Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Nachrichten

« Zurück

30. Januar 2013

Bundestag gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron wird am Mittwoch, 30. Januar 2013, im Plenarsaal des Deutschen Bundestages die Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus halten. Gedenktag ist der 27. Januar, der Tag, an dem sowjetische Soldaten im Jahr 1945 das Vernichtungslager Auschwitz befreit hatten. Seit 1996 wird in Deutschland jährlich an diesen Tag erinnert. Die Gedenkstunde am 30. Januar beginnt um 12 Uhr. Sie wir von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert eröffnet und live im Parlamentsfernsehen übertragen.

Gastrednerin Inge Deutschkron

Inge Deutschkron wurde 1922 in Finsterwalde (Brandenburg) geboren und wuchs in Berlin auf. Ihre Familie und sie wurden von 1933 an wegen ihrer politischen Arbeit und als Juden verfolgt. Inge Deutschkron überlebte den Holocaust im Berliner Untergrund und engagiert sich seitdem als Schriftstellerin und Journalistin, als Aktivistin und Bürgerin für Demokratie, Menschenrechte und vor allem für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.

Nach einem Studium in England arbeitete sie im Londoner Büro der Sozialistischen Internationale. 1956 ließ sie sich in Bonn nieder, wo sie zunächst als freie Journalistin arbeitete und 1958 Deutschland-Korrespondentin der israelischen Zeitung „Ma’ariv“ wurde. Von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1987 war sie als Journalistin in Tel Aviv tätig. Zur Vorbereitung des Theaterstücks „Ab heute heißt Du Sara“ – nach ihrem Buch „Ich trug den gelben Stern“ – kam Inge Deutschkron 1988 nach Berlin, wo sie seit 2001 wieder lebt.

Den Nazi-Mördern entkommen

Inge Deutschkron erhielt 1994 den Berliner Moses-Mendelssohn-Preis, der der Förderung von Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen Völkern, Rassen und Religionen gewidmet ist, und wurde vom Deutschen Staatsbürgerinnen-Verband als „Frau des Jahres 1998“ ausgezeichnet.

2008 wurde sie mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg ausgezeichnet. Nach zahlreichen anderen Veröffentlichungen erschien 2010 ihr Buch „Überleben als Verpflichtung. Den Nazi-Mördern entkommen.“

Totengedenken, Gebet, Hymne

Die Gedenkstunde beginnt mit dem jüdischen Totengedenken „Enosch K’chozir Jomow“ (Psalm 103) in der Vertonung von Louis Lewandowski (1821-1894). Nach der Begrüßung durch Norbert Lammert wird das traditionelle Gebet „El Male Rachamim“ („Gott voller Erbarmen“) vorgetragen.

Im Anschluss an die Rede von Inge Deutschkron erklingt die mittelalterliche Hymne „Adon Olam“ („Herr der Welt“) in der Vertonung von Salomon Sulzer (1804-1890). Die musikalischen Beiträge werden vom Synagogal Ensemble Berlin unter Leitung von Regina Yantian zu Gehör gebracht. Es ist in der Synagoge Berlin-Charlottenburg beheimatet und Gastgeber des internationalen Louis-Lewandowski-Festivals.

Internationale Jugendbegegnung

Zum Gedenktag organisiert der Bundestag seit mehreren Jahren eine internationale Jugendbegegnung. 80 Jugendliche aus Deutschland, Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und anderen Ländern, die sich in der Gedenkstätten- und Antirassismus-Arbeit engagieren, sind am 25. Januar zu einer fünftägigen Exkursion in die Ukraine aufgebrochen.

Diese internationale Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages steht in diesem Jahr im Zeichen von „Osteuropa als Ort nationalsozialistischer Verbrechen: Besatzung, Zwangsarbeit und Völkermord in der Ukraine“.

