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19. Juni 2014

Das vergessene Arbeitslager

Buchvorstellung: Maximilian Strnad präsentierte seine Studie über die »Flachsröste Lohhof«. Von Jürgen Eisenbrand, erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 19.6.2014. Die »Flachsröste Lohhof« war eines der größten jüdischen Zwangsarbeitslager im Raum München. Dennoch, betonte IKG-Kulturzentrumsleiterin Ellen Presser, »war es bis vor Kurzem praktisch vergessen«. Der Münchner Historiker Maximilian Strnad hat die Geschichte des Lagers recherchiert und sein Buch darüber im IKG-Gemeindezentrum vorgestellt. 

Ernst Grube, Maximilian Strnad und Amelie Fried (v.l.) © Jürgen Eisenbrand

 

Er sprach mit dem Zeitzeugen Ernst Grube, dessen Mutter einst in Lohhof arbeiten musste. Moderiert wurde das Gespräch von der Autorin Amelie Fried. Neben ihr saßen Armand Presser und sechs Jugendliche, die abwechselnd Passagen aus Strnads Quellen vortrugen. Darunter die »Tagesberichte« Rolf Grabowers, die er vom 15. Juli 1941 bis zum 26. März 1942 als Leiter des »Jüdischen Arbeitskommandos Lohhof« verfasst hatte. Grabower, in der Weimarer Republik Ministerialrat im Reichsfinanzministerium, war laut Nazi-Terminologie ein sogenannter Dreiviertel-Jude.

NÜRNBERG

Deshalb wurde er bereits 1934 entlassen und an den Reichsfinanzhof nach München versetzt. »Nach der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze wurde er Ende 1935 im Alter von 52 Jahre pensioniert«, schreibt Strnad.

Nach einigen Jahren als kulturinteressierter Privatier, in denen er auch wissenschaftlich arbeitete, wurde Grabower »mit 57 Jahren als einer der ersten jüdischen Zwangsarbeiter beim Bau des Barackenlagers in Milbertshofen eingesetzt«, erzählt Strnad. Dank der Intervention einflussreicher Freunde bekam er jedoch die Leitung des neuen Arbeitskommandos bei der Flachsröste Lohhof übertragen.

Um aus Flachs die begehrte Leinfaser für die Textilwirtschaft zu gewinnen wurde das Flachsstroh zunächst geröstet. Die überwiegend weiblichen Zwangsarbeiter mussten täglich bis zu zwölf Stunden schwere körperliche Arbeit verrichten. Überwacht wurden sie von Grabower. Ein Jude beaufsichtigt jüdische Zwangsarbeiter. »Grabower war ein deutscher Bürokrat, wie man ihn sich vorstellt.

BEFÜRCHTUNG

Er hat zwar probiert, das Beste für die Menschen herauszuholen, aber er hat auch in vorauseilendem Gehorsam Bestrafungen ausgesprochen und Meldungen erstattet – immer in der Befürchtung, wenn er das nicht tue, würde das ganze Lager dafür büßen«, sagte Strnad.

Trotz dieser Haltung und trotz seiner Freunde aus Berliner Tagen konnte Grabower seine Deportation nach Theresienstadt, vor der er bereits zweimal bewahrt worden war, im Sommer 1942 nicht mehr verhindern.

Er überlebte die Lagerhaft, wurde 1945 als Beamter rehabilitiert und als Oberfinanzpräsident in Nürnberg eingesetzt. 1952 ging er in den Ruhestand – geehrt mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Am 7. März 1963 starb er in München. Das Zwangsarbeitslager Flachsröste Lohhof wurde im Herbst 1942, gut ein Jahr nach seiner Gründung, aufgelöst. Von 300 jüdischen Frauen überlebten etwa 30.

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Aktuelle Veranstaltungen


So. 18.01.2026 | 29. Tewet 5786

Kulturzentrum

„Balagan“ von und mit Mirna Funk

Beginn 17:00

Buchpräsentation und Gespräch
Sonntag, 18. Januar 2026, 17 Uhr

Moderation: Ellen Presser

Mirna Funk, eine der mutigsten und unkonventionellsten jüdischen Stimmen Deutschlands erzählt von Recht und Unrecht in der Kunstwelt, von schwieriger Restitution und von der Suche einer jungen Frau nach einem Weg durch das Chaos (hebr. »Balagan«), das die deutsch-jüdische Geschichte im Allgemeinen und in ihrer Familie angerichtet hat.

Mirna Funk, 1981 in Ost-Berlin geboren, studierte Philosophie und arbeitet als Autorin sowie freie Journalistin u. a. für NZZ, DIE WELT und Die ZEIT. Für ihr Romandebüt »Winternähe« wurde sie mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet. Mirna Funk lebt in Berlin und Tel Aviv.

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Mi. 21.01.2026 | 3. Schwat 5786

Kultur

Dan Ariely x Guy Katz: About the Path to Hate

Beginn 19:00

Gespräch in Englisch
Mittwoch, 21. Januar 2026, 19 Uhr

 

An Evening on the Psychology of Antisemitism

Antisemitism is growing, raising the painful question: why? Join world-renowned behavioral scientist Dan Ariely to explore the psychological mechanisms behind hatred and how we might break these destructive cycles. His work reveals predictable patterns in human behavior, even harmful. Weiterlesen »

Do. 29.01.2026 | 11. Schwat 5786

Kultur

Hommage: „Ein Abend für Gertrud Kolmar“

Beginn 19:00

Donnerstag, 29. Januar 2026, 19 Uhr

Mit Friederike Heimann und Anette Daugardt (Rezitation)

Gertrud Kolmar – geboren 1894 in Berlin, 1943 in Auschwitz ermordet – verleiht in ihren dichten, manchmal archaischen und doch oft überraschend modernen Bildwelten immer wieder dem Fremden und Ungekannten, dem Stummen und Sprachlosen, eine Stimme. Dabei durchdringen sich das Weibliche und das Jüdische in ihrer Poetik auf vielfache Weise. Nun seh‘ ich mich seltsam und kann mich nicht kennen / Da ich vor Rom, vor Karthago schon war, heißt es in „Die Jüdin“, die eine Forscherreise rüsten möchte in ihr eigenes uraltes Land.

Durch die Gedichtlesung führt Friederike Heimann, Literaturwissenschaftlerin und Autorin einer Biographie über Gertrud Kolmar» In der Feuerkette der Epoche« (Suhrkamp 2023).. Die Gedichte werden von der Berliner Schauspielerin Anette Daugardt vorgetragen. Weiterlesen »

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