786

Kultur

„Vom Überleben ins Leben“: Eine jüdische Biografie im München der Nachkriegszeit mit Roman Haller

Beginn 19:00

Buchpräsentation und Gespräch
Mittwoch, 3. Dezember 2025, 19 Uhr

Vorstellung der Autobiografie von Roman Haller

Moderation: Shahrzad Osterer (BR)

Roman Haller erzählt von seiner Geburt 1944 in einem Waldversteck in Polen, vom Aufwachsen in Deutschland, einem Land, das seine Eltern ermordet hätte, wenn es ihrer in der NS-Zeit habhaft geworden wäre, vom jüdischen Alltag zwischen Schwarzmarkt und Schulbank, Davidstern und Lederhose. Mit Humor schildert er, wie das Leben trotz allem weiterging und wie er seinen Platz im München der Nachkriegszeit fand. Weiterlesen »

Do. 04.12.2025 | 14. Kislew 5786

Kultur

„Schweigend stand sie vor der geschlossenen Tür“ – Zwiesprache mit Zeruya Shalev und Anne Birkenhauer

Beginn 19:00

Lesung und Gespräch
Donnerstag, 4. Dezember 2025, 19 Uhr

Die Schriftstellerin Zeruya Shalev und Anne Birkenhauer, ihre Übersetzerin, unterhalten sich auf Hebräisch und Deutsch über Shalevs vorletzten Roman »Schicksal«.

Lesung in hebräischer und deutscher Sprache

Moderation und Übersetzung des Zwiegesprächs: Anne Birkenhauer Weiterlesen »

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