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9. November 2011
Verdacht auf rechte Gewalt: Erneuter Brandanschlag auf Jugendzentrum in Neukölln
Von Jörn Hasselmann, erschienen auf Tagesspiegel Online, 9.11.2011. Wieder hat es einen Anschlag auf das Anton-Schmaus-Haus in Britz gegeben. Im Sommer wurden Neonazis hinter der damaligen Tat vermutet. Jetzt wurde am symbolträchtigen 9. November Feuer gelegt.
Unbekannte haben einen Brandanschlag auf das Anton-Schmaus-Haus der linken Jugendorganisation „Falken“ verübt – am Jahrestag der Pogromnacht. Das Holzhaus in Britz war bereits im Juni, vermutlich von Neonazis, angezündet worden und wird derzeit wieder aufgebaut. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte die Brandstiftung, und er brachte sie in Zusammenhang mit dem Jahrestag der nationalsozialistischen Pogrome vor 73 Jahren. Die Zivilgesellschaft müsse Gesicht zeigen gegen jede Form von Rechtsextremismus, Ausländerhass und Intoleranz, erklärte Wowereit.
„Die Polizei wird alle Anstrengungen unternehmen, die Täter zu ermitteln und festzunehmen.“
Bauarbeiter, die gerade ihren Dienst antreten wollten, entdeckten die Flammen am Mittwochmorgen gegen 7.30 Uhr und alarmierten die Feuerwehr. Nach Angaben von Falken-Sprecherin Mirjam Blumenthal ist der Brand genau so gelegt worden wie im Juni – nur an einer anderen Seite des Hauses. Dem Vernehmen nach gab es mehrere Brandherde, zudem seien zwei Fenster eingeworfen worden, offenbar, damit die Flammen auch ins Innere gelangen und das Haus zerstören. „Alle unsere Bemühungen sind zunichte gemacht“, klagte Blumenthal.
Das Haus nahe dem U-Bahnhof Britz Süd sollte eigentlich am 4. Dezember wiedereröffnet werden, teilten die Falken mit. Das Haus könne nun erneut für längere Zeit nicht genutzt werden. Im Juni war der Schaden auf 120 000 Euro beziffert worden, den eine Versicherung übernommen hatte. Nun sei der Schaden vermutlich etwas geringer, da das Feuer schneller entdeckt worden sei, sagte Blumenthal. Der für politische Delikte zuständige Staatsschutz der Polizei hat die Ermittlungen übernommen.
Bereits im Sommer gab es einen Brandanschlag auf das Jugendzentrum. Dabei wurde die Fassade zerstört und im Innern sind mehrere Computer beschädigt worden. Die Teilsanierung dauerte mehrere Wochen. Quelle: Foto: Thilo Rückeis
Bereits im Sommer gab es einen Brandanschlag auf das Jugendzentrum. Dabei wurde die Fassade zerstört und im Innern sind mehrere Computer beschädigt worden.
Die Täter des ersten Anschlags wurden nie gefasst, auch zur Tat von Mittwoch gibt es bislang keine Hinweise. Der oder die Täter hinterließen keine Parolen oder Flugblätter. Im Juni hatte es in der gleichen Nacht fünf Brandanschläge auf linke Projekte gegeben, am Mittwoch wurden zunächst keine weiteren Taten bekannt. Die Adresse der Falken wird seit Langem auf einer Neonazi-Seite als potentielles Ziel genannt. Auf dieser Seite werden „Linke Läden“ mit Foto und genauer Adresse genannt.
Zum Haus der Falken heißt es: Dort „wird versucht, bereits kleine Kinder ideologisch zu verblenden und so fürs Leben links zu prägen“. Zudem diffamieren die Nazis die Falken als „terroristische Kreise“ und als Treffpunkt „militanter Antifas“. Diese Anschuldigungen wiesen die Falken zurück. Das Haus werde vor allem von Kindern und Jugendlichen als Treffpunkt genutzt, teilweise übernachten dort auch Klassen oder Gruppen. Schon in den Jahren zuvor hatten Rechtsextremisten das Haus regelrecht belagert. Bei einer daraus resultierenden Schlägerei vor dem Haus hatten Linke einen bekannten Rechtsextremisten schwer verletzt und ihm das Bein gebrochen.
Das Haus trägt den Namen von Anton Schmaus, der Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend war und während der sogenannten Köpenicker Blutwoche im Juni 1933 von der SA erschossen wurde. Der Sohn eines SPD-Reichstagsabgeordneten hatte sich den Nazis entgegengestellt, als diese in das Elternhaus eindrangen, und drei SA-Männer erschossen.
Vermutlich, so Mirjam Blumenthal, sei das Datum bewusst gewählt worden. „Wir sind traditionell israelfreundlich“, sagte Blumenthal, es gebe enge Kontakte zu Israel. Karsten Thiemann, der Vorsitzende der Neuköllner Einrichtung, „ist entsetzt über die Brutalität der Rechtsextremisten und über die offensichtliche Hilflosigkeit der Politik. Nichts, aber auch gar nichts unterscheidet die Neonazis von heute von den Brandstiftern des 9. November 1938.“
Innensenator Ehrhart Körting hatte schon nach Anschlägen im Juni vor einer Eskalation gewarnt. Damals waren die Brandanschläge als Rache auf mehrere Überfälle auf NPD-Politiker gewertet worden. „Ich befürchte, dass bei Extremisten auf jede Aktion eine Gegenaktion folgt“, sagte Körting am Mittwoch.
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