Treffen mit Zeitzeugen in Kiew

In Kiew besuchten die Teilnehmer Originalschauplätze wie die Massenerschießungsstätte Babyn Jar, wo 1941 an einem Wochenende mehr als 33.000 Menschen erwordet wurden. Sie besichtigten Museen und Gedenkstätten an und trafen mit Zeitzeugen zusammen. Zu den Themen der Jugendbegegnung gehören auch der Massenmord an Juden und Roma, Hungerpolitik und alltägliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung sowie die in nahezu jeder ukrainischen Familie erlittene Deportation zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich.

Daneben widmen sich die Jugendlichen den verschiedenen Erinnerungskulturen in Europa und vor allem auch in der Ukraine selbst. Ebenfalls vorgesehen ist der Austausch mit ukrainischen Jugendlichen.

Stätten  nationalsozialistischer Massenerschießungen

Nach der Rückkehr nach Deutschland nimmt die Gruppe am 30. Januar an der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages teil.

Den Abschluss der Veranstaltung bildet eine Podiumsdiskussion im Jakob-Kaiser-Haus des Bundestages zum Thema „Die Gegenwart der Vergangenheit: Die Lokalisierung von Stätten nationalsozialistischer Massenerschießungen in der Ukraine und der Umgang mit ihnen“.

Podiumsdiskussion mit Patrick Desbois und Deidre Berger

Dazu wird Bundestagspräsident Norbert Lammert den Gründer der französischen Organisation Yahad – In Unum, Pater Patrick Desbois aus Paris, und die Leiterin des Berlin-Büros des American Jewish Committees, Deidre Berger, begrüßen.

Yahad – In Unum ist die führende Forschungsorganisation, welche die Massenexkutionen von 1,5 Millionen Juden und Roma und Sinti in Osteuropa zwischen 1941 und 1944 erforscht. Das American Jewish Committee ist eine global aufgestellte Organisation, die sich für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und gegenseitigen Respekt über ethnische, religiöse und nationale Grenzen hinweg einsetzt.
Umgang mit den verbleibenden Zeugnissen

Die Jugendlichen wollen wissen, welche Bedeutung diese Geschichte heute noch hat und wie Deutsche und Ukrainer mit den verbleibenden Zeugnissen dieser Verbrechen umgehen wollen. Pater Desbois hat die vergessenen Gräber lokalisiert, Deidre Berger eine Koalition zu ihrem Schutz und Erhalt ins Leben gerufen.

Die Podiumsdiskussion wird live im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen und ist anschließend als Video on Demand in der Mediathek des Bundestages verfügbar.

Weitere Informationen

Ausstellung: Kunst in der Katastrophe

Kanzlerin eröffnet Ausstellung über Beginn der Nazi-Diktatur

Am Mittwochvormittag, 30.1.2013, eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel  im Berliner Dokumentationszentrum Topographie des Terrors die Ausstellung „1933 – Der Weg in die Diktatur“. Außer Merkel reden unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Vorsitzende des Internationalen Beirats der Stiftung der Topographie, Peter Steinbach. Öffentlich zugänglich ist die Ausstellung ab Donnerstag (31. Januar).

Am 30. Januar jährt sich zum 80. Mal die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Umstände der damaligen Ereignisse sind 2013 Gegenstand zahlreicher Ausstellungen und Projekte in der gesamten Bundesrepublik. In Berlin thematisiert vor allem das Themenjahr „Verlorene Vielfalt“ die Epoche, wozu auch die Ausstellung gehört.

Die Exposition in der Topographie befasst sich nach Veranstalterangaben „schlaglichtartig“ in Bild- und Textdokumenten mit der Etablierung der NS-Herrschaft in den ersten sechs Monaten des sogenannten Dritten Reiches. Dabei rückt auch das Schicksal der frühen Opfer des NS-Terrors in Berlin in den Blick.

Alle Beiträge der Kategorie Nachrichten ansehen »

VeranstaltungenÜberblick »

Aktuelle Veranstaltungen


Do. 05.03.2026 | 16. Adar 5786

Kultur

»Wie rettet man das Tote Meer?«

Vorstellung eines Dokumentarfilmprojekts und Vortrag im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage

Initiatoren: Florentinfilm, Herzliya / Israel

Das Tote Meer stirbt. Es verliert anderthalb Meter pro Jahr. Der Wasserspiegel sinkt, die Strände verschwinden, Erdfälle öffnen sich. Wenn das so weitergeht, ist es in 30 Jahren verschwunden.

