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10. Februar 2012

Medienstudie zu Wirtschaftskrise und Antisemitismus

Antisemitismus und Wirtschaftskrise gingen schon im 19. und 20. Jahrhundert gut zusammen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise haben sich Mitarbeiterinnen des Wiener Instituts für Konfliktforschung (IKF) und des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien des österreichischen Mediendiskurses angenommen. Die Ergebnisse der zwei Jahre laufenden Studie (2009-2011) werden am 10.2.2012 bei einer Tagung im britischen Lancaster von Karin Stögner (IKF) vorgestellt: Antisemitische Äußerungen finden wieder öfter den Weg in heimische Medien – selten offen manifest, dafür latent oder codiert.

Anders als etwa im internationalen Vergleich finden sich im österreichischen Mediendiskurs wenig offen antisemitische Einstellungen, stellt Soziologin Stögner im Gespräch mit der APA fest. Nach dem Holocaust sei offener Antisemitismus in Österreich tabuisiert worden, während etwa in der “Occupy”-Bewegung durchaus antisemitische Stereotype wie die des “gierigen Juden” oder der “jüdischen Weltverschwörung” bedient wurden.

Latenter Antisemitismus komme aber auch gut ohne Referenzen zu realen Personen aus, so Stögner. Denn dieser ginge oft mit anderen Kategorien wie Sexismus oder Nationalismus einher, die als “Deckmantel für Antisemitismus” und als Ausdruck von Judenfeindlichkeit fungieren, da etwa Sexismus in der heutigen Gesellschaft weniger stigmatisiert sei. Als Beispiel nennt Stögner die Berichterstattung rund um die österreichische Bankerin Sonja Kohn, die mit den Betrugsfällen rund um Bernard Madoff in Verdacht steht. Ohne Zusammenhang mit Finanzkrise und Anlegerbetrug hätte die Berichterstattung in einigen österreichischen Medien immer wieder Weiblichkeitsstereotype verwendet – und dabei explizit erwähnt, dass Kohn Jüdin ist.

Eine andere Möglichkeit, Antisemitismus versteckt ins Spiel zu bringen, ist laut Stögner das Einflechten antiamerikanischer Versatzstücke. Antiamerikanismus hätte in Österreich eine ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition: Amerika stand so nicht nur für Demokratie, sondern auch für Traditions- und Heimatlosigkeit. “Das Bedürfnis nach Halt wurde wesentlich von Konstrukten wie Nation und Volk aufgesaugt”, so Stögner. Eben diese Elemente hätten dabei auch den modernen Antisemitismus genährt.

Man könne auch einen gewissen Zusammenhang zwischen Globalisierungskritik und Antisemitismus in den Debatten der “Occupy”-Bewegung beobachten, “wo Banken mit Juden identifiziert werden und in einem Aufwasch auch gleich die Verbotsgesetze infrage gestellt werden”, führt Stögner mit Verweis auf den mittlerweile suspendierten WU-Professor Franz Hörmann aus. Dies betreffe aber selbstverständlich wiederum nicht die “gesamte Globalisierungskritik”. Antizionismus sowie Verweise auf Israel und den Konflikt im Nahen Osten hätten eine eher unwichtige Rolle im medialen Diskurs gespielt.

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Di. 09.06.2026 | 24. Siwan 5786

Kultur

„Vier Tage im Juni. Eine nahöstliche Tetralogie. Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul“ mit Mona Yahia

Beginn 19:00

Lesung und Gespräch
Dienstag, 9. Juni 2026, 19 Uhr

In ihrem Roman »Vier Tage. Eine nahöstliche Tetralogie« erzählt Mona Yahia die Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Mossul, Tel Aviv, Babel und Istanbul. Ausgehend von einem Wendepunkt im Jahr 1918 entfaltet sich über vier Generationen hinweg ein vielschichtiges Panorama von Aufbruch, Verlust und Exil.  In eindringlichen Momentaufnahmen – jeweils verdichtet auf einen einzigen Tag – verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und stellt die Frage nach Zugehörigkeit, Erinnerung und dem eigenen Platz in der Welt. Weiterlesen »

Mo. 15.06.2026 | 30. Siwan 5786

Kultur

Buchvorstellung mit Tuvia Tenenbom: „Wie nennt Ihr dieses Land hier? Unter Siedlern“

Beginn 19:00

Buchpräsentation und Gespräch
Mit Fotos von Isi Tenenbom
Montag, 15. Juni 2026, 19 Uhr

Nach seinen Expeditionen »Allein unter Deutschen«, war er allein unter Juden, Amerikanern, Flüchtlingen und orthodoxen Juden. Inzwischen verbrachte Tenenbom acht Monate im Westjordanland unter Siedlern und sprach mit allen: religiösen Zionisten, politisch engagierten Siedlern, antizionistischen Charedim, mit Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen dort leben, mit Aktivisten, Journalisten, Politikern und Palästinensern.

Je mehr Gespräche er führte, desto deutlicher wurde: Ein einheitliches Bild lässt sich angesichts dieser komplexen Gemengelage nicht zeichnen. Gewalt verschweigt er nicht: »Ich gebe niemandem einen ›Rabatt‹. Ich weise nur darauf hin, dass dies ein kleiner Teil einer äußerst komplexen Geschichte ist – einer Geschichte mit vielen Schichten.« Weiterlesen »

Mi. 17.06.2026 | 2. Tamusz 5786

Kultur

Scholem-Alejchem-Vortrag: „ביכער פֿאַר אַלע“ – „Bücher für alle – populäre jiddische Literatur in Osteuropa, 1860 – 1914“

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Scholem-Alejchem-Vortrag in ondenk fun Evita Wiecki s“l
Mittwoch, 17. Juni 2026, 18:15 Uhr

Vortrag in jiddischer Sprache

  • Begrüßung: Prof. Dr. Martina Niedhammer
  • Einführung: Dr. Dasha Vakhrushova

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der jiddische Buchmarkt in Osteuropa neben traditionell-religiöser chassidischer Literatur immer mehr auch von weltlichen Publikationen geprägt. Diese neuen Texte richteten sich an ein breiteres jiddischsprachiges Lesepublikum, das tatsächlich großes Interesse an den neuen Formen und Inhalten zeigte. In dieser Zeit erschienen auch die ersten jiddischen Zeitungen, ein erschwingliches und leicht zugängliches Mittel der Verbreitung allgemeinen Wissens und aufklärerischer Ideen. Allmählich wurden diese Zeitungen zu einer wichtigen Bühne für literarische Werke unterschiedlichster Qualität. Der Vortrag möchte die große Bandbreite jiddischer Publikationen aufzeigen, zu denen jiddische Leser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Zugang hatten, und stellt eine repräsentative Auswahl dieser Werke vor. Dazu gehören belletristische Werke diverser Genres und Stilrichtungen von verschiedener Qualität, darunter die sogenannte shund-literatur [Trivialliteratur] sowie populärwissenschaftliche Werke, die auf die Bedürfnisse der osteuropäischen jiddischen Leserschaft zugeschnitten waren. Weiterlesen »

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