Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

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12. Februar 2012

Vorkriegszeit – Die Israelis hören die Uhr ticken

Video: Stürmers Welt: Ist Krieg im Mittleren Osten denkbar?Ein Kommentar von Michael Stürmer, Welt Online. Der Kampf gegen die atomare Bewaffnung des Iran hat die Räume der Diplomatie verlassen. In Israel wird vom Präventivschlag gesprochen. Die USA geraten unter Druck.

Ein lang gestrecktes graues Tankflugzeug ohne Markierungen und Hoheitszeichen fliegt voraus, drei Jagdflugzeuge des Typs F16I mit dem Davidstern im gefleckten, radarabweisenden Tarnanstrich folgen in dichter Dreiecksformation. Einer der Jagdbomber wird im Flug über einen langen Schlauch mit Kerosin betankt. Alle haben unter den Tragflächen jeweils drei Raketen, die via GPS ihr vorbestimmtes Ziel suchen.

Luftbetankung wird geübt als Bedingung für Langstreckeneinsätze. Das Winterheft der Zeitschrift „Israel Defense“ zeigt diesen Formationsflug auf der Titelseite in Richtung Osten – man erkennt das an den Schatten – über einer wüstenhaften Küstenlinie unbestimmter Zugehörigkeit. Als wäre die Botschaft nicht klar genug ausformuliert in Richtung Iran, mit Kopie an den Rest der Welt, lautet das Titelthema: „Preparing for the Strike“.

Welcher Einsatz gemeint ist, bedarf in der gegenwärtigen Lage keiner weiteren Erläuterung. Es geht um Krisenmanagement in Vorkriegszeiten: Wenn alle Sanktionen der Vereinten Nationen nichts helfen und Verhandlungen nichts bringen außer erneutem Zeitgewinn für den Iran und seine atomare Rüstung, dann bleibt Abschreckung als letzte Warnung. Bisher ist, was geschieht, Instrument im schrillen Konzert der Abschreckung – eingeschlossen der aller Welt bekannt gemachte Fernflug israelischer Kampfflugzeuge im vergangenen Herbst von der Negev-Wüste bis Sardinien und wieder zurück, das alles ohne Zwischenlandung.

Ein israelischer Angriff könnte Wirklichkeit werden

Der Stuxnet-Computervirus hat vor zwei Jahren die iranischen Zentrifugen abgebremst, aber nur für einige Monate. Gezielte Angriffe auf Nuklear-Fachleute und die Zerstörung eines riesigen Raketendepots unweit Teheran brachten dem Atomprogramm der Iraner Rückschläge, konnten es aber bisher nicht stoppen. Wenn solche Einsätze in ihrer Wirkung begrenzt bleiben und wahrscheinlich nur die nukleare Machtbesessenheit der iranischen Führung steigern und wenn auch die Vorführung der israelischen Luftwaffe und ihrer Fähigkeiten Abschreckung nicht bewirken?

Wenn also die iranischen Revolutionsgarden unverändert nach der Bombe greifen, in Nordkorea testen lassen und – die Schätzungen lauten zwischen sechs und vierundzwanzig Monaten – ihr seit Langem eindrucksvolles Raketenarsenal mit atomaren Gefechtsköpfen bestücken? Dann, ja dann wird das Undenkbare nicht nur denkbar, sondern Wirklichkeit: Ein über mehr als tausend Kilometer vorgetragener Schlag aus der Luft gegen iranische Anlagen, verstärkt durch Spezialkräfte am Boden und Angriffe aus dem Cyberspace. Kann das glücken? Es ist ein Sprung ins Dunkle, unabsehbar die Folgen.

Nicht nur unlängst in Herzlija auf der israelischen Sicherheitskonferenz „The Balance of Israels Security“, sondern auch auf der nachfolgenden Münchner Sicherheitskonferenz war der Iran unsichtbarer Gast. Die atomare Drohung und wie sie zu verhindern sei, war das beherrschende Thema auf den Korridoren.