Der in Entstehung befindliche Film will die Geschichte dieses Binnenmeeres aus der Perspektive von drei Personen erzählen: Mosche Bernstein, einem orthodoxen jungen Mann, der statt in der Jeschiwa zu lernen, mit seiner Kamera die Salzschichten, Rückzugslinien, sich ändernden Farben, dokumentiert; Oded Rahav, Umweltaktivist , Extremsportler und Gründer der Initiative Dead Sea Guardians; Jackie ben Zaken, ehem. Marine-Soldat, der dort seine innere Ruhe wiederfand und nun Bewußtseins-Touren leitet, mit Blick auf die sich ändernden Landschaften und seltene geologische Phänomene, die das zurückweichende Wasser freigibt.

Präsentation des Film-Teasers zur in Vorbereitung befindlichen Film-Dokumentation mit den Filmemachern Harel Yana und Mordechai Malka

»Last chance to save the Dead Sea«
Vortrag des Umweltaktivisten Oded Rahav
in engl. Sprache mit Powerpoint-Präsentation

Moderation: Emanuel Rotstein

Eintritt frei.

Anmeldung erbeten unter karten@ikg-m.de oder (089) 202 400 4i91

Veranstalter: Kulturzentrum der IKG München & Oberbayern mit freundlicher Unterstützung von florentinfilm

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18

Di. 10.03.2026 | 21. Adar 5786

Kultur

„Lieber Gott als nochmals Jesus“ – eine humoristische Beichte mit Ilja Richter

Beginn 19:00

Buchpräsentation

Dienstag, 10. März 2026, 19 Uhr
Teil der Woche der Brüderlichkeit

Ilja Richter nimmt seine Zuhörerschaft mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat und Zugehörigkeit. Dabei umkreist er das Thema Judentum / Christentum in bitter-komischen Geschichten, pointierten Glossen, mit Fakten und Zitaten – und Musik. Damit eröffnet er seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Blick in die Welt des Glaubens.

Ilja Richter, 1952 in Ost-Berlin geboren, ist das Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters, der als Kommunist 9 ½ Jahre in Zuchthaus und KZ verbrachte. Er gehört zu den vielseitigsten Künstlern in jeder nur denkbaren Sparte: als Schauspieler, Synchron- und Hörfunksprecher, Sänger, Autor, Theater- und Musical-Regisseur und -Darsteller. Frühe Berühmtheit erlangte er als jüngster TV-Moderator mit der Sendung »Disco« im ZDF. Weiterlesen »

Do. 12.03.2026 | 23. Adar 5786

Kultur

Ephraim Kishon. Ein Leben für den Humor

Beginn 19:00

Ein Abend mit der Biographin Silja Behre
Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Teil der 
Woche der Brüderlichkeit

Seit den 1960er-Jahren führten Ephraim Kishons Bücher immer wieder die Bestseller-Listen an, wurden teilweise auch verfilm, inklusive zwei Oscar-Nominierungen. Wie kam es dazu, dass der aus Budapest stammende Israeli Ephraim Kishon (1924-2005) mit seinen Humoresken gerade beim deutschen Publikum seinen größten Erfolg hatte? Ausgehend von Kishons eigenen Aufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitzeugen und Weggefährten sowie Presseberichten und Archivmaterial beschreibt die Biographin Silja Behre seine Erfolgsgeschichte im Spannungsfeld von Literatur, Humor und Politik. Weiterlesen »

Alle Veranstaltungen »

Israelitische Kultusgemeinde
Kontakt
Israelitische Kultusgemeinde
München und Oberbayern K.d.ö.R.
St.-Jakobs-Platz 18
80331 München
Tel: +49 (0)89 20 24 00 -100
Fax: +49 (0)89 20 24 00 -170
E-Mail: empfang@ikg-m.de