Die USA wären zum Eingreifen gezwungen

In Washington herrscht größte Skepsis, was einen neuen Krieg im Mittleren Osten anlangt, zum einen weil niemand glauben würde – so der frühere Sicherheitsberater Brent Scowcroft –, dass Amerika nicht die Hand im Spiel hat und das ohnehin brüchige Verhältnis der USA zu den muslimischen Staaten leiden würde; zum anderen weil die USA fast unausweichlich eher früher als später in eine militärische Auseinandersetzung am Golf hineingezogen würden.

Fachleute fürchten, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den amerikanischen Präsidenten in eine Ecke manövriert hat, wo ein amerikanisches Veto kaum denkbar und politisch auch schwerlich durchsetzbar wäre, zumal in der erregten Atmosphäre des Wahlkampfs.

Das Gleichgewicht in der Region würde sich ändern

Der neue israelische Luftwaffenchef Amir Eshel, der als hochbegabter Generalstäbler gilt, speziell für die Planung komplexer Einsätze, hat zum Dienstantritt vor wenigen Tagen noch einmal in aller Öffentlichkeit begründet, warum der Iran, koste es was es wolle, von der Bombe fernzuhalten ist:

Zum einen wegen des nuklearen Rüstungswettlaufs, der dann in der Mittelost-Region in Gang kommt, mit Ägypten, den Saudi-Arabern und der Türkei als Konkurrenten; zum anderen wegen der Ermutigung, die ein über Atomwaffen verfügender Iran seinen regionalen Stellvertretergruppen wie Hisbollah im Südlibanon und Hamas in Gaza geben wird für ihren Abnützungskrieg. Dass der „arabische Frühling“ mittlerweile zum islamischen Winter zu werden droht, bedeutet für Israel einen weiteren Unsicherheitsfaktor.

Interessant ist, dass von dem apokalyptischen Erstschlag, wie ihn der iranische Präsident Ahmadinedschad regelmäßig androht, kaum die Rede war. Stattdessen von der Veränderung aller Gleichgewichte in der Region und der Verdrängung der Vereinigten Staaten.

Atomwaffen sind politische Waffen

Der General weiß, wahrscheinlich genauer als viele andere, dass Atomwaffen von eigener Art sind. Auf keinerlei Weise sind sie mit konventioneller Feuerkraft zu verrechnen. Sie sind, so paradox es klingt, gerade wegen ihrer Übergewalt eher politischer als militärischer Natur. Das alles aber macht die iranische Herausforderung nicht nur für Israel, sondern auch für die gesamte Region zur existenziellen Bedrohung – lange bevor die erste Waffe getestet oder gar im Zorn eingesetzt wird.

Ob die Iraner Abschreckung wahrnehmen? Man hat in Israel bemerkt, dass seit 2003, als die Amerikaner Bagdad besetzten, der Iran zwei Jahre lang atomar stillhielt. Die neue Konzentration der Nato auf Raketenverteidigung, alles unter Führung der Amerikaner, setzt auf Abschreckung und Verteidigung, so als sei der Kampf gegen die Nuklearwaffen des Iran bereits verloren. Das mag den Europäern Beruhigung verschaffen, den Israelis aber eher Beunruhigung.

Der amerikanische Wahlkampf ist ein wichtiger Faktor

Es ist Vorkriegszeit, so viel ist gewiss. Krieg von niedriger Intensität ist längst in Gang. Wann aber die Kriegsfurie entfesselt wird und ob überhaupt, das ist noch nicht ausgemacht. Die Israelis hören die Uhr ticken. Politisch aber muss man den Sanktionen Zeit geben zu wirken.

Der amerikanische Wahlkampf ist ein wichtiger Faktor der Konstellation und so auch die voraussehbare arabische Reaktion: Händereiben im Stillen, Wutgeheul auf allen Marktplätzen. Die Drohung der Iraner mit Schließung der Straße von Hormus ist Selbstmord: Dann kann Amerika nicht anders als eingreifen.

Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wieder, sondern sollen einen Überblick über den öffentlichen Meinungsbildungsprozess sowie die gesellschaftliche und politische Diskussion gewährleisten.
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September 2026 | Elul-Tischri | « »

Aktuelle Veranstaltungen


Mi. 23.09.2026 | 12. Tischri 5787

Kultur

»Briefe an meinen Vater«. Von und mit Konrad Bernheimer

Beginn 19:00 Uhr:

Moderation: Ellen Presser

Konrad Bernheimer stellt das Schicksal seines Vaters Kurt sehr persönlich in den historischen Kontext dessen Lebenszeit: als Sohn des renommierten Kunsthändlers und Antiquitätensammlers Otto Bernheimer, als Bruder, Student der Kunstgeschichte, Emigranten in den venezolanischen Anden und Familienvater. 1954 kommt Konrad mit Mutter und zwei Schwestern zum Großvater nach München – ohne den Vater. Erst viel später erfährt Konrad Bernheimer, inzwischen selbst ein international erfolgreicher Kunsthändler, was mit seinem Vater einst geschah. Aus überlieferten Dokumenten und Familienerinnerungen entwickelt Bernheimer jr. eine Zwiesprache mit dem abwesenden Vater über Scham und Schuld, Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt, denn »Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt – auch wenn so vieles verschwunden ist«.

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Sa. 17.10.2026 | 6. Cheschwan 5787

Kultur

Zum 27. Mal: »Die lange Nacht der Münchner Museen

Beginn 20:30 Uhr:

Beitrag der IKG München und Oberbayern

Auf einen Blick:

Vorträge (je 30 Min.)
20:30 Uhr Dinah Zenker
22:00 Uhr Ellen Presser

Konzerte des Synagogenchors »Schma Kaulenu«
unter Leitung von David Rees
21:15 Uhr und 22:30 Uhr (ca. 30 Min.)

Eine Synagoge, wörtlich Ort der Zusammenkunft (zum Gebet), ist von zentraler Bedeutung für jüdisches Leben. Der Vortrag erläutert, woher der Name »Ohel Jakob kommt, ferner architektonische Besonderheiten und die Rolle der Musik.

Musikalische Begleitung: Luisa Pertsovska

Veranstaltungsort: Synagoge »Ohel Jakob«, St.-Jakobs-Platz 18, 80331 München

Das Restaurant Einstein im Jüdischen Gemeindezentrum bietet koschere Köstlichkeiten.

Das Ticket kostet 20 Euro und berechtigt zum Eintritt in über 100 beteiligte Häuser.

Weitere Informationen unter www.muenchner.de und www.ikg-m.de

So. 18.10.2026 | 7. Cheschwan 5787

Kultur

»Shvayg Mayn Harts«. Jiddische Lieder aus der goldenen Ära des New Yorker Yiddish Theatre

Beginn 17:00 Uhr:

Sasha Lurje & Roman Grinberg – Gesang
Shvayg Mayn Harts Orchestra
Dirigent: Michael Alexander Willens

Mit „Shvayg Mayn Harts“ erfüllt sich Michael Alexander Willens einen lang gehegten persönlichen Traum: die Musik seiner beiden Großväter Alexander Olshanetsky und
Herman Yablokoff wieder auf die Bühne zu bringen. Beide gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des jiddischen Theaters in New York.
Als Komponisten, Sänger und Bühnenstars schufen sie Lieder, die weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus bekannt wurden und bis heute zum Schatz des jiddischen Musiktheaters zählen. Werke wie „Papirosn“, „Mayn Shtetele Belz“, „Hopkele“ oder „Ikh hob dikh tsufil lib“ erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Heimweh und Hoffnung, von den Erinnerungen an die alte Heimat und vom Traum eines neuen Lebens in Amerika.
Gemeinsam mit dem eigens gegründeten „Shvayg Mayn Harts Orchestra“ lässt Michael Alexander Willens diese musikalische Welt neu aufleben. Mit Sasha Lurje und Roman Grinberg, der auch für die Orchesterarrangements verantwortlich zeichnet, stehen zwei der führenden Stimmen der internationalen jiddischen Musikszene auf der Bühne. Sie führen durch ein Programm voller Emotionen, Humor und Lebensfreude und schlagen eine Brücke von den Anfängen des jiddischen Theaters in Osteuropa bis zu seiner Blütezeit in New York.

Voranmeldung erforderlich möglichst bis 7. Oktober unter: festkonzert@ikg-m.de

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